Die Flugschreiber von Flug MH17 | Bildquelle: dpa

MH17-Flugschreiber an Experten ausgehändigt Separatisten übergeben Flugschreiber

Stand: 22.07.2014 10:51 Uhr

Die prorussischen Separatisten in der Ostukraine haben die Flugschreiber der abgestürzten Boeing 777 an malaysische Experten übergeben. Die beiden Geräte seien in gutem Zustand, sagte einer der Fachleute bei der Aushändigung im ostukrainischen Donezk der Nachrichtenagentur Reuters zufolge. Beide Seiten hätten ein Dokument unterzeichnet, mit dem die Übergabe amtlich gemacht wurde.

Prorussische Separatisten um Borodai übergeben die Black Box | Bildquelle: REUTERS
galerie

Die prorussischen Separatisten in Donezk - darunter ihr Anführer Alexander Borodai - bei der Übergabe der Flugschreiber.

Der selbsternannte Regierungschef der "Volksrepublik Donezk", Alexander Borodai, sagte bei der Übergabe der Black Boxes, diese "werden die Wahrheit enthüllen". Er bestritt Anschuldigungen, nach denen die Separatisten das Flugzeug abgeschossen hätten. "Wir haben nicht die technische Fähigkeit, dieses Flugzeug zu zerstören." Zugleich habe Borodai eine Waffenruhe im Umkreis von zehn Kilometern rund um die Absturzstelle verkündet, berichtete die Nachrichtenagentur AFP. Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hatte der Armee bereits gestern befohlen, die Kampfhandlungen in einem Radius von 40 Kilometern um den Absturzort einzustellen.

Zug mit Opfern in Charkiw

Unterdessen will die niederländische Regierung die Opfer des Flugzeugabsturzes so schnell wie möglich außer Landes bringen. "Die Identifizierung geht in den Niederlanden viel schneller", sagte Ministerpräsident Mark Rutte. Diesem Plan habe die ukrainische Regierung zugestimmt.

Zug mit Opfern von Flug MH17 verlässt Tores | Bildquelle: REUTERS
galerie

Der Zug mit Opfern von Flug MH17 verlässt Tores in Richtung Charkiw.

Gestern Abend hatte ein Kühlzug mit Leichen des Großteils der 298 Todesopfer den von prorussischen Separatisten kontrollierten Ort Tores in der Nähe der Absturzstelle verlassen. Er kam inzwischen in Charkiw an. Die Stadt liegt außerhalb des Gebiets, das von den Separatisten kontrolliert wird. In Charkiw steht eine Hercules-Maschine der niederländischen Streitkräfte bereit, um die Leichen auszufliegen. Weil mehr als 190 der Opfer niederländische Staatsbürger sind, hat die Regierung in Den Haag die Koordination bei der Identifizierung der Toten übernommen.

D. v. Osten, ARD Moskau, mit Informationen über den Zugtransport der Opfer
tagesschau 12:00 Uhr, 22.07.2014

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Auch Russland stimmt für UN-Resolution

Die Frage nach der Ursache des Absturzes der Malaysia-Airlines-Maschine mit der Flugnummer MH17 am vergangenen Donnerstag rückt nach der Bergung der Leichen zunehmend ins Zentrum des Interesses. Der UN-Sicherheitsrat verabschiedete am Abend eine Resolution mit der Forderung nach einer unabhängigen Untersuchung des Absturzes, der mutmaßlich auf den Beschuss durch eine Rakete zurückgeht. Die Internationale Zivilluftfahrtorganisation ICAO solle bei der Untersuchung eine "zentrale Rolle" spielen. Experten müssten sofort Zugang zur Unglücksstelle erhalten.

Dem ursprünglich von Australien eingebrachten Entwurf hatten sich schon vor der Abstimmung zahlreiche weitere Länder angeschlossen. Russland hatte zunächst einen eigenen Resolutionsentwurf eingebracht, dann aber einer gemeinsam überarbeiteten Version des australischen Entwurfs zugestimmt. Im Fall der Nichtbefolgung droht die Resolution allerdings keine Konsequenzen an.

1/15

Chaos an der MH17-Absturzstelle

Internationale Ermittler kritisieren unhaltbare Zustände.

Ukrainische Helfer tragen eine Leiche von der Unglücksstelle.

Internationale Helfer sind über die Zustände an der Absturzstelle von Flug MH17 entsetzt: Von Beginn an überwachen zahlreiche prorussische Separatisten das viele Quadratkilometer große Gebiet. | Bildquelle: AP

Ermittlungszentrum in Charkiw eingerichtet

In Charkiw richtete die ukrainische Regierung ein Zentrum für die Ermittlungen zum Absturz ein. Dutzende internationale Experten trafen dort bereits ein und begannen bereits mit ihren Untersuchungen. Sie sollen auch die Leichen auf mögliche Anhaltspunkte für die Unglücksursache hin in Augenschein nehmen, bevor sie in die Niederlande ausgeflogen werden.

In der Frage nach den Schuldigen des mutmaßlichen Abschusses der Passagiermaschine legte nun die russische Armee Satellitenbilder und Karten vom Tag des Absturzes vor. Demnach näherte sich ein ukrainischer Abfangjäger vom Typ Suchoi-25 der Malaysia-Airlines-Boeing vor dem Absturz bis auf fünf Kilometer. Dieser Darstellung widersprach wenig später der ukrainische Präsident Petro Poroschenko im einem Interview mit dem US-Fernsehsender CNN. Er betonte, dass zum fraglichen Zeitpunkt kein ukrainisches Flugzeug in dieser Region in der Luft gewesen sei.

Absturzstelle MH17 Ukraine
galerie

Die Region Donezk mit der Absturzstelle der MH17

Darstellung: