Der niederländische Ministerpräsident Rutte bei der MH17-Gedenkfeier | Bildquelle: dpa

Jahrestag des MH17-Abschusses Gedenken ohne Gewissheit

Stand: 17.07.2015 16:28 Uhr

Eigentlich wollten die Niederlande den Bericht zum Abschuss von MH17 zum Jahrestag veröffentlichen - doch die Angehörigen der Opfer müssen sich bis zum Herbst gedulden. Die Gedenkfeier bei Utrecht war deshalb noch kein Schlussstrich, wie Murad Bayraktar berichtet.

Von Murad Bayraktar, WDR, zzt. Den Haag

"Der Abschlussbericht über MH17 ist vertraulich und die Untersuchungsbehörde wird Medienberichte dazu nicht kommentieren." Über diesen trockenen Satz im Kurznachrichtendienst Twitter hinaus sagt die niederländische Untersuchungsbehörde OVV rein gar nichts: Nichts zum Inhalt des Berichts, nichts zu den Einzelheiten der Ermittlungen und nichts zu möglichen Schuldigen.

Dabei hatte Behördenchef Tjibbe Joustra letzten Herbst noch versprochen, dass der Abschlussbericht zum Jahrestag des Absturzes von MH17 - also heute - veröffentlicht wird: "Unsere Untersuchungsbehörde plant den Bericht ein Jahr nach dem Absturz zu veröffentlichen."

Wrackteil von MH17 | Bildquelle: REUTERS
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Im Herbst will die Untersuchungsbehörde ihren Bericht über die Ursache des Absturzes von MH17 der Öffentlichkeit vorstellen.

Veröffentlichung im Herbst

Weil die meisten Opfer aus den Niederlanden kamen, leitet das Land die technischen Untersuchungen. Der abschließende Bericht soll als Grundlage für mögliche strafrechtliche Ermittlungen dienen. Doch die Niederländer haben den Bericht zunächst zur Kommentierung an die beteiligten Länder zugestellt. Die Öffentlichkeit und die Angehörigen sollen sich noch bis Anfang Oktober gedulden.

Der amerikanische Nachrichtensender CNN berichtet, dass die Experten in dem Bericht zu dem Schluss kommen, die Maschine sei von prorussischen Separatisten abgeschossen worden. "Eine Quelle, die Einsicht in Einzelheiten des Berichtes hat, erklärt, dass die niederländischen Sicherheitsexperten Beweise haben, dass prorussische Rebellen für den Abschuss des Fluges MH17 verantwortlich sind", berichtet CNN-Flugexpertin Rene Marsh.

Das Ziel: ein Prozess

Wenn am Ende wirklich klar wird, wer für den Absturz von MH17 und die 298 Toten verantwortlich ist, können die Niederländer so etwas wie einen Schlussstrich unter diese nationale Tragödie ziehen. Ministerpräsident Mark Rutte zufolge macht das internationale Ermittlungsteam gute Fortschritte "und die Regierung sucht mit unseren internationalen Partnern nach der besten Lösung, um die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen".

Trauer am Amsterdamer Flughafen | Bildquelle: dpa
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Vor einem Jahr gedachten viele Niederländer am Flughafen von Amsterdam ihrer getöteten Landsleute.

Um mögliche Schuldige vor Gericht zu bringen, fordern die Niederlande deshalb gemeinsam mit Malaysia, Australien und der Ukraine ein UN-Tribunal. Diesen Antrag an den UN-Sicherheitsrat will Russland aber mit seinem Veto blockieren.

Noch ist also unklar, wie ein Prozess zustande kommen wird. Doch die Niederländer verlieren so langsam die Geduld: Sie wollen endlich wissen, wer den Tod derart vieler Landsleute auf dem Gewissen hat: "Niemand wagt es, die Wahrheit auszusprechen. Die Spekulationen scheinen ja eigentlich Wahrheit zu sein. Aber niemand spricht es aus", sagen manche. Vor allem für die Hinterbliebenen sei das eine schlimme Sache. Andere kritisieren die Länge der Untersuchung. "Ich denke die niederländische Regierung spricht nicht deutlich aus, wer daran die Schuld hat."

Niederlande gedenken der Opfer von Flug MH17
tagesschau 20:00 Uhr, 17.07.2015, Arnim Stauth, ARD Brüssel

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Gedenktag in den Niederlanden

Der heutige Tag stand in den Niederlanden im Zeichen des Gedenkens. Während im ganzen Land die Flaggen auf Halbmast gesetzt waren, fand in Nieuwegein bei Utrecht eine zentrale Gedenkfeier statt, die nicht öffentlich war.

Die Veranstaltung zum Gedenken der Opfer wurde von und für Familien veranstaltet, erklärte der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte. Die Angehörigen verlasen bei der Feier die Namen aller 298 Opfer verlesen.   

Niederlande legen MH17-Untersuchungsbericht noch nicht vor
M. Bayraktar, ARD Den Haag
17.07.2015 09:15 Uhr

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