Trauernde Angehörige vor den auf dem Gelände des MH17-Mahnmals in den Niederlanden | Bildquelle: AP

MH17-Katastrophe 298 Bäume für 298 Opfer

Stand: 17.07.2017 17:38 Uhr

Drei Jahre nach dem Abschuss einer malaysischen Passagiermaschine über der Ostukraine ist in den Niederlanden eine Gedenkstätte für die Opfer eingeweiht worden. Mehr als 2000 Angehörige kamen zur Gedenkfeier und auch das niederländische Königspaar.

Von Ludger Kazmierczak, ARD-Studio Den Haag

Noch ist das begehbare Monument in der Nähe des Amsterdamer Flughafens Schiphol kein Erinnerungswald. Zu klein und karg sind die erst im Frühjahr gepflanzten Eschen, Apfelbäume und Linden noch. Aber das werde sich ändern, so der Sprecher der Stiftung Flugzeugkatastrophe MH17, Evert van Zijtveld: "Viele Bäume sind durch die Hinterbliebenen selbst gepflanzt worden. Sonne und Regen und ein fruchtbarer Boden werden die Bäume wachsen und unsere Lieben in Gedanken weiterleben lassen."

Van Zijtvelds Kinder, damals 18 und 19 Jahre alt, sind beim Abschuss der malaysischen Passagiermaschine ums Leben gekommen. Ihre Namen wurden bei der Gedenkfeier vorgelesen - wie die Namen aller 298 Opfer.

Noch immer keine Angeklagten

Eine Untersuchungskommission war im vergangenen Jahr zu dem Schluss gekommen, dass die Maschine aus einem von Rebellen kontrollierten Gebiet im Osten der Ukraine abgeschossen wurde - mit einem aus Russland angelieferten BUK-Raketensystem. Doch noch immer gibt es keine Angeklagten. Sollte es aber zu einem Prozess kommen - darauf haben sich die an den Ermittlungen beteiligten Länder gerade erst verständigt - wird dieser in den Niederlanden stattfinden.

"Und die Stiftung wird nicht Ruhe geben und nicht schweigen, bis die Schuldigen vor ein ordentliches Gericht gestellt und bestraft werden", sagt van Zijtveld.

König Willem-Alexander und Königin Máxima sehen sich gemeinsam mit 17 örtlichen Kindern das neue Denkmal in der Nähe des Flughafens Schiphol an | Bildquelle: REUTERS
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Auch der niederländische König Willem-Alexander und Königin Máxima kamen zur Einweihung der Gedenkstätte in der Nähe des Flughafens Schiphol.

Trauerflor aus Bäumen

Die 298 Bäume sind so angeordnet, dass sie eine große Schleife formen, einen Trauerflor. Der Weg durch den Erinnerungswald führt zu einer hellen Lichtung mit einem großzügig angelegten Amphitheater und dem eigentlichen Denkmal: einer Edelstahl-Ellipse, die wie ein Auge auf eine 16 Meter breite Wand aus rostigem Stahl blickt. In das Auge sind die Namen aller Opfer eingraviert - auch die Namen der 15 Einwohner aus Hilversum, die bei der MH17-Tragödie starben und deren Angehörige seitdem von Pfarrer Jules Dresmé betreut werden: "Wie sehr werden bei Ihnen allen diese Gefühle von damals zurückkehren, so als wäre es gestern passiert", sagt Dresmé. "Oder wie einer von Ihnen zu mir sagte: Ich schaue jeden Tag auf vier leere Stühle. Kein Tag danach wird mehr so sein, wie das Leben davor.

MH17-Gedenkstätte | Bildquelle: AFP
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Im Zentrum des Gedenkortes steht ein stählernes Auge, das den Blick Richtung Himmel richtet und in dessen verspiegelter Pupille die Namen der Opfer eingraviert sind. "Wenn man hineinsieht, kann man beides sehen - sich selbst und den Namen seines Liebsten", sagt der Künstler Westerhuis, der das Denkmal entworfen hat.

Der ersten Gedenkfeier an der neuen Erinnerungsstätte wohnten neben 2000 Familienangehörigen der Opfer auch das niederländische Königspaar und Premier Mark Rutte bei. Vor dem Monument legten sie Sonnenblumen für die Verstorbenen nieder. Denn auf einem Feld voller Sonnenblumen im Osten der Ukraine nahm Flug MH17 von Amsterdam nach Kuala Lumpur am 17. Juli 2014 ein jähes Ende.

Gedenkstätte für Opfer des MH17-Fluges eingeweiht
Ludger Kazmierczak, ARD Den Haag
17.07.2017 16:53 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 17. Juli 2017 um 17:00 Uhr.

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