Absturzstelle der MH17 in der Ukraine | Bildquelle: AFP

Erster Bericht zum MH17-Absturz Erst "durchlöchert", dann abgestürzt

Stand: 09.09.2014 17:19 Uhr

Keine Störung, kein Notfall, kein menschliches Versagen: Das malaysische Passagierflugzeug MH17 ist nach offiziellen Ermittlungsergebnissen vor seinem Absturz über der Ostukraine von mehreren Objekten "durchlöchert" worden. Danach sei es auseinandergebrochen, heißt es in dem Zwischenbericht der niederländischen Sicherheitsbehörde.

"Der im vorderen Bereich des Flugzeugs entdeckte Schaden scheint darauf hinzudeuten, dass das Flugzeug von einer großen Zahl von mit großer Energie betriebenen Objekten durchbohrt wurde, die von außerhalb des Flugzeugs kamen." Von Raketenbeschuss sprach der niederländische Sicherheitsrat allerdings nicht ausdrücklich. Allerdings weisen die Flugschreiber und die Daten der Luftverkehrsleitung dem Bericht zufolge auf einen normalen Flugverlauf hin. Es habe auch keine Notsignale der Piloten gegeben. "Alles weist auf ein abruptes Ende hin", heißt es weiter .

Niederlande legen Zwischenbericht zum Absturz von Flug MH17 vor
tagesthemen 22:15 Uhr, 09.09.2014, Arnim Stauth, ARD Brüssel

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Bei dem Absturz von Flug MH17 waren am 17. Juli 298 Menschen ums Leben gekommen, die meisten davon Niederländer. Kiew hatte behauptet, dass pro-russische Separatisten die Maschine abgeschossen hätten. Dafür und für Anschuldigungen Russlands und der Aufständischen, ein ukrainisches Militärflugzeug habe das Feuer auf die Boeing eröffnet, finden sich in dem Bericht aber keine Belege.

Separatisten belasten Kiew

Dennoch sehen sich die Separatisten durch den Zwischenbericht bestätigt. "Es ist offensichtlich, dass es eine Provokation der ukrainischen Armee war, um Russland und die Volkswehr zu diskreditieren. Es gibt eine hohe Zahl von Widersprüchen in der ukrainischen Version, und der Report bestätigt dies nur", sagte Separatistenführer Miroslaw Rudenko der Agentur Interfax zufolge. Separatistenführer Alexander Sachartschenko behauptete: "Wir verfügen nicht über die Technik, um ein solches Flugzeug abzuschießen."

Das russische Luftfahrtamt bezeichnete den Bericht als wenig aussagekräftig. "Leider ist viel Zeit verstrichen - es wird kompliziert sein, alle Ursachen zu ermitteln", sagte Experte Oleg Stortschewoj der Interfax zufolge.

Kiew: "Bericht bestätigt unsere Mutmaßungen"

Die ukrainische Regierung sprach von einem objektiven Bericht. Aus seiner Sicht gehe daraus klar hervor, dass eine Boden-Luft-Rakete die Maschine zerstört habe, sagte Vizeregierungschef Wladimir Groisman. Zur Frage nach den Tätern sagte er: "Ich denke, dass es genügend Fakten gibt; Sie können sie in Ruhe prüfen und Ihre Schlüsse ziehen." Die Regierungstruppen hätten keine Flugabwehrsysteme im Konfliktgebiet Ostukraine benutzt. "Wir haben keine derartige Waffe eingesetzt. Der Bericht bestätigt unsere Mutmaßungen", sagte Groisman.

Konfliktparteien weisen Schuld an Absturz von MH17 weiterhin von sich
tagesthemen 22:15 Uhr, 09.09.2014, Norbert Hahn, ARD Moskau

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Spekulation über Boden-Luft-Rakete

Zur Uhrzeit der Katastrophe um 13.20 Uhr befanden sich nach dem Bericht nur drei Verkehrsmaschinen mit MH17 im Luftraum über Donezk: Am dichtesten dran war demnach ein Flugzeug in 30 Kilometern Entfernung. Die Beschädigungen am Wrack könnten nach Ansicht von Luftfahrtexperten auf die Explosion einer Boden-Luft-Rakete hindeuten, die von einem "Buk"-Luftabwehrsystem abgefeuert wurde. Diese explodiert dicht bei ihrem Ziel und trifft dieses dann mit Splittern. Dies unterscheidet sie von einigen Raketentypen, die von Flugzeugen aus abgefeuert werden.

Die Experten des Sicherheitsrats wollen nun Metallsplitter untersuchen, die in Leichen der Besatzungsmitglieder gefunden wurden. "Das könnten Reste der Objekte sein, aber auch Splitter aus dem Cockpit", sagte der Vorsitzende Tjibbe Joustra im niederländischen Radio. In der niederländischen Stadt Hilversum sollen alle Opfer identifiziert werden.

Reaktionen auf MH17-Bericht
M. Schneider, ARD Moskau
09.09.2014 17:20 Uhr

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"Wollen absolute Sicherheit"

Eindeutige Aussagen über einen Raketen-Beschuss sind nach den Worten von Joustra verfrüht. "Wir wollen absolute Sicherheit", sagte er. Der Sicherheitsrat vermutet, dass an der Absturzstelle noch Reste einer Rakete zu finden sein könnten. Wegen der heftigen Kämpfe konnten die internationalen Experten die Absturzstelle bisher nicht untersuchen. Angesichts der Waffenruhe im Osten der Ukraine hoffen sie, so schnell wie möglich dorthin zu reisen.

Der endgültige Bericht soll innerhalb eines Jahres nach dem Absturz veröffentlicht werden. Bislang nutzten die Ermittler als Quellen für ihre Ermittlungen Fotos, Satellitenbilder, Radaraufnahmen sowie Daten von der Blackbox des Flugzeugs.

Der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte lobte den Bericht als wichtigen Beitrag zur rückhaltlosen Aufklärung. "Es ist gut, dass wir wissen, dass der Flug normal verlief und die Ursache von außen kam", sagte Rutte. Sobald die Sicherheitslage es zulasse, sollen Experten erneut zur Absturzstelle reisen, kündigte Rutte an.

Malaysias Premier fordert Zugang zur Absturzstelle

Der malaysische Ministerpräsident Najib Razak sagte, durch den Bericht werde der Verdacht erhärtet, dass eine Boden-Luft-Rakete für den Absturz verantwortlich sei. Er hielt weitere Ermittlungsarbeit für nötig. Es sei von allergrößter Wichtigkeit, dass die Ermittlerteams vollen und uneingeschränkten Zutritt zur Absturzstelle erhielten, um alle menschlichen Überreste zu bergen, die Ermittlungen abzuschließen und die Wahrheit einwandfrei festzustellen.

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