Wrackteile der MH17-Maschine: Laut Abschlussbericht der Ermittler hätte die Ukraine den Luftraum sperren müssen. | Bildquelle: dpa

Abschlussbericht zu MH17-Absturz Ermittler kritisieren Ukraine scharf

Stand: 13.10.2015 22:59 Uhr

Die Ermittler, die den Absturz von Flug MH17 untersucht haben, geben der Ukraine eine Mitverantwortung an dem Unglück: Sie hätte den Luftraum wegen der Kämpfe schließen müssen. Der ukrainische Außenminister wies diese Vorwürfe gegenüber der ARD entschieden zurück.

In ihrem Abschlussbericht zum Absturz von Flug MH17 über der Ostukraine erheben die niederländischen Ermittler schwere Vorwürfe gegen die Ukraine: Die Regierung hätte angesichts der Kämpfe mit Rebellen im Osten den Luftraum dort sperren müssen. "Niemand verschwendete einen Gedanken an die möglichen Gefahren für die zivile Luftfahrt", kritisierte Chefermittler Tjibbe Joustra.

Wrack der MH17 an der Absturzstelle: Die Maschine war am 17. Juli 2014 von einer Rakete abgeschossen worden, ergab nun der Abschlussbericht. | Bildquelle: AFP
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Wrack von MH17 an der Absturzstelle: Untersuchungsbericht liegt nun vor

Diese Anschuldigung wies die Ukraine sofort zurück und verteidigte ihre Entscheidung, den Luftraum über dem umkämpften Gebiet am Tag des Abschusses nicht geschlossen zu haben. Niemand in Kiew habe sich vorstellen können, dass Russland Flugabwehrraketen in die Ukraine gebracht habe, sagte Außenminister Pawel Klimkin gegenüber der ARD-Studio New York.

Zudem habe die ukrainische Regierung alle mit der Risikoabwägung befassten ukrainischen Behörden konsultiert und keine Anhaltspunkte dafür gefunden, dass sich jemand vor dem 17. Juli 2014 überhaupt eine solche Möglichkeit habe vorstellen können, führte der Minister aus.

Suche nach den Tätern geht weiter

Den Abschlussbericht nannte Klimkin trotz der Kritik der Ermittler "völlig unbefangen und transparent". Jetzt müssten die kriminaltechnischen Ermittlungen die Täter herausfinden. Die niederländischen Ermittler hatten in ihrem Bericht offen gelassen, wer die Rakete auf die Maschine der Malaysia Airlines abfeuerte. Doch zum Abschussort sagten sie, es sei ein Gebiet, in dem die pro-russischen Rebellen die Kontrolle hatten.

Pawlow Klimkin, Außenminister Ukraine, über die Untersuchungsergebnisse zu MH17
13.10.2015

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Viele Passagiere waren sofort bewusstlos

Laut dem Bericht war eine Buk-Rakete auf der linken Seite des Cockpits von Flug MH17 eingeschlagen. Alle 298 Menschen an Bord der Boeing 777 kamen am 17. Juli 2014 beim Absturz nahe der russischen Grenze ums Leben. Die Rakete schlug weniger als einen Meter vom Cockpit der Maschine entfernt ein und tötete die drei Crewmitglieder dort sofort.

Die meisten übrigen Insassen starben dem Bericht zufolge an den Folgen von Unterdruck, Sauerstoffmangel, extremer Kälte, im Luftsog oder durch umherfliegende Objekte. Es sei nicht auszuschließen, dass einige Insassen noch bei Bewusstsein gewesen seien, bis die Boeing 60 bis 90 Sekunden nach dem Treffer auf dem Boden aufschlug. Dass jemand die Situation voll erfasste und noch bewusst handelte, sei indes unwahrscheinlich.

Flug MH17 wurde von Buk-Rakete getroffen
tagesschau 20:00 Uhr, 13.10.2015, Christian Feld, ARD Brüssel

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