Demonstranten mit Pappgesichtern, die den ermordeten Fotojournalisten Ruben Espinosa zeigen. | Bildquelle: dpa

Entsetzen nach Bluttat in Mexiko Kritischer Journalist ermordet aufgefunden

Stand: 03.08.2015 10:17 Uhr

In Mexiko werden immer wieder Journalisten verschleppt oder getötet. Selbst die Hauptstadt bietet keine Sicherheit. Dort wurde der untergetauchte Fotoreporter Rubén Espinosa ermordet aufgefunden. Er hatte nicht über Drogenkartelle, sondern korrupte Politiker berichtet.

Von Anne-Katrin Mellmann, ARD-Hörfunkstudio Mexiko

Rubén Espinosa berichtete nicht über das organisierte Verbrechen, über Drogenkartelle, sondern über Politik: Er dokumentierte Menschenrechtsverletztungen und Proteste, begleitete soziale Bewegungen in seinem Heimatbundesstaat Veracruz. Damit störte er offenbar die oft korrupte Politikerkaste.

Espinosa wurde nach eigenen Angaben bedroht, mal offen, mal angedeutet. So sehr, dass er sich seit Anfang Juni in Mexiko-Stadt versteckte. Die Hauptstadt galt bislang als sicherer Rückzugsort, vor allem im Vergleich zu Veracruz, erzählte Rubén Espinosa noch vor wenigen Tagen in einem Fernseh-Interview: "Wer die schlechte Regierung von Gouverneur Javier Duarte kritisiert, wird attackiert. Ich musste gehen, weil sie mir drohten. Seit ich weg bin, wurde schon wieder ein Kollege getötet, weil die Verantwortlichen es nicht schaffen, die Journalisten zu schützen."

Regierungskritischer Journalist in Mexiko getötet
tagesschau24 09:15, 03.08.2015, Heike Janßen, ARD-aktuell

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Einschüchterungsversuche und Drohungen

Unbekannte Männer hätten ihn auf offener Straße eingeschüchtert und verfolgt, erinnert sich der Journalist. "Wegzugehen war für mich emotional sehr schwer. Es macht mich traurig und wütend, dass andere entscheiden, wie mein Leben verläuft."

Anzeige habe er nicht erstattet, weil er den Behörden nicht vertraue. Einmal hatte er es versucht: Als ihm Polizisten auf einer Demonstration seine Kameraausrüstung weggenommen hatten, zeigte er die Beamten an. Ermittelt wurde aber nie. Stattdessen habe man ihm Geld angeboten, wenn er die Anzeige zurückziehe. Er lehnte ab. Viele seiner Kollegen, so Rubén Espinosa, täten das nicht. "Viele Medien dienen dem Geld und der Korruption. Nicht nur die Eigentümer, sondern auch Reporter. Die verdienen so wenig, dass sie käuflich werden. Manchmal streiten sie um ein Frühstück, das der Gouverneur spendiert. Das ist traurig. Da wird Information prostituiert." Solch ein Verhalten schade nach Ansicht von Espinosa nicht nur dem Journalismus sondern auch der Gesellschaft.

Plötzlich war Espinosa verschwunden

Als Rubén Espinosa aus Veracruz floh, machte er seinen Fall öffentlich. Unterstützt haben ihn nur Nichtregierungsorganisationen. Nach einigen Wochen, in denen er sich weit weg, in der Hauptstadt, versteckt hatte, war er Ende letzter Woche plötzlich verschwunden, nicht mehr erreichbar. 24 Stunden später fand ihn die Polizei in einer Wohnung, in der er offenbar Unterschlupf gefunden hatte. Mit ihm waren vier Frauen gefoltert und dann regelrecht hingerichtet worden.

"Nicht noch einer" riefen Journalisten und Fotografen auf einer spontanen Kundgebung für den toten Kollegen. Unter dem Hashtag "Gerechtigkeit für Ruben" verabreden sie sich über Twitter landesweit. Viele werfen dem Staat vor, am Tod Rubén Espinosas Schuld zu sein, denn er habe auch ihn nicht geschützt. In den vergangenen 15 Jahren sind in Mexiko 88 Medienschaffende ermordet worden.

Kritischer Journalist in Mexiko ermordet
A.-K. Mellmann, ARD Mexiko City
03.08.2015 01:48 Uhr

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