Logo der Kaffeekette Starbucks | Bildquelle: AP

US-Produktboykott in Mexiko #AdiosStarbucks

Stand: 01.02.2017 16:53 Uhr

Die verbalen Angriffe des neuen US-Präsidenten haben bei Mexikanern nationalistische Gefühle geweckt: In den Netzwerken kursieren Aufrufe zum Boykott von US-Produkten und Unternehmen. Die US-Handelskammer in Mexiko-Stadt sieht darin das falsche Signal.

Von Anne-Katrin Mellmann, ARD-Studio Mexico City

Kaktus-, Guavefrüchte, Guanabana: Duftend süße tropische Früchte aus mexikanischer Landwirtschaft schmücken die Märkte. Darunter sind auch Exoten wie Kirschen und Äpfel - Importware aus den USA. Für viele seien sie inzwischen unerschwinglich geworden, erklärt die Händlerin Ana Bautiza. Schuld seien die Drohungen von US-Präsident Donald Trump, das Nordamerikanische Freihandelsabkommen NAFTA zu kündigen. Wegen der großen Unsicherheit ist der Peso gegenüber dem Dollar stark gefallen. Das verteuert Importware.

Bautiza spürt die Auswirkungen: "Ich verkaufe weniger Obst, das aus den USA kommt. Meine Kunden kaufen jetzt eher die mexikanischen Früchte. Ich finde das sehr gut, wenn weniger US-Importe und stattdessen mehr mexikanische Produkte gekauft werden." Ihr gefallen auch die vielen Videos und Nachrichten, die derzeit in Netzwerken wie Facebook kursieren: Kauft keine US-Produkte mehr, geht nicht zu Walmart, Office-Depot, McDonald's.

Offensive gegen Starbucks

Mexiko ist für die USA nicht nur zweitwichtigstes Exportland, sondern als Freihandelspartner und Nachbar auch Standort großer Ketten. Unter dem Hashtag #AdiosStarbucks machen sich derzeit patriotische Gefühle der Mexikaner bei Twitter Luft. Die Filialen der Kaffeekette sind jedoch nach wie vor gut besucht.

Emilio Gómez Islas @egomezislas
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Falsch verstandener Nationalismus seien solche Aufrufe, meint Lucero Libreros. Die 50-Jährige arbeitet für ein deutsches Versicherungsunternehmen: "Das ist keine Art damit umzugehen. Im Gegenteil: Wir müssen die Wände und Mauern einreißen und die Globalisierung voranbringen, von der wir alle profitieren. Das belebt den Handel und schafft Arbeitsplätze. Diese internationalen Ketten bringen Arbeitsplätze nach Mexiko."

Der große Konkurrent heißt nicht Mexiko ...

Die American Chamber in Mexiko, die US-Handelskammer, wehrt sich gegen Boykottaufrufe. Die wirtschaftlichen Abhängigkeiten zwischen Mexiko und den USA beruhten auf Gegenseitigkeit: 30 Prozent der regulären Arbeit in Mexiko hänge an den 1400 US-Unternehmen, die Mitglied der Kammer sind. Zudem arbeiten zwischen sechs und acht Millionen Beschäftige in den USA für den Export ins südliche Nachbarland.

Der Kammerpräsident José Maria Zas sagt, er wisse von keinem US-Unternehmen, das derzeit den Rückzug aus Mexiko plane. Kooperationen zwischen beiden Ländern seien die Lösung, Konfrontationen führten dagegen nirgendwohin: "Die USA sollten in Mexiko mehr als nur einen strategischen Partner sehen: Das Handelsdefizit zwischen beiden Ländern, von dem so viel gesprochen wird, ist gar nicht so hoch. Das Defizit mit China ist sechs Mal höher."

... sondern China

Der große Konkurrent heiße also nicht Mexiko, sondern China, so der Kammerpräsident. Mexiko könnte für die USA ein Verbündeter im Wettbewerb mit China sein. "So würde Nordamerika weltweit an Bedeutung gewinnen. Die Region hat in den vergangenen 20 Jahren viel verloren. Eine strategische Allianz zwischen Mexiko und den USA könnte helfen - beide Länder würden davon wirtschaftlich profitieren", erklärt Zas.

Doch die neue US-Politik geht einen anderen Weg: Als erste Amtshandlung kündigte Präsident Trump die Transpazifische Partnerschaft TPP. Sie hätte ein starkes Bündnis unter anderem mit Mexiko werden können - ohne China.

Mexiko - Boykott von US-Produkten als Antwort auf Trump
A.-K. Mellmann, ARD Mexiko-Stadt
01.02.2017 15:52 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 01. Februar 2017 um 06:16 Uhr.

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