Afghanistan-Besuch: Merkel bekräftigt Abzugstermin 2014

Merkel besucht Afghanistan. (Bildquelle: AFP)

Kanzlerin in Afghanistan

Merkel bekräftigt Abzugstermin für Bundeswehr

"Einerseits Fortschritt, andererseits Dinge, die Sorgen machen" - so klingt die bemühte Zusammenfassung von Bundeskanzlerin Merkel zur Lage in Afghanistan. Bei ihrem Bundeswehr-Besuch wurde sie immer wieder gefragt, was das Massaker eines US-Soldaten an afghanischen Zivilisten für das Land bedeutet.

Von Kai Küstner, ARD-Studio Südasien

Das Entsetzen in Afghanistan über das Massaker an afghanischen Zivilisten in Kandahar durch einen US-Soldaten ist allerorten spürbar. "Wie kann es sein, dass ein Ungläubiger in die Häuser der Muslime läuft und Kinder und Frauen massakriert? Ich bin sehr traurig. Ich bin bereit, auf die Seite der Taliban zu wechseln und gegen diese Ausländer zu kämpfen", sagt ein Mann aus Kandahar - auch wenn nicht jeder Afghane ähnlich weit gehen würde.

So sehr erschüttert und bewegt der Amoklauf des US-Soldaten vom Sonntag die Afghanen und die ausländischen Truppen gleichermaßen, dass auch Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrem Besuch im Norden des Landes immer wieder danach gefragt wurde.

Dorfbewohner in der Provinz Kandahar (Bildquelle: dpa)
galerie

Dorfbewohner und afghanische Sicherheitskräfte umringen das Auto mit den Opfern.

In einem Telefonat direkt aus dem Feldlager Mazar-i-Sharif sprach Merkel dem afghanischen Präsidenten ihr Mitgefühl aus. Die Kanzlerin musste sich auch fragen lassen, ob nicht durch Aktionen wie die vom Sonntag in wenigen Stunden all das wieder eingerissen werde, was man mühsam über Jahre versucht hatte aufzubauen. "Es wäre nicht der Wahrheit entsprechend gesagt, wenn man nicht auch sich Sorgen machen müsste" antwortete Merkel darauf. "Aber ich glaube, wenn man die Dinge hier abwägt, dann sieht man einerseits Fortschritt und andererseits Dinge, die weiterhin Sorgen machen."

Nützlich für die Taliban-Propaganda

Eins dürfte klar sein: Die Mordserie vom Sonntag nützt in erster Linie den Taliban. Die Extremisten hatten den Amoklauf bereits propagandistisch ausgeschlachtet und Vergeltungsangriffe angekündigt.

Ungewöhnlich scharf war die Reaktion des afghanischen Parlaments. Die Toleranz-Grenze der Afghanen sei erreicht, warnten die Politiker in einer gemeinsamen Erklärung. Und der afghanische Menschenrechtler Nadir Naderi ist sich sicher, ein Vorfall wie dieser untergrabe alle Anstrengungen, Afghanistan zu stabilisieren. "So etwas gibt den Aufständischen mehr Instrumente in die Hand, die Menschen aufzuwiegeln gegen die afghanische Regierung und ihre internationalen Partner. Und es wirft ernste Fragen auf bezüglich der Disziplin der ausländischen Truppen."

Kanzlerin Merkel zu Besuch in Afghanistan
tagesthemen 22:15 Uhr, 12.03.2012, Jürgen Osterhage, ARD Neu Delhi

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Bei dem Amokläufer soll es sich US-Medien zufolge um einen Mann Ende 30 handeln, einen Vater zweier Kinder, der schon einige Irak-Einsätze hinter sich hatte und seit Dezember erstmalig in Afghanistan eingesetzt war.

Weiterhin blieben viele Fragen offen. Welches Motiv hatte der Attentäter? Hatte er überhaupt eins? Und: Wie konnte er ungehindert mitten in der Nacht das mit Stacheldraht und Wachtposten gesicherte Armeelager verlassen?

Merkel bekräftigt Abzugstermin 2014

Merkel posiert mit Soldatinnen für ein Foto (Bildquelle: dapd)
galerie

Um positive Deutung bemüht, mit kritischen Fragen konfrontiert: Kanzlerin Merkel in Afghanistan

Eine weitere Frage, die sich aufdrängte: Ändert der Amoklauf, ändern die Koranverbrennungen, nach denen das Land wahre Tage des Zorns erlebte, irgendetwas am Fahrplan für die internationalen Soldaten, dem geplanten Abzug der Kampftruppen 2014?

"2014 ist der Abzugstermin. Und wir sind jetzt schon in der Phase der Übergabe der Verantwortung", stellte Kanzlerin Merkel in Nordfghanistan noch einmal klar.

An ihrem ganz persönlichen Reiseplan musste die Kanzlerin allerdings Änderungen vornehmen. Bereits bei der Ankunft in Mazar-i-Sharif schneite es. Wegen des schlechten Wetters konnte sie nicht das Feldlager Kundus besuchen.

Reaktionen in den USA auf die Straftaten von US-Soldaten in Afghanistan
nachtmagazin 00:45, 13.03.2012, Udo Lielischkies, ARD Washington

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Stand: 12.03.2012 17:08 Uhr

Darstellung: