Bundeskanzlerin Merkel hält die Friedenslampe in ihren Händen. | Bildquelle: REUTERS

Lampe des Friedens Merkel in Assisi ausgezeichnet

Stand: 12.05.2018 18:22 Uhr

Bundeskanzlerin Merkel ist im italienischen Assisi für ihr Friedens-Engagement ausgezeichnet worden. In ihrer Dankesrede rief sie zu mehr Anstrengungen gegen Krieg und Krisen auf.

Von Lisa Weiß, ARD-Studio Rom

Kolumbiens Staatspräsident und Friedensnobelpreisträger Juan Manuel Santos übergab in Assisi Bundeskanzlerin Angela Merkel die "Lampe des Friedens". Für diese Aufgabe hatte Santos sogar einen Satz auf deutsch gelernt: "Es ist meine Ehre, Kanzlerin Merkel die Lampe von Assisi zu übergeben."

Und so überreichte Santos, der die Lampe des Friedens Ende 2016 für die Aussöhnung mit den FARC-Rebellen erhalten hatte, die schlichte gläserne Öllampe an Merkel. Die Bundeskanzlerin darf sich jetzt auch Weltfriedensbotschafterin nennen. Die Auszeichnung der Franziskaner sei ein Licht, das Lebensenergie und Hoffnung spende, sagte Mauro Gambetti von den Franziskanern.

"Wir erkennen Ihre Bemühungen an, das friedliche Zusammenleben zwischen den Völkern zu fördern", so Gambetti. "Indem wir Ihnen die Lampe verleihen, wollen wir Ihnen auch einen Segen und eine Aufgabe mitgeben. Die Bundeskanzlerin soll sich nach dem Willen der Franziskaner zusammen mit den anderen europäischen Regierungschefs für ein einiges Europa einsetzen und für den Frieden in der Welt."

Zuschauer sitzen in der Basilika des Heiligen Franziskus in Assisi. | Bildquelle: AFP
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Feierstunde in der Basilika des heiligen Franziskus in Assisi

"Über den nationalen Tellerrand hinausschauen"

Merkel betonte dann auch in ihrer Dankesrede die Bedeutung der Europäischen Union. Sie sei ein einzigartiges Beispiel für ein friedliches Zusammenleben der Völker, für Akzeptanz und Vielfalt. "Diese Vielfalt ist es einerseits, die es uns erleichtert, uns mit unserem Kontinent zu identifizieren", sagte die Kanzlerin. "Aber vielleicht ist in der heutigen Zeit auch die Sehnsucht nach dem Respekt vor der gegenseitigen Vielfalt größer als die gelebte Akzeptanz der Vielfalt."

Man müsse über den nationalen Tellerrand hinausschauen, so Merkel. Nicht immer hätte Europa seine gemeinsamen Grundwerte im Blick. Und auch auf die Weltpolitik ging die Kanzlerin ein: In Syrien finde eine der großen humanitären Tragödien unserer Zeit statt. Die Menschen dort bräuchten ein Licht der Hoffnung - doch das sei im Augenblick noch nicht zu sehen.

"Suche nach Frieden vornehmste Aufgabe"

"Und deshalb mahnt die heutige Auszeichnung mich und viele andere europäische Staats- und Regierungschefs, uns stärker einzubringen in die Lösung dieses Konflikts", sagte die Kanzlerin. "Durch die Kündigung des Nuklearabkommens durch die Vereinigten Staaten von Amerika ist die Situation noch angespannter geworden."

Der Weg zu Frieden und Versöhnung sei zumeist nur mit großer Anstrengung und viel Ausdauer begehbar, so Merkel. Die Suche nach Frieden sei die vornehmste Aufgabe der Politik - und genau deshalb bedeute es ihr so viel, die Friedenslampe von Assisi entgegennehmen zu dürfen.

Die Kanzlerin versprach, dass sie dem Vorschlag des kolumbianischen Staatspräsidenten folgen und sich die Friedenslampe auf ihren Schreibtisch stellen werde. "Frieden gleicht dem Licht einer Lampe, das uns immer nur so lange leuchtet, wie wir auch wirklich Öl nachfüllen", sagte sie. "Das Sinnbild der Lampe ist uns allen Erinnerung und Mahnung, uns einem friedlichen Zusammenleben im Kleinen wie im Großen unablässig zu widmen."

Kanzlerin Merkel bekommt Friedenslampe in Assisi
Lisa Weiß, ARD Rom
12.05.2018 16:59 Uhr

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Über dieses Thema berichteten am 12. Mai 2018 NDR Info um 16:08 Uhr und die tagesschau um 17:00 Uhr.

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