Protest in Paris Hand in Hand gegen Atomkraft

Stand: 09.03.2013 19:27 Uhr

Mit einer Menschenkette durch Paris haben 20.000 Kernkraftgegner Schaltzentralen von Politik und Atomkonzernen umzingelt. Sie demonstrierten gegen die Energiepolitik der Regierung Hollande. Die Teilnehmerzahl ging jedoch drastisch zurück: Vor einem Jahr hatten noch 60.000 Menschen protestiert.

Von Anne Christine Heckmann, SR-Hörfunkkorrespondentin Paris

Keine lautstarke Demonstration, stattdessen eine Menschenkette quer durch Paris: Kernkraftgegner und Umweltschützer haben Hand in Hand gegen Atomkraft protestiert - vom Sitz des Atomriesen Areva im Westen der Stadt bis zum Wirtschafts- und Finanzministerium im Osten.

Menschenkette gegen Atomkraft in Paris | Bildquelle: AP/dpa
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Atomkraftgegner bildeten in Paris eine Menschenkette quer durch die Stadt.

Das Anti-Atom-Bündnis "Sortir du Nucléaire" will damit Stärke demonstrieren und die Regierung aufrütteln - die Pläne von Präsident Francois Hollande, den Anteil der Kernenergie schrittweise zu reduzieren, geht Bündnis-Sprecher Pierric Dufflot nicht weit genug: Es sei unglaublich, sagt er. "In unserem Land bewegt sich nichts. Alle anderen europäischen Länder machten Anlagen dicht. Schauen sie nur nach Deutschland, Belgien oder Italien." Doch Frankreich beharre auf seinem Atompark mit allen Konsequenzen. "Das ist fast eine Missachtung der Bevölkerung, so stur zu bleiben", sagt Dufflot.

Auch deutsche Fahnen wehten in Paris

Atomkraftgegner mit gelben Warnwesten umzingelten verschiedene Schaltzentralen von Politik und Wirtschaft. Sowohl der Stromriese EDF als auch die Nationalversammlung wurden symbolisch in Ketten gelegt. "Raus aus der Atomkraft" oder "Nie wieder Fukushima" stand auf Transparenten.

Dafür setzte sich auch die Japanerin Hanuko Boaglio ein. Ihr Haus lag 45 Kilometer von Fukushima entfernt. Eine Woche nach der Katastrophe war sie mit ihrer Familie nach Frankreich geflüchtet. "Ich bin hier, um zu sagen: 'Ja, ein Atomunfall kann eintreffen.'" Die Konsequenzen seien dramatisch: "Meine Freunde, die noch vor Ort sind, leiden. Sie haben Angst. Es gibt jetzt schon Gesundheitsprobleme. Und es ist nicht zu ändern. Man bleibt ein Leben lang verseucht."

Auch deutsche Fahnen wehten mitten in Paris. Atomkraftgegner aus Rheinland-Pfalz und dem Saarland reisten mit Bussen an. Sie forderten, dass die pannenanfälligen Meiler an der deutschen Grenze, Fessenheim und Cattenom, sofort vom Netz genommen werden. "Gerade, weil sie bemängelt wurden und trotzdem noch laufen, habe ich tierische Angst", sagt Daniel aus Trier.

Frankreich in Kernenergie-Frage gespalten

Die französische Aktivistin Simone Fest meint: "Wir brauchen hier diese Unterstützung. Denn in Frankreich haben wir so eine starke Atomlobby, dass wir uns gar nicht durchsetzen können. Viele Franzosen geben deshalb auf. Wir kämpfen weiter, aber wir brauchen Hilfe. Und die Deutschen sind sehr aktiv und unterstützen uns."

Frankreich Präsident Francois Hollande plant, den Anteil der Kernenergie von 2025 von derzeit 75 auf 50 Prozent zu senken. Das befürworten die Franzosen grundsätzlich. Gleichzeitig sind sie aber auch nicht bereit, auf ihren günstigen Atomstrom zu verzichten. Sie sind gespalten. Rund 20.000 Atomkraftgegner zählten die Veranstalter jetzt in Paris - am ersten Jahrestag von Fukushima waren es noch 60.000.

Dieser Beitrag lief am 09. März 2013 um 17:49 Uhr auf NDR Info.

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