Mélenchon steht vor Kameras in Paris und hält sich den Zeigefinger zum Schweigen vor den Mund. | Bildquelle: AP

Wahl in Frankreich Wohin tendieren die Mélenchon-Wähler?

Stand: 25.04.2017 11:45 Uhr

Wer wird künftig französischer Präsident oder Präsidentin sein? Die Wähler des ausgeschiedenen Kandidaten Mélenchon müssen jetzt zwischen Le Pen oder Macron entscheiden - für viele eine Wahl zwischen Pest und Cholera. Aber ihre Stimme ist von Bedeutung.

Von Kathrin Hondl, ARD-Studio Paris

Mehr als sieben Millionen Wählerstimmen bekam Jean-Luc Mélenchon, der Kandidat der Bewegung "La France insoumise", des "unbeugsamen Frankreichs". Besonders bei den jungen Wählern war der Linke erfolgreich: Nach Umfragen sollen um die 30 Prozent der 18- bis 24-Jährigen für Mélenchon gestimmt haben, deutlich mehr als für Emmanuel Macron und Marine Le Pen, die Finalisten dieser Präsidentschaftswahl.

Nun aber hat auch das "unbeugsame Frankreich" nur noch diese Wahl: Macron oder Le Pen. "Ich denke, wir müssen jetzt Macron wählen", sagt ein junger Mélenchon-Wähler am Wahlabend. "Viele meinen jetzt, das muss nicht sein, weil der Rest Frankreichs das schon tun wird. Aber wenn das alle denken, riskieren wir eine böse Überraschung."

Keine Positionierung gegen Le Pen

Im Gegensatz zu den meisten anderen ausgeschiedenen Präsidentschaftsbewerbern, die Macron gegen Le Pen favorisieren, weigerte sich Jean-Luc Mélenchon, eine Empfehlung für die Stichwahl abzugeben. "Jeder und jede von Euch ist sich bewusst, was Eure Pflicht ist. Ich halte mich zurück und äußere mich nicht anstelle der 450.000, die unsere Bewegung im Internet unterstützen", sagte der Politiker. Stattdessen sollen die Mélenchon-Sympathisanten nun eben dort, auf dem Internetportal des "unbeugsamen Frankreich" abstimmen, wie sie sich am Tag der Stichwahl verhalten wollen.

Eine Anhängerin von Mélenchon steht mit dessen Buch vor einem Haus und schaut in die Luft. | Bildquelle: AP
galerie

Anhänger von Mélenchon am Tag der Wahl: Für einige ist es schwierig, sich zwischen Macron und Le Pen zu entscheiden.

Ergebnisse der Befragung werden gegen Ende der Woche erwartet. Vielen Mélenchon-Wählern scheint allerdings die Lust am Wählen vergangen zu sein. Unter dem Hashtag #Sansmoile7mai ("Ohne mich am 7. Mai") plädieren sie auf Twitter für Wahlverweigerung. "Weder Pest noch Cholera. Enthaltung", heißt es da zum Beispiel. Oder: "Keine Wahl zwischen zwei Faschismen."

Beide unwählbar für die Linken

Denn vielen Anhängern des linken EU-Kritikers Mélenchon erscheint der sozialliberale Europafreund Macron genauso unwählbar wie die rechtsextreme Le Pen. Er könne aus Prinzip für keinen der beiden stimmen, sagt der Pariser Taxifahrer Mohamed. Boris, der am Wahlprogramm von Mélenchon mitgearbeitet hat, geht es genauso: "Macron steht für die 'Uberisierung', für den Verlust der nationalen Souveränität gegenüber den europäischen Institutionen, er ist gegen die Vermögenssteuer, für Finanzkapitalismus, Liberalisierung des Arbeitsmarktes - lauter politische und ökonomische Ideen, die wir zutiefst ablehnen."

Nur auf den ersten Blick erscheint es also paradox, dass nun ausgerechnet die rechte Le Pen die mehr als sieben Millionen linken Mélenchon-Wähler umwirbt. "Das sind wütende Wähler", sagt etwa der Front-National-Funktionär Steeve Briois, "sie können mit uns übereinstimmen." Und auch die Kandidatin selbst setzt in der Endphase des Wahlkampfs jetzt offensichtlich besonders auf die Mobilisierung von Globalisierungskritikern jeder Couleur.

Werben um Mélenchon-Wähler

Ihre Botschaft für die nächsten zwei Wochen, so Marine Le Pen: "Diese Präsidentschaftswahl ist eine Volksabstimmung für oder gegen die ungebändigte Globalisierung." Nach Meinungsumfragen können sich nur maximal zwölf Prozent der Mélenchon-Wähler vorstellen, für Le Pen zu stimmen. Mehr als die Hälfte dagegen setzt nach Einschätzung der Demoskopen auf Macron.

Der Wahlkampf bis zur Stichwahl am 7. Mai, er wird auch ein erbitterter Kampf um die Wählerstimmen des "unbeugsamen Frankreichs".

Wahl in Frankreich: Wohin tendieren die Mélenchon-Wähler?
Kathrin Hondl, ARD Paris
25.04.2017 12:29 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 25. April 2017 um 05:21 Uhr.

Darstellung: