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Die Gefahren sind bekannt und trotzdem ist "Meth" in den USA das Drogenproblem Nummer eins. Es ist die Droge, die aus Erkältungsmitteln, Nagellackentferner, Blumendünger und Campingbezin zusammengebraut wird. Sie tötet rasend schnell Gehirnzellen und macht aus Menschen Monster.
Von Christine Adelhardt, ARD-Studio Washington
Shaw Bridges ist erst 34 Jahre alt, aber sein Körper ist der eines 80-Jährigen. Nach zwei Herzanfällen kann er sein Krankenbett nicht mehr verlassen. Sein Herz ist dreimal so groß wie ein normales Herz. Er kann nicht mehr laufen und nicht aus eigener Kraft sitzen. Sein Gehirn ist schwer geschädigt. Mühsam versucht er, Buchstaben wieder zu erlernen. Die Droge, die ihn zu dem gemacht hat, was er jetzt ist, heißt Meth. Ihren Namen kann er gerade noch stammeln.
[Bildunterschrift: Meth - ein hochgiftiger Cocktail ]
Meth, Methamphetamin, ist das Drogenproblem Nummer eins in den USA. Meth ist die Droge des kleinen Mannes, die Droge für das flache Land, so auch in Missouri. Gerry Higgenbottem ist Chef der Drogeneinheit in Jefferson County. Sein Job ist es, Methküchen ausheben. Zehn Stunden am Tag, sieben Tage die Woche: "Unsere Gegend ist ländlich. Gerade richtig, um Meth ungestört herzustellen. In dicht besiedelten Gebieten würden Nachbarn den Gestank der Chemikalien riechen und die Polizei rufen. Hier bei uns gibt es so viele Drogenküchen, dass wir gar nicht nachkommen. Wir finden sie in Luxusvillen genauso wie in heruntergekommenen Wohnwagensiedlungen."
Gerry und seine Leute haben einen Tipp bekommen. Eine junge Frau hat auffällig viele Tabletten gegen Erkältung gekauft, den Grundstoff für die Meth-Herstellung. Erlaubt sind nur drei Päckchen pro Person pro Monat. Die örtlichen Drogerien führen Listen. Jeder Käufer wird der Polizei gemeldet. Häuser, in denen Meth gekocht wird, sind toxisch verseucht. Die giftigen Dämpfe kriechen in Wände, Teppiche und Möbel.
Seit der Tablettenkauf reglementiert wurde, organisieren sich die Süchtigen in Gruppen. Jeder einzelne kauft die erlaubte Menge, dann wird zusammengelegt und gekocht. Überall sind Chemikalien verstreut: Phosphor, Lithium, Ammoniak, weitere Zutaten für die synthetische Droge.
7000 Kinder wurden in den letzten fünf Jahren in Pflegefamilien untergebracht, weil ihre Eltern Meth-süchtig sind. So war das auch bei Tanja und Denny. Tanja lebt erst seit kurzem wieder bei den Eltern, denn seit einem Jahr sind sie clean. "Wenn Du Meth nimmst, bist Du unglaublich glücklich. Du kannst wach bleiben, tagelang", erzählen sie. Keine Droge macht länger high, keine derart ich-bezogen. Meth die Droge für den Egotrip.
"Tweaking" nennen die Abhängigen das Verhalten. "Solange Du tweakst, ist alles in Ordnung. Aber sobald jemand kommt und Dich anspricht, ist man sofort abgelenkt. Man kann sich auf nichts mehr konzentrieren. Man fängt immer neue Sachen an und bringt nie etwas zu Ende. Deine Gehirnzellen sterben so schnell. Du vergisst einfach alles. Wir haben uns nicht mehr um unsere Kinder gekümmert, ob sie etwas zu essen hatten oder anständig angezogen waren. Wir haben das Haus völlig verkommen lassen, nicht mehr geputzt. Es sah schrecklich aus", so die Eltern.
Für Drogenfahnder bedeutet Meth bekämpfen nicht organisierte Drogengangs zu jagen. Meth bekämpfen heißt, nach Nagellackentferner, Blumendünger und Campingbenzin zu suchen. Die Zutaten für die Monsterdroge gibt es spottbillig in jedem Supermarkt. Jeder kocht für seinen Eigenbedarf. Hauptbestandteil sind Erkältungsmedikamente, die rezeptfrei überall erhältlich sind. Mit den Chemikalien zusammengemischt wird daraus ein hochgiftiger Cocktail.
Stichwort:Methamphetamin (chem.: N-Methylamphetamin) wurde erstmals 1919 in Japan hergestellt. 1938 kam es in Deutschland als Präparat unter dem Markennamen Perventin auf den Markt. Im 2. Weltkrieg wurde Perventin von der Wehrmacht zur Leistungssteigerung eingesetzt und erhielt so Beinamen wie „Panzerschokolade“. Bis heute fungiert die Droge in Szenekreisen daher unter Namen wie „Hitlers Speed“.
Methamphetamin wird als illegale Droge unter Namen wie „Meth“, „Glass“, „Ice“ oder „Crystal“ angeboten. Die Namen beziehen sich auf die Beschaffenheit der Droge, die bei Raumtemperatur aus weißen bis durchsichtigen Kristallen besteht. Der regelmäßige Konsum führt zu psychischer Abhängigkeit, Knochen- und Zahnerkrankungen, Nerven-, Magen-, Leber- und Nierenschäden, Schlaganfällen und Psychosen.
Methylamphetamin unterliegt in Deutschland dem Betäubungsmittelgesetz, Erwerb, Handel und Herstellung sind verboten und mit Geld- und Freiheitsstrafen bedroht.
"Meth verwandelt junge schöne Frauen in Monster. Dein Charakter verändert sich", erzählen Denny und Tanja. "Ich habe Frauen gesehen, die sich das ganze Gesicht zerkratzen, weil sie glauben, da krieche etwas. Deine Zähne verfaulen, dein Haar fällt aus. Es ist schrecklich." Bilder des Verfalls: Die Süchtigen kratzen sich wund. Aus gesunden Menschen werden lebende Tote. Meth ist die Droge mit der höchsten Rückfallquote. 97 Prozent schaffen es nicht, clean zu bleiben.
Für Shaw gibt es kaum noch Hoffnung. Sein Vater muss ihn künstlich ernähren. Zu dem körperlichen Verfall kommt das Absterben der Gehirnzellen. Meth zerstört die Gehirnteile, mit denen Fühlen erst möglich ist. Ohne Droge können die Süchtigen keine normalen Gefühle mehr empfinden. Keine Freude, keine Trauer, kein nichts. Nur solange sie Meth konsumieren, werden Glückshormone ausgeschüttet.
Wie das damals war, daran kann sich Shaw kaum noch erinnern: "Es war viel besser als jetzt", versucht er zu stammeln. Auf die Frage, wie Shaw sich fühlt, kann er nicht antworten. "Nimm kein Meth", stammelt Shaw. Mehr kann er nicht mehr sagen: "Meth."
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