Hintergrund

Chronologie Von der "Sonnenscheinpolitik" zum "Schurkenstaat"

Stand: 03.12.2003 12:29 Uhr

Unterernährte Kinder in Nordkorea
galerie

Unterernährte Kinder in Nordkorea

2000 – Historischer Gipfel in Pjöngjang. Kim Jong Il und der südkoreanische Präsident Kim Dae Jung reichen sich die Hand.

Das Treffen gilt als Geburtsstunde der südkoreanischen "Sonnenscheinpolitik". Seoul investiert in der Folge in nordkoreanische Produktionsstätten und hilft Pjöngjang so aus seiner katastrophalen Wirtschaftslage. Wichtigstes Projekt ist eine Hyundai-Fabrik in einer Sonderzone nördlich der gemeinsamen Grenze.

Der Propagandasender des Nordens stellt seine Sendungen nach Südkorea ein.

Südkoreanische Journalisten dürfen erstmals den Norden bereisen.

Erstmals wird der offizielle Verkehr zwischen Grenzstationen im Niemandsland der demilitarisierten Zone aufgenommen.

Familienzusammenführung nach Jahrzehnten der Trennung: 100 Nordkoreaner treffen ihre südkoreanischen Verwandten.

US-Außenministerin Madeleine Albright besucht Pjöngjang. Ihr 12-stündiges Treffen mit Kim Jong Il schildert sie positiv.

Mai 2001 – Eine EU-Delegation unter schwedischer Führung reist nach Nordkorea, um für den Annäherungsprozess mit dem Süden zu werben. Es handelt sich um die hochrangigste diplomatische Mission, die jemals vom Westen in das kommunistische Land reiste.

Juni 2001 – Nordkorea bittet die Weltgemeinschaft abermals um Hilfe, damit es die schlimmste Dürre seiner Geschichte überlebt.

Im Grenzgebiet kommt es erneut zu kurzen Familientreffen.

August 2001 – Der mit Flugangst geschlagene Kim Jong Il reist per Zug zu seinem ersten Besuch nach Moskau.

Dezember 2001 – Ein nordkoreanisches Spionageschiff in japanischem Hoheitsgebiet löst eine diplomatische Krise aus.

Januar 2002 – US-Präsident George W. Bush erklärt in seiner Rede zur Lage der Nation Nordkorea, Irak und Iran zur "Achse des Bösen". Pjöngjang stuft Bushs Äußerungen als halbe Kriegserklärung ein.

Juni 2002 – Marineschiffe der beiden Koreas liefern sich den schlimmsten Schusswechsel seit drei Jahren. 35 Matrosen sterben bei dem Zwischenfall.

September 2002 – Der japanische Premier Junichiro Koizumi besucht als erstes japanisches Staatsoberhaupt Pjöngjang. Dort verliest er eine Erklärung, in der er sich indirekt für japanische Kriegsgräuel entschuldigt.

Sein Gastgeber entschuldigt sich seinerseits für die Entführung von Dutzenden Japanern durch Pjöngjangs Geheimdienst, die erstmals offiziell zugegeben wird. Auf das Geständnis Nordkoreas reagiert Japan mit Empörung. 12 Milliarden Dollar Entwicklungshilfe aus Tokio werden auf Eis gelegt.

Oktober 2002 – Neue Spannungen um Nordkoreas Atomprogramm. Auf Betreiben der USA werden die Öl-Lieferungen eingestellt.

Dezember 2002 – Pjöngjang fährt den umstrittenen Reaktor Yongbyon wieder an. UN-Inspektoren müssen ausreisen.

Januar 2003 – Nordkorea zieht sich aus dem Atomwaffensperrvertrag zurück.

April 2003 – Delegationen aus Nordkorea, China und den USA beginnen Gespräche über Nordkoreas Atomprogramm.

Ein nordkoreanische Diplomat lässt durchblicken, dass sein Land die Bombe besitzt.

Chef der internationalen Atomenergiebehörde: Mohammed Al Baradei
galerie

Mohammed ElBaradei (Archivbild)

Juni 2003 – IAEO-Chef Mohamed ElBaradei warnt davor, dass Nordkorea im Besitz von waffenfähigem Plutonium sei.

Juli 2003 – Pjöngjang behauptet jetzt auch offiziell, dass es genug Plutonium produziert habe, um eigene Bomben zu bauen.

August 2003 – Neue Gespräche über Nordkoreas Atomprogramm in Peking. Diesmal ist auch Japan vertreten. DAbei sind auch die beiden Koreas, China, die USA und Russland. Es werden weitere Treffen vereinbart.

Oktober 2003 – Pjöngjang behauptet, dass es 8000 Brennstäbe wiederaufbereitet hat – und jetzt sechs Atombomben bauen könnte.


Japan soll auf Wunsch Nordkoreas von weiteren Verhandlungen über das Atomproblem ausgeschlossen werden. Grund: Tokio habe Pjöngjangs Eingeständnis, dass es Japaner entführt habe, bei dem Treffen angeführt.

Atomreaktor Jongbjon (Foto: Reuters)
galerie

Umstrittener nordkoreanischer Atomreaktor Jongbjon (Satellitenbild)

November 2003 – Der nordkoreanische Botschafter in Großbritannien sagt der Nachrichtenagentur Reuters, sein Land besitze ein "nukleares Abschreckungspotenzial". Beobachter werten dies als erstes offizielles Eingeständnis, dass Pjöngjang eine funktionstüchtige Bombe besitzt.

Die japanische Presse berichtet über angebliche Sicherheitsgarantien der USA für Nordkorea, falls sich Pjöngjang zum Ausstieg aus seinem militärischen Atomprogramm entschließt.

Der Start einer japanischen Weltraumrakete mit zwei Spionagesatelliten schlägt fehl. Sie wird gesprengt. Die Satelliten sollten vor allem Militäraktionen Nordkoreas überwachen.

Dezember 2003 – Neue Gesprächsrunde in Peking angekündigt.

Darstellung: