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Der junge Autor Saviano war in seinem Anti-Mafia-Bestseller "Gamorra" für italienische Verhältnisse mutig: Er nennt Namen der napolitanischen Camorra. Dafür lässt ihn die Mafia büßen: zunächst mit Drohbriefen. Innenminister Amato stellte Saviano nun unter Polizeischutz. Und Autor Eco mobilisiert gegen die Angriffe auf die Meinungsfreiheit.
Von Stefan Tröndle, ARD-Hörfunkstudio Rom
"Gomorra" heißt das Buch, um das sich alles dreht. Der Titel ist ein Wortspiel. Er steht zum einen für die aus der Bibel bekannten Zustände, außerdem heißt die napolitanische Variante der Mafia "Camorra", im süditalienischen Dialekt ausgesprochen eben "Gomorra".
[Bildunterschrift: Roberto Saviano ]
Das Buch hat es in sich: Der Autor Roberto Saviano stammt aus Neapel, er liefert Hintergründe über das Wirtschaftssystem der Camorra, über Schmuggel, über illegalen Waffen- und Drogenhandel - und er nennt Namen. Nicht zuletzt deshalb steht das im italienischen Mondadori-Verlag erschienene Buch seit fünf Monaten auf der Bestsellerliste. Der erst 28 Jahre alte Schriftsteller wurde sogar mit mehreren Preisen ausgezeichnet. Genau das passt wohl den Herren nicht, die in seinem Buch auftauchen.
Seit einiger Zeit bekommt Saviano nachts anonyme Anrufe und immer wieder Drohbriefe. Zudem versucht die Camorra, sein Umfeld zu beeinflussen. Zum Beispiel sagt der Bäcker, bei dem Saviano seit Jahren einkauft, plötzlich: "Können Sie denn nicht endlich aufhören, Ihr Brot bei uns zu holen?" Das ist eine der typischen Vorgehensweisen der Mafia: Zuerst Distanz schaffen, das Opfer öffentlich brandmarken, isolieren - und dann zuschlagen.
[Bildunterschrift: Schriftsteller Umberto Eco ]
Genau das hat nun Umberto Eco, einen der bekanntesten italienischen Schriftsteller, dazu gebracht, sich in den Hauptnachrichten des italienischen Fernsehens mit einem dramatischen Appell an die Öffentlichkeit zu wenden. Um deutlich zu machen, worum es ihm geht, führt Eco zunächst einige prominente Beispiele an: "Im Fall Rushdie war es ähnlich", so Eco. "Er wurde verurteilt, weil er ein paar Zeilen geschrieben hatte, die angeblich die Religion beleidigten; vor kurzem gab es Todesdrohungen gegen einen islamkritischen Lehrer aus Toulouse, und auch den Papst könnte man in dieser Beziehung erwähnen. Wir haben ja gesehen; dass er für ein historisches Zitat in einer Vorlesung angegriffen und bedroht wurde", so Eco.
Aber Angriffe auf die Meinungsfreiheit und Drohungen wegen unbequemer Äußerungen kommen schließlich nicht nur aus islamistischen Kreisen: EWenn man so will, liegen wir Italiener historisch gesehen ganz vorne in diesen Fällen von Intoleranz", sagt der Autor.
Damit sind die Drohungen der Mafia gemeint. Im Süden des Landes haben die Behörden nicht viel zu melden. Wer gegen die Omertà verstößt, das Schweigegebot, der ist in Gefahr. Und jetzt, so Eco, sehe es so aus, dass Saviano in einer Lage ist, in der er sich nicht mehr äußern darf. Der Autor von „Der Name der Rose“ vergleicht die Situation mit dem Fall Falcone-Borsellino. Beide waren Anti-Mafia-Richter, beide erhielten zahlreiche Drohungen, und beide wurden in der Öffentlichkeit isoliert und schließlich im Jahr 1992 ermordet.
"Wenn man an die mögliche Ermordung von Salman Rushdie denkt, weiß man nicht, ob der Täter aus Malaysia gekommen wäre oder aus Pakistan oder Ägypten", so Eco. Aber im Fall Saviano wisse man ganz genau, von wem die Drohungen kommen. "Sogar die genauen Namen sind bekannt! Sie stehen nämlich im Buch", sagt der Schriftsteller.
Michele Zagaria, Antonio Iovine, Francesco Schiamone. Diese drei Namen sind in Savianos Buch zu lesen. Der junge Autor hat die mutmaßlichen Camorra-Bosse in seinem Buch nicht nur genannt, er hat sie auch bei einer Kundgebung aufgefordert, endlich zu verschwinden. Das sorgte für neue Drohungen - und für Umberto Ecos Forderung: "Es geht doch einfach darum, dass der Staat eingreifen muss und zwar in einem Fall, in dem man alles weiß."
Zumindest vorerst scheint Ecos Appell erfolgreich gewesen zu sein. Denn Italiens Innenminister Giuliano Amato hat den Fall jetzt zur Chefsache erklärt. Der erste Schritt: Roberto Saviano steht seit kurzem unter Polizeischutz.
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