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20.03.2010

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Ausland
Ecuador: Linker Kandidat setzt sich klar durch
Stichwahl um Präsidentenamt in Ecuador

Klares Ergebnis für linksgerichteten Kandidaten

Ein wenig überraschend ist das Ergebnis schon: Bis vor kurzem sah es so aus, als würden sich die beiden Bewerber um das Präsidentenamt in Ecuador ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern. Doch der linksgerichtete Kandidat Correa setzte sich klar durch.

Von Gottfried Stein, ARD-Hörfunkstudio Südamerika

Anhänger von Rafael Correa (Foto: AP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Anhänger von Rafael Correa feiern seinen Sieg bei der Präsidentschaftswahl ]
Im Überschwang der Freude verspricht er den Menschen gleich ein neues Vaterland: Rafael Correa, ein Sozialist und, wie viele sagen, ein Linkspopulist, wird der neue Präsident Ecuadors. Nach Auszählung eines Großteils der Stimmen liegt der 43-Jährige uneinholbar vor seinem Kontrahenten, dem rechtskonservativen Multimillionär Alvaro Noboa. Correa ist entschlossen, das krisengeschüttelte Land radikal zu ändern: "Unser Kampf war immer dafür da, um das Vaterland zurückzuerobern. Damit das Vaterland souverän wird, mit sozialer Gerechtigkeit, in der Erziehung, der Gesundheit, der Arbeit. Ein Vaterland, das keiner mehr aus Not verlassen muss. Und in das diejenigen zurückkehren können, die schon weggegangen sind. Ein Vaterland ohne Kinderarbeit, ohne Frauendiskriminierungen, ohne soziale Ungleichheiten“.

Noboa lag in Umfragen vorn

Der Wirtschaftswissenschaftler und Ex-Finanzminister war wie Don Quichote gegen die etablierten Parteien angetreten und hatte bei den gleichzeitigen Parlamentswahlen sogar auf eine eigene Liste verzichtet, um seine Geringschätzung der etablierten Politik zu unterstreichen.

Rafael Correa (Foto: REUTERS) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Rafael Correa]
Alvaro Noboa (Foto: AP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Alvaro Noboa]
 

Sein Widersacher Alvaro Noboa hatte im ersten Wahlgang und in den Umfragen lange geführt und sich gute Chancen auf einen Sieg ausgerechnet. Der 56-Jährige, der vorher bereits zweimal in Stichwahlen gescheitert war, wollte seine Niederlage nicht eingestehen und das amtliche Endergebnis abwarten – angesichts der aufgeheizten Stimmung eine verständliche Reaktion, meinte der Vorsitzende der internationalen Wahlbeobachterkommission, Jose Antonio Viera: "Es ist nur natürlich, dass Nervosität herrscht, denn es ist eine politisch sehr polarisierte Wahl. Laut Umfragen hat sich das Ergebnis ständig von einem zum anderen verlagert, und der Unterschied war immer ziemlich gering“.

"Jugendliche Ausstrahlung spielte eine Rolle"

Die beiden bekennenden Katholiken hatten sich eine erbitterte Schlammschlacht geliefert. Noboa bezeichnete Correa als Kommunisten und Marionette des venezulanischen Populisten Hugo Chavez. Correa warf dem Bananenmagnaten Noboa Kinderarbeit und Ausbeutung vor. Letztlich gab vermutlich die Ausstrahlung des eher wie ein Schauspieler aussehenden Correas gegenüber dem untersetzten Multimillionär Noboa den Ausschlag, glaubt der Politikwissenschaftler Alejandro Mejia: "Die Jugend und das Charisma von Raphael Correa haben viel ausgemacht. Das zeigt uns die Analyse seiner Kampagne der letzten Woche. Er war sehr kämpferisch, wie ein Marathonläufer, unermüdlich, mit einer beeindruckenden Energie. Und was das wichtigste war: Er ging auf die Menschen zu, berührte sie, lebte mit ihnen zusammen, um seine Botschaften weiterzugeben“.

Distanz zu den USA

Politisch ist Ecuador ein heißes Pflaster: Die letzten drei gewählten Präsidenten wurden vorzeitig aus dem Amt gejagt. Correa wird der achte Präsident in nur zehn Jahren. Er hat keine eigene Fraktion im Kongress, geschweige denn eine Mehrheit. Er will stattdessen mit einer verfassungsgebenden Versammlung das politische System erneuern, ähnlich wie die ihm nahe stehenden Präsidenten Chavez in Venezuela und Evo Morales in Bolivien. Spannend wird außerdem seine Haltung gegenüber den USA: Der Sozialist will das geplante Freihandelsabkommen mit Washington auf Eis legen und Auslandsschulden nicht mehr zurückzahlen, um in Sozialprogramme zu investieren.

Stand: 27.11.2006 05:13 Uhr
 

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