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Der Bestand der Polarbären ist nach Ansicht des US-Innenministers Kempthorne bedroht. Er will die Tierart besonders schützen lassen. Da die Bedrohung des Eisbärs eine direkte Folge der Klimaerwärmung ist, kommt nun Hoffnung auf, dass die US-Regierung den Umweltschutz neu bewertet.
Von Georg Schwarte, ARD-Hörfunkstudio Washington
[Bildunterschrift: Eisbär in der Arktis ]
Umweltexperten nennen sie die ersten echten Opfer der Erderwärmung. Tierschützer sprechen von einer Tragödie in Zeitlupe. Seit nämlich in der Arktis die Polkappen schmelzen, löst sich der Lebensraum der letzten rund 25.000 Eisbären weltweit buchstäblich in Wasser auf. Dass jetzt ausgerechnet die für ihre Klimapolitik gescholtene US-Regierung empfiehlt, den Eisbären als bedrohte Tierart ins nationale Artenschutzgesetz aufzunehmen, ist für manche Ironie der Geschichte. US-Innenminister Dirk Kempthorne aber meint es völlig ernst: " Der Eisbär ist eigentlich bestens fürs Überleben in rauer Natur gerüstet aber jetzt gibt es die Sorge, dass sein Lebensraum buchstäblich schmilzt."
Eine Sorge mit Konsequenzen: Erstmals nämlich räumt die US-Regierung jetzt offen ein, dass Klimawandel eine Tierart bedrohen kann. Erstmals wird die globale Erderwärmung außerdem offiziell als Begründung genannt, ein Tier unter Artenschutz zu stellen. Für Umweltschützer wie Andrew Wetzler eine möglicher Lichtblick mit politischer Brisanz. "Wenn der Eisbär tatsächlich auf die Liste kommt, dann müsste die US-Regierung künftig per Gesetz alles tun, um seinen Lebensraum zu schützen. Das wäre eine phantastische Nachricht", so Wetzler.
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Die Hoffnung von Greenpeace und anderen Umwelt-Organisationen: Die Regierung Bush könnte quasi durch die Hintertür, durch den vielleicht bald unter Schutz gestellten Eisbären, gezwungen werden, gegen Treibhausgase und Klimawandel vorzugehen, um den Lebensraum des Tieres zu retten. Neue CO2-Richtlinien für Industrie und Automobilbranche inklusive. Wissenschaftler prognostizieren, dass das Sommertreibeis auf dem arktischen See - Jagd- und Futterraum für die Eisbären - bis zum Ende des Jahrhunderts komplett geschmolzen sein könnte. In den letzten Jahren sind allein in Kanada die Eisbärbestände um über 20 Prozent geschrumpft.
Wissenschaftler wie Bob Corell von der Meteorologischen Gesellschaft beobachten weitere Phänomene. "Die Tiere werden dünner und dünner, bekommen weniger oder gar keinen Nachwuchs und die Eisbären könnten in einigen Jahrzehnten komplett ausgestorben sein."
Wissenschaftler berichten im amerikanischen Fernsehen zum ersten Mal von Eisbären die ertrinken, weil der Abstand zwischen dem schmelzenden Treibeis und dem Festland zu groß wird. Andere Bären fallen sich aus Futtermangel gegenseitig an. Die überwältigende Mehrheit der Wissenschaftler geht davon aus, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen dem Austoß von Treibhausgasen wie Kohlendioxid und der Erderwärmung gibt. In den USA aber leben Zweifler, so beispielsweise der amtierende Vorsitzende des Umweltausschusses, Senator James Inhofe: Er hat Klimawandel nicht nur öffentlich als "Scherz" bezeichnet, sondern propagiert den vermehrten Ausstoß von Kohlendioxid sogar als Segen. "CO2 ist nicht nur kein Umweltgift, sondern im Gegenteil hilfreich für die Natur. Wir brauchen mehr davon nicht weniger."
Zwölf Monate haben Sachverständige der Regierung Bush jetzt Zeit, den Vorschlag des Innenministeriums zu prüfen, den Eisbären unter Artenschutz zu stellen. Und die Juristen prüfen bereits, ob ein unter Schutz gestellter Eisbär zum Einfallstor für eine geänderte amerikanische Klimapolitik werden könnte.
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