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In Schweden sind berufstätige Mütter die Regel. Die Lebenshaltungskosten sind hoch und staatliche Unterstützung gab es bislang nur für Eltern mit Job. Das soll sich ändern: Künftig bekommen Familien 300 Euro monatlich, wenn sie ihr Kind in den ersten drei Jahren zu Hause lassen.
Von Albrecht Breitschuh, ARD- Hörfunkstudio Stockholm
Die vierjährige Beatrice ist kein gewöhnliches schwedisches Kind. Nicht etwa, weil sie so gut Klavier spielen könnte - nein, es ist ihr gesamter Tagesablauf, der sich von den meisten Gleichaltrigen in Schweden unterscheidet.
[Bildunterschrift: Schwedische Kinder während eines Fußballländerspiels ]
Beatrice wächst zu Hause auf. Ihre Mutter, Katharina Blomfeld, hat sich bewusst gegen einen Platz in der Kindertagesstätte entschieden, was in Schweden ungewöhnlich ist: "Wenn man in Schweden auf andere Eltern trifft, mit denen ins Gespräch kommt und sagt, dass mein Kind nicht in den Kindergarten geht, dann schlagen sie die Hände über dem Kopf zusammen und fragen: Hast Du Dir das gut überlegt." Blomfeld hat inzwischen gelernt mit diesen Fragen zu leben. Dass man in Schweden ziemlich schräg angeschaut wird, wenn man als Mutter nicht berufstätig ist, stört sie nicht mehr. Im Gegenteil: "Das Schönste ist eigentlich, dass wir morgens keinen Stress haben. Wir können im Bett liegen bleiben, wenn wir wollen. Beatrice spielt dann zwar oft allein, aber wir machen auch viel. Sie singt in einem Kinderchor, hat Klavierunterricht und einmal die Woche geht sie zum Ballett - auch wenn das vielleicht ein bisschen früh kommt."
Die 38-Jährige weiß, dass sie sich in einer privilegierten Situation befindet. Ihr Mann ist erfolgreicher Unternehmer in der Süßwarenbranche, die finanzielle Notwendigkeit auch berufstätig zu sein, besteht also nicht. Während viele Ehepaare arbeiten müssen, um über die Runden zu kommen, hatte sie die Wahl. Die hohen Steuern, so Blomberg, ließen anderen Eltern gar keine andere Möglichkeit, als ihre Kinder möglichst schnell abzugeben: "Der Staat will uns einreden, dass es für alle besser wäre, wenn man sein Kind in den Kindergarten gibt. Dabei ist es vor allem für den Staat besser, wenn wir arbeiten. Er profitiert durch die hohen Steuern. So vorteilhaft ist das System für uns nicht - es gibt immer mehr, die das genau so sehen."
Die Politik hat auf diese Entwicklung inzwischen reagiert. Die bürgerliche Vier-Parteien-Regierung führt zum 1. Januar 2008 eine Betreuungsunterstützung von rund 300 Euro netto pro Monat für Eltern ein, die ihr Kind in den ersten drei Lebensjahren zu Hause lassen. Vor der Wahl im September 2006 hatten bereits drei Stockholmer Kommunen das Betreuungsgeld eingeführt. Seitdem sind rund 100 neue Kommunen dazugekommen.
Nach einer Umfrage des staatlichen Meinungsforschungsinstitut Sifo sind 79 Prozent der Schweden dafür, dass der Staat auch die häusliche Erziehung unterstützen solle. Bisher gab es nur Geld vom Staat, wenn beide Eltern berufstätig waren. Gegner dieser Regelung sprechen von einer Frauenfalle, da es vor allem die Frauen wären, die zu Hause blieben. Von einer richtigen Wahlmöglichkeit könne man ohnehin nicht sprechen, so Katharina Blomfeld. Für 300 Euro netto würde niemand seinen Job aufgeben. Die hohen Steuern und Lebenskosten seien das Problem. Sie verhindern eine freie Entscheidung. Dass das schwedische Modell als Vorbild für Deutschland gilt, kann die Mutter nicht nachvollziehen: "Wir haben einen Bekannten, der längere Zeit in Deutschland gearbeitet hat. Er und seine Frau haben drei Kinder und sie haben es dort sehr genossen. Man konnte an einem ganz normalen Tag Kinder auf dem Spielplatz sehen. Schauen sie sich mal auf einem schwedischen Spielplatz um - wie ausgestorben."
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