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In der simbabwischen Hauptstadt Harare haben sich Anhänger der oppositionellen Bewegung für Demokratischen Wandel und die Polizei schwere Auseinandersetzungen geliefert. Die Lage in dem Land eskaliert: Präsident Robert Mugabe lässt Demonstrationen niederknüppeln, vergangenes Wochenende wurde Oppositionsführer Morgan Tsvangirai schwer verletzt. Binnen sieben Jahren hat der Despot sein Land in den Abgrund gerissen. Die Felder sind versteppt, die Menschen hungern. Viele sehen nur noch einen Ausweg: Flucht. Doch wer dabei erwischt wird, dem drohen harte Strafen.
Von Richard Klug, ARD-Studio Johannesburg
[Bildunterschrift: Flüchtlinge kriechen unter dem Grenzzaun zwischen Simbabwe und Südafrika durch - und riskieren ihr Leben ]
Ihre Flucht beginnt in der Nacht. Aus Angst vor wilden Tieren haben sie ein Feuer gemacht. Ihre größte Angst gilt dem, was vor ihnen liegt. Keiner schläft. Sie sprechen wenig. Im Morgengrauen brechen sie auf. "Es ist nicht einfach in Simbabwe. Das Leben ist sehr hart. Was soll ich dort tun? Ich kann nichts verdienen, alles wird immer teurer. Wir haben diese hohe Inflation", sagt einer der Flüchtlinge. Der Grenzzaun ist 200 Kilometer lang, so lang wie die südafrikanisch-simbabwische Grenze. Jeden Tag müssen sie Löcher reparieren, die immer wieder neue Flüchtlinge in den Draht geschnitten haben.
Die Gruppe von Flüchtlingen erreicht den Grenzfluss Limpopo. Vorsichtig erkundet einer der Schlepper das Gelände. Sie wollen weiter, doch da geschieht es: Sie werden überfallen. Eine Jugendbande, die im Grenzgebiet ihr Unwesen treibt, die sogenannten "Amagumbagumba". Sie nehmen ihnen die Schuhe ab, das wenige Geld, das sie haben. Kameramann Godknows darf weiterfilmen. Die Gangster kennen den Schlepper, und der schützt ihn. Der Schlepper ist es auch, der mit den Gangstern verhandelt, wie viel sie nehmen dürfen.
"Sie haben uns geschlagen", erzählt ein Flüchtling. 450 Rand, umgerechnet knapp 50 Euro haben sie gestohlen. An einer flachen Stelle überquert die Gruppe den Fluss. Der Limpopo ist berüchtigt für seine vielen Krokodile. Immer wieder werden Flüchtlinge gefressen. Sie aber schaffen es.
[Bildunterschrift: Warten auf das Okay der Schlepper: Flüchtlinge im Grenzgebiet ]
Hier auf der anderen Fluss-Seite ist bereits südafrikanisches Staatsgebiet, der Grenzzaun aber liegt hundert Meter weiter. Immer noch drohen ihnen Überfälle, denn auch hier operieren Jugendbanden. Doch nichts scheint die verzweifelten Menschen aus Simbabwe abzuschrecken. Viel schlimmer scheint das zu sein, was sie hinter sich haben.
Hinter einer Bodensenke warten sie auf den gefährlichsten Teil der Flucht. Hektisches Flüstern. Die Schlepper haben ein schwache Stelle im Zaun entdeckt. Jetzt muss es schnell gehen. Immer wieder werden Flüchtlinge mitten im Zaun hängend von den südafrikanischen Patrouillen erwischt. Alle schaffen es, auch die Frauen mit den Kindern, sie mussten den Zaun nicht einmal durchschneiden. Gangster und Krokodile warten schon.
Einer der Schlepper erzählt von den Risiken der Flucht. "Es ist sehr gefährlich. Ich meine gar nicht die Krokodile. Viel gefährlicher sind diese Gangster. Manchmal erschießen sie die Flüchtlinge, nachdem sie ihnen alles abgenommen haben. Auch die Soldaten sind gefährlich."
An dieser Grenze spielen sich Tragödien ab. Der Verwalter eines privaten Tierparks an der Grenze hat ein paar Tage zuvor zwei Leichen gefunden. Eine junge Frau, und ihr Baby. Die Mutter war vermutlich zuerst tot, sie starb vor Erschöpfung. Das Baby hat noch zwei Tage neben seiner Mutter gesessen, bis es auch starb.
[Bildunterschrift: Hilfsgüter aus Südafrika für die hungernden Menschen in Simbabwe ]
Ein paar Kilometer weiter hinten hat eine Armee-Patrouille ein paar Flüchtlinge aufgegriffen. Sie unterhalten sich, wie alte Freunde. Die Flüchtlinge werden der Polizei übergeben. Keiner hat Ausweispapiere bei sich.
Immer wieder hört man Gerüchte, dass auch südafrikanische Polizisten Flüchtlinge misshandeln. Ihnen Geld abknöpfen dafür, sie laufen zu lassen. 50 Simbabwer pro Tag werden geschnappt in diesem Grenzabschnitt. Sie werden in ein Abschiebelager gebracht. Hier sollen sie höchstens 18 Stunden bleiben, auch werden sie mit Nahrungsmitteln versorgt. Aber wer das Pech hat, an einem Freitagabend geschnappt zu werden, verbringt das ganze Wochenende hier, ohne Essen.
Die Flüchtlingsgruppe kauert inzwischen erschöpft in der Nähe der Nationalstraße, die nach Süden führt. Die Schlepper versuchen, Kontakt zu den Männern herzustellen, die die Flüchtlinge mit Autos weiter bringen sollen. Einer der Schlepper erläutert die Preise für so eine Flucht: "Normalerweise verlange ich hundert Rand pro Person. Dafür bringe ich sie über den Fluss." Das sind umgerechnet knapp zehn Euro. "Ich mache das, um zu überleben", fügt der Schlepper hinzu.
Noch ein Adrenalin-Stoß, wieder muss es schnell gehen. Momente der Panik, Momente der Konfusion. Dann haben sie es geschafft. Es geht 500 Kilometer bis nach Johannesburg. Einer ungewissen Zukunft entgegen.
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