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Seit Tagen stecken über 100 Boote vor der Küste Neufandlands im Packeis fest. An Bord: Robbenjäger, die darauf warten, endlich auf Jagd gehen zu können. Doch das Wetter macht ihnen ein Strich durch die Rechnung - zur Freude der Tierschützer.
Von Martina Buttler, ARD-Hörfunkstudio New York
Das Schiff der Robbenjäger hat leichte Schlagseite und hängt im Packeis fest. Gut 100 Boote sind seit Tagen im Eis gefangen. Die Robben hocken zu Tausenden auf den Schollen ein paar Meter weiter und die Jäger kommen nicht an sie heran. Sie haben im Moment aber auch ganz andere Sorgen. Denn die Außenwände mancher Schiffe drohen unter dem Druck des Packeises zu bersten. Eine gefährliche Situation, erklärt Robbenjäger Melvin Penney. "Wenn die Boote im Eis feststecken, kann das Schiff zerreißen und untergehen." Das sei eine tödliche Gefahr, erzählt der Robbenjäger, der aus dem Eis gerettet wurde. Mehr als ein Dutzend Besatzungen wurden schon an Land geflogen.
Ein Sturm hatte das Packeis vor die Küsten getrieben. Nun versuchen Eisbrecher, einen Weg zu bahnen. Hubschrauber fliegen ständig hin und her und evakuieren die Teile der Crews, die nicht dringend auf den Schiffen gebraucht werden. Aber viele harren aus, weiß Brian Penney von der Küstenwache. "Die Leute bleiben bis zur letzten Minute auf dem Schiff. Das wissen wir aus der Vergangenheit. Dabei könnte man manchmal mehr Leute retten, wenn sie das Boot verlassen würden."
Essen, Wasser und Treibstoff werden knapper - die Versorgung erfolgt aus der Luft. Viele der Jäger sind frustriert. Denn bislang konnten sie nur an einem Tag wirklich auf Jagd gehen. Einige machen die Regierung für die Situation verantwortlich. Sie hätte die Jagdsaison zu spät eröffnet. Hätten sie früher mit der Jagd beginnen können, wären alle lange vor dem Sturm wieder im Hafen gewesen, so die Meinung der Jäger. Kapitän Rodney Grey relativiert diese Ansicht aber etwas. Auch er wartet auf seinem Schiff im Eis auf besseres Wetter. "Das sind die schlechtesten Bedingungen, die ich je draußen erlebt habe. Ich bin zwar erst seit fünf, sechs Jahren dabei, aber auch die Männer, die schon viel länger auf Robbenjagd gehen, sagen das."
[Bildunterschrift: Internationale Proteste gegen die Robbenjagd, wie hier in Wien ]
In diesem Jahr haben Tierschützer besonders heftig gegen die in Kanada traditionelle Jagd protestiert. Als Folge des Klimawandels sei die Robbenzahl eh schon kleiner als sonst. Denn die Robbenmütter bringen ihre Jungen auf festen Schollen zur Welt und ziehen sie dort groß, bis die Kleinen gelernt haben, zu schwimmen. Durch das ungewöhnlich warme Klima ist ein großer Teil des Eises geschmolzen. Viele Robbenbabys mussten im Wasser zur Welt gebracht werden und ertranken. Die, die überlebt haben, sitzen nun in Reichweite ihrer Jäger - und die können nichts anderes tun, als auf einen Wetterumschwung hoffen. An Bord der Schiffe schlagen die Jäger die Zeit tot, erzählt Grey. "Wir spielen Karten, reden, gucken Eishockey. Aber wir sind guten Mutes und hoffen auf das Beste."
Für die Robben ist das Beste schon eingetreten. Und wenn man sie verstehen könnte, würden sie womöglich heulen: Nature strikes back - die Natur schlägt zurück.
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