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Nach dem TV-Duell der französischen Präsidentschaftskandidaten ziehen Presse und Meinungsforscher ein unterschiedliches Fazit: Während die französischen Zeitungen keinen Sieger ausmachen, hat laut einer Umfrage des Instituts Opinionway im Auftrag des konservativen "Figaro" Nicolas Sarkozy die Zuschauer stärker überzeugt als Ségolene Royal. 53 Prozent der vom Institut befragten Franzosen sagten, der ehemalige Innenminister sei überzeugender gewesen, 31 Prozent nannten die Sozialistin Royal. Für Kommentatoren wie Zuschauer gleichermaßen überraschend war jedoch die Emotionalität Royals. Enttäuscht zeigten sich die Zuschauer, dass viele drängende Fragen unbeantwortet blieben.
Von Stefanie Markert, ARD-Hörfunkstudio Paris
[Bildunterschrift: Händeschütteln beim TV-Duell zwischen Sarkozy und Royal ]
"Kämpferisch!" "Muskulös!" "Elektrisch!" - so titelt die Presse in Frankreich nach dem spannenden TV-Duell. Nicolas Sarkozy habe nicht verloren, Ségolène Royal aber gewonnen, meint die linksliberale "Libération". Der konservative "Figaro" findet, Sarkozy sei präzise und selbstsicher gewesen und habe sich nicht zu einem Übermaß an Selbstzufriedenheit hinreißen lassen. Royal, oft unklar und manchmal aggressiv, habe ihrerseits keinen gravierenden Fehler gemacht. Niemand habe den anderen verschlungen, jedes Lager finde seinen Sieger wieder, so die Kommentare der Regionalpresse. Und die Bürger?
"Wer unentschlossen war, wird es immer noch sein", meint ein Passant in Paris. "Die Debatte hat die Dinge nicht bewegt", sagt er. Royal sei oft verschwommen geblieben, Sarkozy habe seine Positionen beibehalten. "Für mich war es ein Unentschieden", so der Franzose.
"Ich hatte den Eindruck, zwei wirkliche Präsidentschaftskandidaten zu erleben. Doch war ich enttäuscht, dass sie so wenig über internationale Themen gesprochen haben, über den Irak und die Perspektiven Frankreichs in der Welt", sagt eine Frau. Dafür habe die Debatte über die wahre Natur der beiden aufgeklärt, meint sie. "Royal ist aggressiver als gedacht und Sarkozy ruhiger, als man ihm nachsagt."
[Bildunterschrift: Das Duell von Royal und Sarkozy wurde von mehreren Sendern parallel übertragen. ]
Die Kandidaten für die Stichwahl am 6. Mai schätzten heute im Radio ihre Debatte selbst ein: "Ich denke, es war eine würdige Debatte", so Sarkozy. "Erstaunt war ich über eine gewisse Aggressivität von Madame Royal. Vielleicht war das ihre Strategie. Im Grunde genommen spiegelt das aber nur eine recht altmodische Linke, die jeden für unrechtmäßig hält, der nicht ihre Ideen vertritt", betont er.
Seine Rivalin dagegen sagte: "Ich denke, man kann nie offensiv genug sein, wenn es darum geht, seine Überzeugungen und Werte zu verteidigen. Derjenige, der morgen Frankreich verkörpert und die höchste politische Verantwortung ausübt, muss eine große Standhaftigkeit an den Tag legen", sagt die Sozialistin. "Wenn man auf diesem Niveau Politik macht, muss man die Dinge bis zu Ende verfechten und sich nicht immer als Opfer darstellen."
Die Gemüter erhitzten sich am emotionalsten Moment der Debatte: Sarkozy trat für den gleichberechtigten Schulbesuch behinderter Kinder ein. Royal warf ihrem Kontrahenten wütend politische Unmoral vor. Schließlich habe die konservative Regierung die Integrationsbeauftragten für Behinderte an den Schulen abgeschafft, ein Projekt aus Royals Zeiten als Bildungsministerin.
Francois Fillon, der im Falle des Wahlsiegs als Sarkozys Premierminister gehandelt wird, reagierte heute scharf: "Ich habe von ihr zu keinem Thema präzise Antworten bekommen - nur Schätzungen, Fehler und unbegründete Analysen", so Fillon. "Was die behinderten Kinder anbelangt, so haben 89.000 von ihnen an allgemeinen Schulen gelernt, als Madame Royal Ministerin war, jetzt sind es 160.000. Die Zahl hat sich verdoppelt. Das ist ein Erfolg unseres Präsidenten. Die Wahrheit ist: Sie lügt."
Royals Sprecher Arnaud Montebourg geht ebenfalls auf die Barrikaden: "Ihre Wut war ehrlich und nötig, wenn man sieht, wie sie sich persönlich für die Behinderten eingesetzt hat und wie ihre Politik später in Frage gestellt worden ist", sagt er. "Die Lehrer werden doch heute wegen gestrichener Mittel mit den Problemen allein gelassen. Monsieur Sarkozy aber, der große Musiker, will genau dort jetzt eine Baustelle eröffnen."
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Der umworbene Zentrumspolitiker Francois Bayrou, mit fast sieben Millionen Wähler der Drittplazierte in der ersten Runde, erklärte nach dem TV-Duell, nicht für Sarkozy zu stimmen. Was er am 6. Mai tut, ließ er offen. Nach Einschätzung von Wahlexperten gab es gestern zwei Gewinner. Am Tag der Stichwahl aber wird es nur einer sein.
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