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[Bildunterschrift: Klaus Weidmann ]
Auch am sechsten Tag der Landbesetzung des VW-Geländes im brasilianischen Sao Paulo geben die rund 3000 obdachlosen Familien nicht nach. Sie fordern die Übereignung des rund 170.000 Quadratmeter großen brachliegenden Grundstücks. Der Kampf der Land- und Obdachlosen könnte sich weiter zuspitzen. Eine richterliche Anordnung zur Räumung des VW-Geländes wurde bereits wieder annulliert. Über die Situation in Sao Paulo berichtet ARD-Korrespondent Klaus Weidmann:
Seit etwa einer Woche halten mittlerweile rund 3000 Familien ein ehemaliges Betriebsgelände von Volkswagen in Sao Bernardo im Bundesstaat von Sao Paulo, besetzt. Dabei handelt es sich um Mitglieder der "Bewegung der obdachlosen Arbeiter" (MTST). Die Obdachlosen haben auf dem 170.000 Quadratmeter großen Grundstück Plastikzelte aufgeschlagen, teilweise sogar schon Kühlschränke und Herde installiert. Die Besetzer fordern eine Übereignung der Immobilie an die Obdachlosen-Bewegung.
Volkswagen hatte das Gelände während der Militärdiktatur von der Regierung geschenkt bekommen. Seit 1981 produzierte der VW-Konzern dort Lastwagen, bis die Fabrik 1990 geschlossen wurde. Vor zwei Jahren hat VW alle Gebäude abreißen lassen und einen Teil des Geländes der Stadt Sao Bernardo zurückgegeben.
Am Mittwoch wurde vor dem besetzten Gelände ein 36-jähriger Fotoreporter tödlich verletzt. Er wurde Zeuge eines bewaffneten Raubüberfalls einer Tankstelle in unmittelbarer Nähe des VW-Grundstücks. Als die Täter flohen, schossen sie um sich. Ein Querschläger tötete den Fotografen.
Inzwischen ordnete ein Gericht die Räumung des besetzten Geländes an. Zahlreiche Polizisten wurden zusammengezogen, beobachten aber bisher nur das Geschehen. Die Obdachlosen-Bewegung hat gegen den Richterbeschluss Einspruch eingelegt. Die Stadtverwaltung, Volkswagen-Vertreter und Mitglieder der MTST verhandeln über einen friedlichen Abzug. Einige Familien könnten zurück in die Armenviertel transportiert werden. Unklar ist, was mit den Familien geschieht, die keinerlei Behausung haben.
Nach Auskunft der "Nationalen Bewegung für den Häuserkampf" leben in Brasilien 6,6 Millionen Familien ohne ein Dach über dem Kopf auf Straßen und öffentlichen Plätzen. Weitere elf Millionen Familien wohnen in Baracken.
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