Hintergrund

Hintergrund Hamas - Zwischen Terror und sozialen Diensten

Stand: 28.08.2007 18:12 Uhr

Die wohl größte und bekannteste der radikalen Palästinenserorganisationen ist Hamas (Arabisch: "Eifer" oder "Engagement"). Die meisten Mitglieder rekrutiert die Organisation aus den palästinensischen Flüchtlingslagern. Schätzungen zufolge zählen etwa 30 Prozent der 1,3 Millionen Menschen im Gaza-Streifen zu Hamas. Auf das Konto ihres militanten Arms, den Kassem-Brigaden, gehen seit 1994 zahlreiche blutige Selbstmordattentate in Israel. Die US-Regierung von Präsident George W. Bush erklärte Hamas zur terroristischen Organisation und fror neben Hamas-Geldern auch Konten von Unterstützern ein. Auch die Europäische Union setzte sie auf die Liste terroristischer Vereinigungen.

Israel unterstützte lange Scheich Jassin

Obwohl die Organisation unter dem Namen Hamas erst kurz nach Beginn der ersten Intifada (Arabisch: Aufstand) im Dezember 1987 vom querschnittsgelähmten und fast blinden Scheich Ahmed Jassin gegründet wurde, gehen ihre Vorläufer bis ins Jahr 1967 zurück. Damals rief Jassin nach dem Sechs-Tage-Krieg die fundamentalistische Moslembruderschaft ins Leben, die seinerzeit vor allem religiös ausgerichtet war. Bis in die achtziger Jahre hinein wurde Jassins Moslembruderschaft insgeheim von Israel und den USA unterstützt, um den Alleinvertretungsanspruch der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) von Jassir Arafat zu schwächen. Sowohl Jassin als auch Israel und die USA verschweigen diese Tatsache heute lieber.

Hamas-Einfluss wächst stetig

Als in den achtziger Jahren die PLO und Arafat zunehmend als Verhandlungspartner zur politischen Beilegung des Nahost-Konflikts akzeptiert wurden, vertauschten sich die Rollen: Während Arafat anstatt des bewaffneten Kampfes eine friedliche Lösung suchte, wurden Jassin und seine Anhänger radikaler. Seither wuchsen Hamas Einfluss und Macht stetig. 1989 wurde die Organisation in den besetzten Gebieten verboten. Der zweite Palästinenseraufstandes am 28. September 2000 bescherte ihr trotzdem nochmals großen Zulauf.

Satzung schreibt Heiligen Krieg fest

Die Hamas-Satzung fordert alle Palästinenser zum Heiligen Krieg auf, um Palästina von der nicht-moslemischen Herrschaft zu befreien. Die Organisation lehnt das 1993 zwischen der PLO und Israel geschlossene Friedensabkommen ab. Die Kassem-Brigaden versuchen vor allem mit Selbstmordattentaten, den Friedensprozess zu unterbrechen. Jassin bestreitet, selber an der Planung von Anschlägen beteiligt zu sein, lehnt sie aber nicht ab.

Hamas engagiert sich sozial

Hier zeigt sich die Vielschichtigkeit von Hamas. Einerseits setzt der militante Arm auf Terror gegen israelische Zivilisten, andererseits zeigt die Organisation soziales Engagement für die Palästinenser. So kümmert sie sich um Ausbildung, Gesundheitsfürsorge, Arbeitsbeschaffung und die Versorgung mit Lebensmitteln. Hamas unterhält auch Kindergärten und steht maßgeblich hinter der Islamischen Universität in Gaza. An der Hochschule lehren führende Hamas-Mitglieder. Auch Hinterbliebene von Opfern im Kampf gegen Israel und Familien von inhaftierten Palästinensern werden unterstützt. Geld bekommt Hamas von Moslems aus dem Ausland, vor allem aus den arabischen Nachbarländern.

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