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Kommentar: Mit Volldampf in den Kalten Krieg 2.0?
Kommentar

Mit Volldampf in den Kalten Krieg 2.0?

Von Horst Kläuser, ARD-Hörfunkstudio Moskau

Eins kann man dem russischen Präsidenten nun wahrlich nicht vorwerfen: Um den heißen Brei redet er nicht herum. Unmissverständlich nennt man das wohl, wenn jemand aus der Summe der Devisen- und Bodenschätze und dem Status als Atommacht im UN-Sicherheitsrat ableitet, Großmacht, am liebsten wieder Supermacht zu sein. Mangels echter Freunde auf der Weltbühne kann man diesem Anspruch dann auch noch mit ein paar Raketenstarts und Drohgebärden Nachdruck verleihen.

Zu Zeiten der Sowjetunion hätte man die Rhetorik aus dem Kreml als klassische Begleitmusik des Kalten Krieges abgetan. Aber der ist ja vorbei. Schließlich umarmt Wladimir Putin unseren Gerhard Schröder und blickt Herr Bush ihm in die Seele. Heute gilt Russland nicht mehr als Feind, sondern als strategischer Partner vieler Länder von China bis England und wird von Deutschland aus via Zwangsverflechtung Europa angenähert.

Schwäche der USA ist Russlands Stärke

Aber vielleicht ist der Kalte Krieg ja doch im neuen Gewand zurückgekehrt. In der Welt der Computer und des Internet bezeichnete man ihn dann als Version 2.0. Eigenschaften dieses Updates sind die veränderten Rahmenbedingungen, in denen nicht die tatsächliche Stärke Russlands das Recht auf Ebenbürtigkeit den Amerikanern gegenüber definiert, sondern eher deren Schwäche und das außenpolitische Vakuum, als das sich Europa nach wie vor präsentiert.

Die Tragödie unserer Zeit ist das Versagen der USA unter George Bush. Dank dessen trostloser Administration öffneten sich unheilvolle Gräben zwischen brisanten Weltregionen, in der Folge explodierten die Energiepreise, die Milliarden in die Kassen Russlands spülten. Nur durch dieses Öl- und Gasgeld und die freiwillige Abhängigkeit seiner Kunden kann Russland auftrumpfen und Rechte anmelden.

Nicht nur verbal wird aufgerüstet

Außenpolitisch nämlich hat sich der Kreml den Status eines Global Players keineswegs verdient. Selbst volkswirtschaftlich wäre Russland gemessen an Bevölkerung und Fläche ein Zwerg. So aber nimmt das einstige Armenhaus kraftmeierisch Platz am Tisch der G7 und rüstet auf. Erst finanziell, dann verbal, jetzt tatsächlich.

Nicht einmal vor der klaren Ansage, man werde sich neue Ziele für russische Atomraketen in Europa suchen, schreckt Putin noch zurück. Das ist, mit Verlaub, Kalter Krieg. Zum Beweis schickt Putin schon mal die neueste Waffengeneration in den Himmel, begleitet vom Schlachtruf "Wir überwinden jede Raketenabwehr!" Vermutlich lachen russische Generäle derweil über rührende Nato-Kollegen, die immer noch in russischen Kasernen über Menschenrechte diskutieren wollen.

Unverblümte Rhetorik

In Wirklichkeit ist der Kreml sehr viel weiter. Er schlägt Nato, Amerika und Europa mit Konsequenz und Kompromisslosigkeit da, wo es am einfachsten ist: Im selben Maße, in dem der Westen aufgehört hat, seine eigenen Werte zu beherzigen, anzumahnen und durchzusetzen und stattdessen nahe am Appeasement Russland gewähren ließ, im dem Maße konnten Putin, der Kreml, Russland erstarken.

Nun reiben wir uns die Augen ob solch unverblümter Rhetorik. Wir hätten es wissen müssen: Tschetschenien, Georgien, Iran, Kosovo sind einige geografische Merkposten russischer Außenpolitik. Politkowskaja, Chodorkowski, Litwinenko und Kasparow innenpolitische Symbolfiguren, deren Schicksal nichts Gutes erahnen lässt.

Man muß Putin in Heiligendamm ja nicht gleich den Schwarzen Block schicken, aber ein paar markige Worte von Seiten seiner "Partner" könnten vielleicht nicht schaden.

Stand: 04.06.2007 17:39 Uhr
 

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