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21.03.2010

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Ausland
Überwachung
Großbritannien weitet Video-Überwachung aus
Großbritannien weitet Überwachung aus

Wenn Kameras mit Dir sprechen ...

In Deutschland ist die Ausweitung der Video-Überwachung heiß umstritten. Kritiker sehen darin eine Beschneidung von Bürgerrechten, Befürworter setzen auf die bessere Prävention vor Straftaten. Ganz entspannt geht man mit dem Thema in Großbritannien um.

Von Martin Zagatta, ARD-Hörfunkstudio London

 (Foto: picture-alliance/ dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: In vielen britischen Städten prägt die Kamera bereits das Straßenbild. ]
„Hallo, Sie da in dem grauen Hemd, können Sie bitte den Becher aufheben und ihn in den Mülleimer werfen", tönt es wie aus heiterem Himmel. Der junge Mann, der seinen Abfall gerade noch so achtlos fallen gelassen hat, läuft knallrot an. Er sieht sich kurz um und folgt dann doch den Anweisungen, die aus den Lautsprechern einer der Überwachungskameras gekommen sind, die hier in der Fußgängerzone im Stadtzentrum von Middlesbrough installiert sind.

"Ich war wirklich sehr überrascht und verlegen - das war ein richtiger Schock", erzählt er hinterher. "Eine Stimme, die mich auffordert, meinen Müll ordentlich zu entsorgen, habe ich einfach nicht erwartet. Doch dann habe ich es gemacht, und dann hat diese Stimme sogar noch danke gesagt, wirklich sehr höflich."

Die Leute zwar bestimmt, aber freundlich anzusprechen – das ist den Stadtbediensteten vorgeschrieben, die in einem Kontrollraum das Zentrum von Middlesbrough überwachen. Seit vergangenem Jahr verfügt die 150.000-Einwohnerstadt im Norden Englands auch über knapp ein Dutzend so genannter interaktiver Überwachungskameras. Das sind Kameras, die zusätzlich mit Lautsprechern ausgestattet sind und die es den Kontrolleuren erlauben, diejenigen, die sie da auf ihren Bildschirmen verfolgen, direkt anzusprechen.

Video-Überwachung spart auch Geld

Bild einer Überwachungskamera in Leipzig Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Bild von einer Überwachungskamera in Leipzig ]
„Guten Morgen“, heißt die Standardansage zu früher Stunde. „Ihr Verhalten wird gefilmt und die Polizei verfolgt das." Eine Drohung, die aber meist gar nicht erst in die Tat umgesetzt werden muss. Neun von zehn Schlägereien werden abgebrochen, wenn eine solche Durchsage ertönt, so die Erfahrung. Der Aufforderung, ihren Müll zu entsorgen, kämen eigentlich alle nach, berichten die Kontrolleure. Das spare der Kommune auch viel Geld bei der Straßenreinigung, sagt der Stadtrat Barry Coppinger hochzufrieden. Das Echo sei ermutigend – dieses Kamera-System mit Lautsprechern biete große Möglichkeiten.

Widersetzt sich dennoch jemand, was selten vorkommt, wird sein Bild in der Lokalzeitung veröffentlicht und nach ihm gefahndet. Die „sprechenden“ Kameras gelten als derart erfolgreich, dass die britische Regierung dieses System nun auf weitere Städte ausweitet. Großen Widerstand gegen diese Art der Kontrolle gibt es auf der Insel nicht. In Großbritannien existieren schon jetzt weit mehr als vier Millionen herkömmliche Überwachungskameras, mehr als sonst wo auf der Welt.

Keine Geheimüberwachung, sondern öffentlich

Ob sie mithelfen, Verbrechen zu verhindern, ist umstritten, nicht jedoch ihr Wert bei der Aufklärung von Vergehen. Dass ein hochrangiger Polizeibeamter kürzlich davor gewarnt hat, das Königreich sei auf dem Weg in einen Überwachungsstaat mit seinen unzähligen Kameras, hat nur kurz für Aufregung gesorgt. Vier von fünf Briten geben Umfragen zufolge Innenminister John Reid Recht, der die Kontrolle per Bildschirm befürwortet und solch „sprechende“ Kameras nun an möglichst vielen Orten aufstellen will.

Überwachungsbilder auf einem Monitor (Foto: dpa-Zentralbild) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Ein Monitor in der Sicherheitszentrale des Bahnhofs Dresden Neustadt zeigt Überwachungsbilder (Archivbild vom 06.02.2004). ]
„Das ist keine Geheimüberwachung, sondern ein öffentliches, interaktives System und so erfolgreich, dass eine Vielzahl von Kommunen im ganzen Land das nun auch einführen will – und wir fördern das mit Zuschüssen“, so der Innenminister. Und die britische Regierung feilt schon an Weiterentwicklungen. In London soll bereits ein Modellversuch laufen, mit Kameras, die mit Richtmikrophonen ausgestattet sind und Gespräche aus einiger Entfernung belauschen können. Forscher arbeiten an einem System, das Lippen lesen kann – und in Liverpool ist die Polizei dabei, bewegliche Überwachungskameras auszuprobieren, die nahezu lautlos aus großer Höhe arbeiten, wie Miniatur-Hubschrauber aussehen und per Fernsteuerung gelenkt werden.

Stand: 06.06.2007 02:50 Uhr
 

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