Seitenueberschrift
Der Fall Dutroux
Chronologie eines belgischen Traumas
24. Juni 1995: In der Nähe der belgischen Stadt Lüttich verschwinden die achtjährigen Freundinnen Julie Lejeune und Melissa Russo bei einem Spaziergang nahe ihrer Elternhäuser. Eine landesweite Suchaktion beginnt.
22. August 1995: In der Hafenstadt Ostende verliert sich die Spur der beiden Freundinnen An Marchal (17) und Eefje Lambrecks (19). Wegen ihres Alters sehen die Behörden zunächst keine Verbindung zum Verschwinden von Julie und Melissa.
28. Mai 1996: Nahe dem westbelgischen Tournai verschwindet die zwölfjährige Sabine Dardenne auf dem Weg zur Schule.
9. August 1996: Die 14-jährige Laetitia Delhez verschwindet im südbelgischen Bertrix nahe ihres Elternhauses. Erstmals geben Zeugen Hinweise auf einen weißen Kleinbus und Teile des Autokennzeichens. Der Halter kann ermittelt werden: Ein arbeitsloser Elektriker namens Marc Dutroux. Er war 1989 wegen Entführung und Vergewaltigung Minderjähriger zu 13 Jahren Haft verurteilt worden, wurde aber bereits 1992 vorzeitig entlassen.
13. August 1996: Im Zusammenhang mit dem Verschwinden von Sabine und Laetitia nimmt die belgische Polizei Dutroux, seine Lebensgefährtin Michèle Martin und den mutmaßlichen Komplizen Michel Lelièvre fest.
15. August 1996: Nachdem Dutroux ein Geständnis abgelegt hat, werden Sabine und Laetitia lebend in einem Haus des damals 39-Jährigen bei Charleroi in Südbelgien entdeckt. Die Polizei stellt pornografische Fotos, Filme und Videokassetten sicher. Die Behörden nehmen den ehemaligen Brüsseler Immobilienmakler Jean-Michel Nihoul unter Verdacht der Komplizenschaft fest.
17. August 1996: Im Garten von Dutroux' Haus bei Charleroi werden die Leichen von Julie und Melissa gefunden. Die Mädchen waren verhungert.
18. August 1996: Dutroux und Lelièvre gestehen die Entführung von An und Eefje.
3. September 1996: Die sterblichen Überreste von An und Eefje werden auf einem Dutroux-Anwesen bei Charleroi entdeckt.
14. Oktober 1996: Ein belgisches Gericht entbindet trotz anhaltender Proteste Untersuchungsrichter Jean-Marc Connerotte wegen Befangenheit des Falls. Er hatte an einem Wohltätigkeitsessen in Anwesenheit der Dutroux-Opfer Laetitia und Sabine teilgenommen.
20. Oktober 1996: Bei dem so genannten "Weißen Marsch" demonstrieren in Brüssel rund 300.000 vorwiegend weiß gekleidete Menschen für eine rückhaltlose Aufklärung der Verbrechen.
23. April 1998: Dutroux gelingt bei einem Besuch im Justizpalast von Neufchâteau die Flucht. Drei Stunden später wird er gefasst. Justizminister Stefaan De Clerck und Innenminister Johan Vande Lanotte treten zurück, fünf Tage später folgt ihnen Gendarmeriechef Willy Deridder.
Mai 2000: Für den Fluchtversuch wird Dutroux zu fünf Jahren Haft verurteilt. Das Gericht in Neufchâteau begründet das Urteil damit, dass Dutroux während der Flucht Menschen bedrohte und Diebstähle beging.
22. April 2002: Die Ermittlungen im Fall Dutroux sind offiziell abgeschlossen. Ungeklärt bleibt, ob Dutroux und seine Komplizen allein agierten oder Teil eines Pädophilen-Netzwerks waren, das im Auftrag von Kriminellen oder Politikern Kinder entführte und missbrauchte.
1. März 2004: Siebeneinhalb Jahre nach der Festnahme von Marc Dutroux beginnt im südbelgischen Arlon der Prozess gegen ihn, seine inzwischen von ihm geschiedene Frau und die mutmaßlichen Komplizen Lelièvre und Nihoul.
17. Juni 2004: Die Geschworenen befinden Dutroux des Mordes an An und Eefje sowie an seinem Komplizen Bernhard Weinstein für schuldig. Das Gericht verurteilte ihn zu einer lebenslangen Haftstrafe Auch Dutroux' Exfrau Michelle Martin und sein Komplize Michel Lelièvre werden in wesentlichen Punkten schuldig gesprochen. Martin erhielt 30 Jahre Gefängnis, Lelièvre 25 Jahre.
Ende Juli 2012: Die belgische Justiz entscheidet, Michelle Martin wegen guter Führung auf Bewährung freizulassen. Bedingung dafür ist ihre Aufnahme in einem Kloster in Belgien. Zudem darf sich Martin den Familien der Opfer nicht nähern. Die Staatsanwaltschaft und einige Angehörige von Dutroux-Opfern legten vor dem Kassationshof Einspruch gegen die Entscheidung ein.
28. August 2012: Der Kassationshof weist die Einsprüche ab. Martin kommt frei und begibt sich ins Klarissenkloster in Malonne.
4. Februar 2013: Brüsseler Gericht beginnt Verhandlung über Dutroux's Antrag auf vorzeitige Haftentlassung.
Stand: 04.02.2013 09:36 Uhr
