Umgang mit Aids Die Macht der Mythen

Stand: 27.08.2007 14:17 Uhr

AIDS
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Ein Kind vor einem Hospiz für AIDS-Patienten in Südafrika

Umgang Im Umgang mit Aids gibt es in Afrika viele Mythen. Einige wollen erklären, wie die Krankheit entstanden ist. In Mali stellt man sich zum Beispiel vor, ein perverser Europäer habe eine Prostituierte dazu gezwungen, Geschlechtsverkehr mit einem infizierten Hund zu haben und so für die Verbreitung der Krankheit gesorgt. Oft kursiert auch die Überzeugung, Amerikaner und Europäer hätten Kondome vorsätzlich mit dem HI-Virus verseucht, um die im Westen gefürchtete Bevölkerungsexplosion in Afrika zu verhindern.

Traudl Solleder, Mitarbeiterin der Abteilung Tropenmedizin an der Missionsärztlichen Klinik in Würzburg, ist diesem Vorurteil bei ihren zahlreichen Aufenthalten in afrikanischen Ländern oft begegnet. Wie auch den Ansichten, Aids sei eine Idee des Westens, um Kondome zu verkaufen oder die Afrikaner fremd zu bestimmen und ihnen in die Familienplanung hineinzureden.

Ungewöhnliche Vorstellungen

Besonders schwer tut man sich als Europäer mit den Vorstellungen vieler Afrikaner, was die Übertragungswege von Krankheiten angeht: "Man traut der westlichen Wissenschaft nicht, sondern glaubt an den bösen Wunsch von irgend jemandem, an Hexerei und Magie. Wer krank ist, geht oft zu einem traditionellen Heiler, um analysieren zu lassen, wer ihm das Unglück gewünscht haben könnte", hat Solleder beobachtet. Gerade beim Thema Aids sei es für viele Menschen leichter, auf diese Art und Weise mit der Krankheit umzugehen anstatt sich Gedanken über die wissenschaftlich gesicherten Übertragungswege zu machen. Denn dann müsste man über das Thema Sex reden, und das ist in Afrika ein Tabuthema.

Sehr bekannt im Westen und sehr verbreitet im gesamten südlichen Afrika ist der Mythos, Aids könne durch Sexualverkehr mit Jungfrauen geheilt werden. "Das treibt derartige Blüten, dass sich Prostituierte in Schulmädchenkleidern an die Straßen stellen und als Jungfrauen ausgeben", berichtet Klaus Fleischer, Leiter des Tropenmedizinischen Instituts der Missionsärztlichen Klinik Würzburg. Vor allem aber hätten die Kinder unter dieser Praxis zu leiden. Nicht selten sind die vergewaltigten Mädchen jünger als zehn Jahre, da schon 13-Jährigen oft nicht mehr zugetraut wird, sexuell unberührt zu sein.

Anke Schmitt

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