Hintergrund

Hunderttausende Vertriebene ''Al Nakba'' - die palästinensische Katastrophe

Stand: 27.08.2007 09:12 Uhr

Im ersten arabisch-israelischen Krieg von 1948/1949 kämpfte Israel um seine Unabhängigkeit, um sein Existenzrecht. Die Palästinenser bezeichnen den Krieg dagegen noch heute als "Al Nakba" - die Katastrophe. Nach Angaben der UNO verließen rund 750.000 palästinensische Araber das Land - zum Teil flohen sie vor den Kämpfen, zum Teil wurden sie von israelischen Milizen vertrieben.

Beweise dafür, das die jüdische Führung eine allgemeine Strategie zur Vertreibung der arabischen Bevölkerung verfolgte, gibt es nicht. Der im Januar 1948 entwickelte "Plan Daleth" der Armee sah vor, "alle feindlichen und potentiell feindlichen Kräfte aus dem voraussichtlich jüdischen Staatsgebiet zu entfernen".

Andererseits wurden die Kriegswirren als Chance genutzt, eine jüdische Mehrheit im künftigen Staat zu schaffen. Während des Krieges wurden dann aber etwa ein Drittel, nach arabischen Angaben die Hälfte der palästinensischen Bevölkerung, mit Gewalt vertrieben oder sie flohen aus Angst vor Angriffen und Massakern. Nach Ende des Kriegs waren 400 arabische Dörfer zerstört oder verlassen.

Das Massaker von Deir Jassin

Zum Symbol für die "Al Nakba" wurde das Massaker von Deir Jassin, einem Dorf an der Straße zu Jerusalem. Trotz der Verständigung der Dorfbewohner mit der jüdischen Führung über ein Stillhalteabkommen griffen Mitglieder der jüdischen Untergrundorganisationen Etzel und Lechi am 9. April 1948 Deir Jassin an und lieferten sich ein Gefecht mit der arabischen Miliz. Die Angaben über die Anzahl der Toten variieren zwischen 110 und 250 Menschen, darunter viele alte Menschen, Frauen und Kinder.

Es gibt Berichte, dass das Massaker von Deir Jassin nicht in dem Ausmaß stattgefunden habe, sondern ein Progagandafeldzug der palästinensischen Führung gewesen sei, um den Widerstand gegen die jüdischen Kämpfer anzustacheln. Sollte das der Fall gewesen sein, lief die Progaganda ins Leere. Das Massaker von Deir Jassin verstärkte die Fluchtbewegung der arabischen Bevölkerung immens.

Situation der Flüchtlinge

Zwei Drittel der palästinensischen Flüchtlinge fanden im Westjordanland und im Gaza-Streifen Zuflucht. In Jordanien erhielten die Palästinenser zwar die Staatsbürgerschaft, aber keine nationalen Rechte. Auch Syrien und Ägypten verweigerte den Flüchtlingen die Bürgerrechte.

Die Vereinten Nationen forderten bereits 1948 von Israel das Rückkehrrecht palästinensischer Flüchtlinge oder die Entschädigung für enteignetes Eigentum. Die UN-Forderung blieb unerfüllt. Noch heute stellen das Rückkehrrecht oder die Entschädigung für palästinensische Flüchtlinge eines der Hauptkonfliktpunkte zwischen Palästinensern und Israelis dar.

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