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14.03.2010

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Ausland
Explosion in Islamschule im niederländischen Eindhoven
Anschlag auf niederländische Koranschule

"Feige Tat im Dunkeln der Nacht"

Von Ludger Kazmierczak, WDR-Hörfunkstudio Kleve

Koranschule in Eindhoven nach Anschlag (Foto: AFP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Die Koranschule in Eindhoven nach dem Anschlag ]
Der Sprengsatz detonierte gestern um 3 Uhr 30. Ein lauter Knall, so berichten Anwohner in der niederländischen Stadt Eindhoven, habe das ganze Viertel erschüttern lassen. Die Eingangstür der Koranschule wurde aus dem Rahmen gesprengt, Räume im Erdgeschoss und in der ersten Etage verwüstet. In der Nachbarschaft gingen zahlreiche Fenster von Privathäusern zu Bruch. Verletzt wurde bei dem Anschlag jedoch niemand.

Die Kinder machten sich später wie gewohnt auf den Weg zur Schule, wurden dort von ihren Lehrern empfangen, um dann in einer nahe gelegenen Turnhalle das Geschehene zu besprechen und gemeinsam zu verarbeiten. Der Schock sitzt tief, erzählt Esma Kayan, eine der älteren Schülerinnen. "Das ist schon der dritte Anschlag", berichtet sie, im Juli habe es hier gebrannt, und ein Jahr davor auch schon einmal.

Zusammenhang mit van-Gogh-Mord?

Theo van Gogh (Archivbild) (Foto: ANP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Theo van Gogh an einem Filmset (Archivbild) ]
Obwohl es noch keine konkreten Hinweise gibt, schließt die Polizei einen Zusammenhang zwischen der Explosion und dem Mord an dem Filmemacher Theo van Gogh nicht aus. Der Verdacht liegt nahe, da es bereits am Wochenende mehrere Anschläge auf islamische Gebäude in den Niederlanden gab. Unbekannte Täter hatten versucht, Moscheen in Breda, Rotterdam und in der Nähe von Utrecht in Brand zu stecken.

Das Attentat auf den umstrittenen Regisseur am vergangenen Dienstag in Amsterdam hat das einstige Mutterland der Toleranz offenbar ins Chaos gestürzt. Politiker haben die Anti-Stimmung gegenüber Ausländern zusätzlich angeheizt, indem sie von einem Dschihad in Holland sprachen oder muslimischen Extremisten wörtlich "den Krieg" erklärten.

Eindhovens Bürgermeister Alexander Sakkers rief deshalb zur Besonnenheit auf. So eine Explosion, sagte er, dürfe die Gesellschaft nicht auseinander brechen lassen. Es sei "eine feige Tat im Dunkeln der Nacht", sagte er, die Stadt habe daraufhin beschlossen, ab sofort alle islamischen Gebäude in Eindhoven "explizit zu bewachen".

Angst vor weiteren Anschlägen

In Eindhoven gibt es allein fünf Moscheen und mehrere Islamschulen. Viele Moslems sind am Wochenende bereits dazu übergegangen, diese Einrichtungen in Eigenregie rund um die Uhr zu bewachen. Die Angst, dass es zu weiteren Übergriffen auf Ausländer kommen könnte ist groß, sagt diese Mutter einer türkischen Schülerin aus Eindhoven: "Man hat ständig das Gefühl, es könnte wieder passieren. Das war ja schon das dritte Mal. Sie bleiben einfach dran."

Unterdessen schweigt der 26j-ährige mutmaßliche van-Gogh-Attentäter über Motive und Hintergründe des bestialischen Verbrechens. Er muss sich vor Gericht nicht nur wegen Mordes, sondern auch wegen Beteiligung an einer terroristischen Verschwörung verantworten. Heute wird der ermordete Regisseur und Publizist van Gogh beigesetzt.

Stand: 09.11.2004 07:46 Uhr
 

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