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Die EU-Außenminister suchen in Luxemburg weiter nach einem Ausweg aus dem Streit mit Polen über die geplante EU-Reform. Zwar sind die meisten Länder für die Reform. Warschau droht indes weiter mit einem Veto. Wie aber reagiert die polnische Bevölkerung auf den Streit?
Von Thomas Rautenberg, ARD-Hörfunkstudio Warschau
[Bildunterschrift: Aufwärts oder abwärts mit der EU? Die Pläne von Ministerpräsident Kaczynski und seinem Bruder spalten die Bevölkerung ]
Hält die polnische Bevölkerung Politik im Allgemeinen für verzichtbaren Firlefanz – bei Jaroslaw Kaczynskis Drohformel „Quadratwurzel oder Tod“, war die öffentliche Neugier sehr schnell geweckt. "Ich höre jetzt ständig, dass Polen nicht so stur sein soll. Warum sagen wir dann nicht, dass auch die Deutschen stur sind?", fragt ein Mann auf der Straße. Und ein anderer Passant meint: "Das Projekt der Quadratwurzel klingt wunderschön. Es gibt uns Polen mehr Macht in Europa. Aber es ist völlig unrealistisch. Und in der Politik zählt nur, was auch realistisch ist."
Die Kaczynski-Regierung ist offenbar bereit, beim EU-Gipfel in Brüssel alles auf eine Karte, nämlich die Veto-Karte zu setzen. Um das deutsche Stimmengewicht in der künftigen Europäischen Union zu begrenzen, sind Polens Nationalkonservative entschlossen, die EU erneut in die Krise zu stürzen.
Die Mehrheit der polnischen Öffentlichkeit ist daher besorgt, weil sie ahnt, dass die Konsequenzen einer Blockade auch um Polen keinen Bogen machen werden. "Ich denke, diese Drohung ist ein Fehler", befürchtet ein Bürger. "Denn unsere Partner in der EU verlieren das Vertrauen zu uns und sie empfinden uns als unberechenbar." Ein anderer Pole glaubt, die Regierung habe keine Chance das Quadratwurzelsystem durchzusetzen. Er fragt: "Wozu das alles? Ich wünschte mir, dass die Sache nicht mit einem Veto endet, denn die Folgen für uns wären doch fatal."
In einer Umfrage, an der sich über 50.000 Polen beteiligt haben, sprachen sich 36 Prozent der Befragten für ein polnisches Veto aus, sollte die EU Warschau in der Abstimmungsfrage nicht entgegenkommen. 57 Prozent votierten dagegen mit einem klaren Nein.
Aber selbst den Befürwortern einer harten Linie gegenüber der deutschen EU-Ratspräsidentschaft geht es dabei übrigens weniger um die für Polen günstigere Quadratwurzelberechnung als vielmehr um die Überzeugung, dass ihr Land dem europäischen Druck nicht nachgeben dürfe."Es ist kein Kampf um die Quadratwurzel. Das ist der Kampf um den Platz Polens in der Europäischen Union", sagt ein Mann. Und ein anderer Bürger fordert: "Polen hat nachgegeben und jetzt ist Deutschland an der Reihe. Sie werden das tun, weil sie Angst vor dem Scheitern des Gipfels haben."
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