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Von Martin Fritz, ARD-Hörfunkstudio Tokio
[Bildunterschrift: Kronprinzessin Masako (Archivbild von 1999) ]
Seit rund eineinhalb Jahren ist die japanische Kronprinzessin Masako seelisch krank. Lange konnte sie kaum essen und schlafen. Zeitweise war sie nach Informationen des ARD-Hörfunkstudios Tokio sogar selbstmordgefährdet. Seitdem der Kronprinz sich letztes Jahr darüber beklagte, die Karriere und Persönlichkeit seiner Frau seien verleugnet worden, vermutet man: Masako wurde krank, weil ihr Auslandsreisen verboten wurden.
Als Drahtzieher gelten ihre Schwiegereltern, Kaiser Akihito und Kaiserin Michiko. Sie wünschen sich von Masako einen Thronfolger, um die Erblinie der ältesten Monarchie der Welt zu retten. Nur Männer können Tenno werden, aber alle Enkel von Kaiser Akihito sind Mädchen.
Doch das Auslandsreiseverbot war nach Informationen des ARD-Hörfunkstudios Tokio nicht die einzige Ursache von Masakos Erkrankung. Und es ging auch nicht nur um die Thronfolge: Außer den Auslandsreisen ließ das Kaiserpaar auch die Auftritte und Aktivitäten des Prinzenpaars im Inland einschränken. "Immer wieder formulierten sie gegenüber den verantwortlichen Beamten ihre Ideen. Doch alle Initiativen wurden ein ums andere Mal abgelehnt oder ignoriert", berichtet eine Freundin der Prinzessin, die anonym bleiben will. Das Kronprinzenpaar will nicht nur ein lebendes Symbol des Landes sein, so wie der jetzige Kaiser Akihito, sondern lieber selbst fürs Volk schwitzen und sich in der Praxis nützlich machen, etwa wie die Angehörigen des englischen Königshauses.
[Bildunterschrift: Sie sollen die Schwiegertochter unter Druck setzen: Kaiser Akihito und Kaiserin Michiko ]
Doch Akihito und Michiko sehen England nicht als Vorbild für Japan und wollen unbedingt die Tradition bewahren. Deshalb sollte sich Masako nach Ansicht ihrer Schwiegereltern darauf konzentrieren, einen Thronfolger zu gebären, und sich zum Beispiel nicht um benachteiligte Kinder kümmern, wie sie es sich wünschte. Die Prinzessin sah damit keine Chance mehr, ihrem Land zu dienen - der Auslöser, warum sie zunächst Diplomatin geworden und danach ins Kaiserhaus eingetreten war.
[Bildunterschrift: Kronprinz Naruhito und Prinzessin Masako bei einer Aufführung am Nationaltheater ]
Je länger Masako keinen Sohn zur Welt brachte, desto mehr wuchsen Missverständnisse und Frustrationen auf beiden Seiten. Schließlich kamen das Kaiserpaar und seine Freunde zum Schluss, dass Masako keine richtige Japanerin sei. "Die Prinzessin hatte eine amerikanische Erziehung. Sie ist anders als die Frauen, die in Japan aufgewachsen sind", meint Akira Hashimoto, ein Freund des Kaisers.
Solchermaßen angefeindet, in ihren Bedürfnissen ignoriert und in ihren Palast eingesperrt, entwickelte Masako das Gefühl, sie werde vom Kaiserpaar nicht akzeptiert. Als der Druck, einen Sohn zu bekommen, nach der Geburt ihrer Tochter Aiko stärker wurde, war ihr Zusammenbruch nur noch eine Frage der Zeit. Jetzt ist die Prinzessin – nach einem kurzen Auftritt zu Neujahr – erneut hinter den Palastmauern verschwunden. Ihr Freundeskreis ist deshalb sehr besorgt: Wenn sie ein zweites Mal psychisch zusammenbreche, könne das ihr Ende bedeuten.
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