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Von Carsten Schmiester, NDR-Hörfunkstudio Washington
Wer US-Amerikaner ist und Eltern hat, die das Ganze gut finden, der darf schon mit 17 Jahren Soldat werden und nach der Grundausbildung etwa in einem zehn Millionen Dollar teuren Panzer mit geladener Kanone durch die irakische Wüste donnern; die Lizenz zum Töten in der Tasche, aber eben nicht die Lizenz zum Trinken. Mit dem Bierchen nach Dienstschluss müssen er oder auch sie warten bis zum 21. Geburtstag.
[Bildunterschrift: US-Soldaten vor der Parlamentswahl im Irak ]
Unsinn, meint Mark Pettis. Der Ex-Soldat sitzt für die regierenden Republikaner im Parlament des Bundesstaates Wisconsin und macht landesweit Schlagzeilen mit seinem neuesten Gesetzentwurf, Aktenzeichen "AB141": In Wisconsin sollen danach schon 19-Jährige Alkohol bekommen, aber nur, wenn sie Uniform tragen und sich mit Truppenausweis und Führerschein als "bierberechtigt" ausweisen können: "Ich finde, wir sollten diese jungen Männer und Frauen, die immerhin für unser Land kämpfen, respektieren und sie als Erwachsene behandeln. Sie sollten in die Kneipe gehen und einen Drink bestellen dürfen, wenn sie das wollen."
Erst kürzlich ist nach Informationen des Nachrichtensenders CNN ein junger Soldat wegen unerlaubten Alkoholbesitzes bestraft worden. Kurz zuvor hatte man ihm noch Geheimcodes für den Abschuss von Atomraketen in die Hand gedrückt. Das ist Heuchlerei, schimpft Politiker Pettis, der sein Gesetz unbedingt durchbringen will, dabei aber eine reichlich absurde Hürde nehmen muss. Denn jedem Bundesstaat, der das Mindestalter für Alkoholgenuss herabsetzt, droht die Bush-Regierung mit der Kürzung von Zuschüssen zum Straßenbau. Im Fall Wisconsin wären das immerhin 50 Millionen Dollar pro Jahr. "Alles hängt davon ab, ob die Regierung in diesem Fall eine Ausnahme macht", so Pettis. "Nur dann können wir den auf zwei Jahre angelegten Versuch starten und am Ende sehen, ob sich irgendetwas verändert hat."
Klingt da etwa die leise Hoffnung mit, den angesichts des zunehmend ungeliebten Irak-Krieges abnehmenden Wehrwillen junger Amerikaner neu zu beleben nach dem Motto: Wer schießen kann, der darf auch saufen? Nicht auszuschließen. Aber noch ist Pettis’ Gesetzentwurf nicht beschlossen und es gibt Organisationen, die ihn mit aller Macht verhindern wollen. Zum Beispiel die "Mütter gegen zu junge Trinker": "Wir wollen, dass diese Soldaten ihren Job mit der bestmöglichen Ausrüstung machen - und das ist ihre Intelligenz", sagt deren Sprecherin Wendy Hamilton. "Als Soldaten riskieren sie ihr Leben ohnehin schon und tun das noch mehr, wenn sie trinken, obwohl sie dafür noch zu jung sind."
Das Gehirn eines oder einer unter 21-Jährigen sei einfach noch nicht fertig entwickelt, argumentieren diese Mütter. Sie geben allerdings keine Antwort auf die Frage, warum ein Bier in den Händen solcher "Greenhorns" gefährlicher sein soll als eine Bombe.
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