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Hunderttausende Menschen in Simbabwe sind obdachlos geworden, nachdem die Regierung Mugabes Elendsviertel und Wellblechsiedlungen geräumt hat. Die Uno hat nun die so genannte "Operation Abfall vertreiben" in einem Bericht offiziell verurteilt.
Von Stefan Schaaf, ARD-Studio Johannesburg
[Bildunterschrift: Die Bevölkerung in Simbabwe ist fassungslos angesichts der Zwangsräumungen ]
Ein ganzes Land ist auf der Flucht - vor der eigenen Regierung. Zehntausende Menschen in Simbabwe packen ihr Hab und Gut zusammen, weil die Regierung von Robert Mugabe ihre Hütten niederreißen lässt. Die Bulldozer machen vor allem die Stadtteile platt, die als Hochburg der Opposition gelten. Im fernen Schottland wurde über verstärkte Hilfe für Afrika beraten, doch Mugabes Regime demonstriert weiter seine Menschenverachtung. "Ich verstehe nicht, was mit uns geschieht", sagt eine verzweifelte Frau. "Meine Familie hat nichts zu essen, wir können keinen um Hilfe bitten. Wohin sollen wir nur gehen?"
Es sieht aus wie im Krieg. Die Vertreibung heißt zynisch "Operation Abfall vertreiben". Die Regierung stellt sie als Stadtplanung dar: illegale Hütten sollen beseitigt werden. Doch in Wahrheit geht es um eine politische Bestrafungsaktion. Familien müssen bei Temperaturen um den Gefrierpunkt im Freien kampieren - es ist Winter in Simbabwe. Und es gibt die ersten Toten - unter einer Decke liegt die Großmutter einer Familie, die bei der Räumungsaktion um Leben kam. "Meine Mutter lag in unserer Hütte. Die Bulldozer haben die Wände einfach niedergerissen, meine Mutter konnte nicht weglaufen. Nun ist sie tot." Die Menschen sind fassungslos.
In Johannesburg treffen wir den Oppositionsführer Simbabwes, Morgan Tsvangirai. Er vergleicht die Vorgänge mit den Verbrechen der Roten Khmer in Kambodscha. "Was gerade passiert, nennen wir Pol Pot in Zeitlupe, weil die Intention ähnlich ist. Man vertreibt die Menschen aus den Städten, weil man ihre Unterstützung verloren hat und siedelt sie einfach auf dem Land an."
Die Säuberungsaktionen machen auch vor der Innenstadt in Harare nicht halt. Fliegende Händler, Marktstände, kleine Läden - nichts wird ausgespart. Kein Wunder, dass nicht wenige in Simbabwe vom "Mugabe-Tsunami" reden. Der Zynismus der Behörden scheint keine Grenzen zu kennen. Manche Bewohner werden von den Polizisten gezwungen, ihre Häuser eigenhändig abzureißen.
40 Kilometer außerhalb von Harare ist auf einer Farm ein Lager entstanden - das Mugabe-Regime hat das erste Flüchtlingslager im eigenen Land geschaffen. Mehr als 5000 Menschen leben in einer improvisierten Zeltstadt. Doch keiner kümmert sich um sie, und die Versorgungslage ist ohnehin katastrophal in dem südafrikanischen Land - drei Millionen Menschen brauchen dringend Lebensmittelhilfe. "Wer Menschen immer weiter in die Verzweiflung treibt, der wird sie irgendwann nicht mehr kontrollieren können", sagt Tsvangirai. "Wir fragen uns, wie lange noch diese Regierung unsere Menschen provozieren wird, ohne dass es eine Gegenreaktion gibt. Das ist doch die große Frage."
[Bildunterschrift: Simbabwes Präsident Robert Mugabe ]
Doch im State House, dem Regierungssitz, gibt sich Mugabe kalt entschlossen – auch gegenüber der UN-Beauftragten Anna Tibaijuka. Mugabes Reaktion nach dem Höflichkeitsbesuch: "Ja, es mag jetzt einige Unannehmlichkeiten geben", meinte er, "doch was zählt ist doch die Tatsache, dass die Slum-Gebiete endlich verschwinden". Kofi Annans Gesandte muss einen diplomatischen Drahtseilakt vollführen und nach außen hin Neutralität demonstrieren.
Doch wie soll das eigentlich gehen, wenn man bei solchen Gesprächen mit der geballten Verzweiflung der Menschen konfrontiert wird? Man zeigt ihr Patronenhülsen – hier wurde mit Tränengas geschossen. "Warum tut uns unsere eigene Regierung dies an und foltert uns", fragt eine Frau - eine Antwort wird sie wohl nicht bekommen. "Die Polizei hat keine Skrupel, uns zu töten", sagt eine andere, und ihre Nachbarin meint: "Sie wollen alles, was wir hier haben, niederbrennen". Nach UN-Schätzungen sind drei Prozent der Gesamtbevölkerung vertrieben worden.
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