Zur Haupt-Navigation der ARD.
Zum Inhalt.

18.03.2010

ARD-Logo

Suche in tagesschau.de

Hauptnavigation
Multimedia
  • VideoLivestream.tagesschau 20:00 Uhr
  • Videotagesschau24.
  • VideoLetzte Sendung.tagesschau 17:00 Uhr
Inhalt
Ausland
Innenminister stellt sich hinter Scotland Yard
Nach Todesschüssen auf Brasilianer

Innenminister stellt sich hinter Scotland Yard

 (Foto: REUTERS) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Der britische Innenminister Clarke ist zufrieden mit Scotland Yard. ]
Die britische Regierung hat sich in der Affäre um die Erschießung eines unschuldigen Brasilianers hinter die Londoner Polizei gestellt. Innenminister Clarke sagte dem Rundfunksender BBC, er sei sehr zufrieden mit der Arbeit von Polizei-Chef Ian Blair und dessen Beamten. Zugleich rief er die Bevölkerung auf, das Ergebnis einer unabhängigen Untersuchung zum Tod des Mannes abzuwarten. Er reagierte damit auf immer neue Berichte und Gerüchte über den Tathergang und die Ermittlungen zu dem Vorfall, in dem die Polizei immer mehr unter Druck gerät.

Der 27-jährige Brasilianer war nach den Anschlägen von London bei einer Anti-Terror-Fahndung erschossen worden. Die Polizei räumte einen Tag später ein, einen Unschuldigen getötet zu haben.

Scotland Yard: Familie keine Million angeboten

Scotland Yard hatte zuvor einen Bericht dementiert, wonach die Polizei der Familie des unschuldig getöteten Brasilianers Jean Charles de Menezes eine Million Dollar (rund 823.000 Euro) angeboten haben soll: "Wir weisen nachdrücklich jede Andeutung zurück, dass eine Entschädigungssumme in Höhe von etwa einer Million Dollar angeboten wurde", sagte ein Sprecher. Scotland Yard habe mit der Familie von Menezes lediglich über eine erste Aufwandsentschädigung gesprochen.

Die Zeitung "Daily Mail" hatte bereits Anfang August von der Millionenentschädigung berichtet. Matozinho und Maria de Menezes, die in Brasilien leben, hätten das Geld aber abgelehnt, berichtete die Zeitung jetzt. "Wir lassen uns nicht kaufen", wurden sie zitiert. Das Angebot hätten sie als "beleidigend" empfunden, sagte eine Sprecherin der Unterstützergruppe "Justice4Jean". "Es ist unglaublich, dass der Scotland-Yard-Chef in Großbritannien lügt und die Öffentlichkeit täuscht und zur selben Zeit Polizisten nach Brasilien schickt, um Geld anzubieten", sagte sie dem Bericht zufolge weiter. "Das bestätigt uns in unserem Verdacht, dass da etwas vertuscht werden soll."

Scotland Yard überprüft Todesschuss-Praxis

Die Eltern des Getöteten halten Bilder ihres Sohnes in den Händen. (Foto: REUTERS) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Die Eltern des Getöteten halten Bilder ihres Sohnes in den Händen. ]
Einem anderen Zeitungsbericht zufolge überdenkt Scotland Yard nun doch die umstrittene Politik der gezielten Todesschüsse der Anti-Terror-Fahndung. Wie die Zeitung "The Guardian" berichtet, will die Polizei grundsätzlich an der Option "Shoot to kill" festhalten, um zu verhindern, dass mögliche Selbstmordattentäter ihre Bombe zünden.

Sie diskutiere jedoch über Wege, wie das Risiko, dass Unschuldige getötet werden, vermindert werden könne. Bei der Polizei gebe es Befürchtungen, dass erneut Unschuldige sterben könnten.

Dem Bericht zufolge prüft die Polizei, welche nicht-tödlichen Waffen eingesetzt werden können, um mutmaßliche Selbstmordattentäter schnell handlungsunfähig zu machen. Außerdem soll geklärt werden, wie viele Geheimdienstinformationen vorliegen müssen, bevor die Genehmigung zum Schießen erteilt werden kann. Es werde zudem nach Wegen gesucht, wie unter Zeitdruck Informationen an die verschiedenen Behörden und die Beamten vor Ort weitergeleitet werden können. Generell solle die Kommunikation zwischen der Befehlsebene und den Ausführenden verbessert werden.

Zweifel an Polizei-Version

Zeitungsschlagzeile nach Enthüllungen zu Erschießung Menezes' (Foto: AFP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Zeitungsschlagzeile nach den Berichten über die Umstände der Erschießung Menezes' ]
Menezes war am 22. Juli, einen Tag nach der zweiten Bombenserie in London, in einer U-Bahn-Station von Polizisten durch gezielte Kopfschüsse getötet worden. In der vergangenen Woche veröffentlichte Bilder und Zeugenaussagen weckten erhebliche Zweifel an der Version der Polizei, wonach sich der junge Mann am U-Bahnhof Stockwell durch ungewöhnlich winterliche Kleidung und das Überspringen der Eingangssperre zur U-Bahn verdächtig gemacht haben sollte. Der Fernsehsender ITV veröffentlichte Fotos und Videoaufnahmen, die zeigten, dass der Elektriker eine leichte Jeansjacke trug, den U-Bahnhof langsamen Schrittes betrat und noch eine Gratiszeitung mitnahm.

Stand: 21.08.2005 10:30 Uhr
 

© tagesschau.de

tagesschau.de ist für den Inhalt externer Links nicht verantwortlich.

Die Landesrundfunkanstalten der ARD: BR, HR, MDR, NDR, Radio Bremen, RBB, SR, SWR, WDR,
Weitere Einrichtungen und Kooperationen: ARD Digital, ARTE, PHOENIX, 3sat, KI.KA, DLF/ DKultur, DW