"Katrina"-Flüchtlinge in den USA Gesucht wird eine neue Heimat

Stand: 26.08.2007 05:38 Uhr

Bis Mitte Oktober hat die US-Regierung zehntausenden Hurrikan-Opfern eine neue Bliebe versprochen. Doch während mancherorts leere Luxusliner und ungenutzte Wohncontainer auf Flüchtlinge warten, müssen anderorts die Menschen immer noch in Massenquartieren ausharren.

Von Georg Schwarte, NDR-Hörfunkstudio Washington

In dem kleinen Örtchen Baker in Louisiana sind sie vom Hurrikan Katrina verschont geblieben. Jetzt aber bekommt die Gemeinde die Folgen der Katastrophe zu spüren. Überall im Ort Obdachlose. Menschen ohne Heimat. In der Kirchengemeinde von Larry Beasly schlafen Dutzende seit mehr als drei Wochen auf dem Boden des Gemeindehauses. Und keiner weiss, wie lange noch. „Wir wissen bis jetzt nicht, wohin diese Menschen sollen, und wir suchen jetzt nach einigermassen menschenwürdigen Unterkünften", sagte Beasly, "denn für viele wird das alles noch sehr sehr lange dauern.“

Antoinette Johns hat Glück gehabt, Glück im Unglück. Ihr Mann und ihre zwei Kinder sind unversehrt. Aber sie hat keine Heimat mehr. Jetzt sitzt sie in Baker in einer Notunterkunft. Ein Bett ist alles was sie hat. „Verwandte sind nach Texas geflohen." Da, so erzählt Johns, hätten sie Häuser bekommen. „Warum hocken wir hier noch immer in Notunterkünften?“ fragt sie.

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... bis Mitte Oktober soll das ein Ende haben, hat der Präsident versprochen

Bei der vielkritisierten Fema, der nationalen Katastrophenschutzagentur, wissen sie um die Probleme. Nur die Lösung kennt noch niemand. Fest steht, die Fema hat zugesagt, dass bis Mitte Oktober alle 68.000 Hurrikanopfer, die derzeit noch in Rotkreuz-Notunterkünften untergekrochen sind, eine neue Bleibe haben sollen: ein Hotelzimmer, einen Wohnwagen, etwas, das sie ihr Zuhause nennen können. 120.000 mobile Wohncontainer hatte die Fema für Millionen Dollar nach der Katrina-Katastrophe geordert. Das Problem: Die Container sind da, aber jetzt fehlt es an öffentlichen Grundstücken, um mobile Wohnparks einzurichten. Die Suche danach sei mühsam, sagt James McEntire von der Fema: „Wir müssen jetzt die Grundstücke finden, müssen sie erschliessen, Strom und Wasser besorgen.“

Katastrophenschutz steht im Wort

Die Fema aber steht im Wort: Bis Mitte Oktober, so hat Präsident Bush denen, die alles verloren haben, versprochen, würden sie ein neues, wenigstens vorübergehendes Zuhause haben. Aber vor Ort läuft vieles nicht so, wie sich das die Menschen wünschen. Ansprechpartner fehlen, lokale Hilfskräfte wie Sheriff Jack Stevens aus der Gemeinde St. Bernhard nahe New Orleans sind komplett überfordert. „Das Ganze ist eine einzige Abfolge fehlerhafter Reaktionen auf eine Katastrophe wie diese“, sagt er. „Alle, die ich treffe sagen nur: Hier weiß keiner der Verantwortlichen, was er eigentlich tun soll.“

Der Sheriff zeigt mit dem Finger auf Präsident Bush, auf die Gouverneurin und auf die Fema. Die Fema macht eine Menge - aber nicht alles gelingt. So hatte die gescholtene Agentur eilig drei Kreuzfahrtschiffe der Carnival-Linie gechartert. Das Ziel: Unterkunft für tausende Flüchtlinge für mindestens sechs Monate. 236 Millionen hat die Reederei dafür in Rechnung gestellt. Jetzt aber sind die Schiffe halbleer, weil kaum jemand auf Dauer auf einem Kreuzfahrtdampfer wohnen will. Die Kosten pro Person und Woche für die Regierung: 2500 Dollar. Vier Mal soviel wie der reguläre Preis für eien Kreuzfahrt - Geld, das anderswo nötiger gebraucht würde.

Kein Geld für Stadtverwaltung und Feuerwehr

In New Orleans hat Bürgermeister Ray Nagin angekündigt, die Hälfte der städtischen Bediensten müsse gehen. 3000 Menschen, alle die nicht dringend für den Wiederaufbau gebraucht werden, haben keinen Job mehr. Die Stadt steht vor der Pleite: „Wir haben alles auf den Kopf gestellt, überall nach Mitteln gesucht", beteuert Nagin. "Aber wir haben sie schlicht nicht, um alle weiter zu beschäftigen.“

In der Stadt gab es einst 40 Feuerwachen. Sechs, allenfalls sieben sind heute noch voll funktionsfähig. Und der Präsident der Bürgerschaft von New Orleans formuliert es drastisch: „Erst hatten wir Katrina. Dann kam Rita und jetzt kommen die Massenentlassungen.“ Und am Ende bleibt seine Frage unbeantwortet: „Wann endlich kommt Hilfe für diese Stadt?“

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