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10.02.2010

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Ausland
Argentiniens Präsidentenfrauen im Wahlkampf
Parlamentswahl

"Zickenkrieg" auf argentinisch

Eigentlich steht der Sieger der argentinischen Parlamentswahl am Sonntag bereits fest, dennoch tobt ein Wahlkampf der besonderen Art. Im politischen Rampenlicht: zwei Präsidentengattinnen, die der gleichen Partei angehören.

Von Gottfried Stein, ARD-Studio Südamerika

Chiche Duhalde (li.) und Christina Kirchner Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: "Zickenkrieg": Duhalde (li.) und Kirchner ]
Wahlkampfendspurt in einem Fußballstadion in Buenos Aires. Präsident Nestor Kirchner spricht. Dabei steht der Präsident am Sonntag gar nicht zur Wahl: Da werden nur Sitze in den beiden Kammern des Kongresses, im Parlament und im Senat, neu vergeben. Aber Kirchner hat die Wahl einfach zum Referendum über seine Person erklärt. Dafür schickt er seine Frau Christina ins Rennen.

Eine paradoxe Situation: Christina Kirchner ist bereits Senatorin für Santa Cruz, kämpft aber jetzt um das Amt in der Provinz Buenos Aires, weil hier ein Drittel aller argentinischen Wähler lebt. Sie und ihr Mann gehören der herrschenden peronistischen Partei an. Aber die hat für diesen Wahlkreis Chiche Duhalde, die Frau des Ex-Präsidenten und Vorgänger Kirchners nominiert. Deshalb haben die Kirchners kurzerhand eine eigene Liste, die „Front für den Sieg“ aus dem Boden gestampft.

Rosendo Fraga, politischer Analyst in Buenos Aires: "Die beiden Fraktionen von Präsident Kirchner und Ex-Präsident Duhalde sind praktisch die zwei wichtigsten politischen Parteien im Land geworden. Das bedeutet, dass in dieser Wahl die zur Zeit wichtigsten Figuren der argentinischen Politik, Präsident Kirchner und der ehemalige Präsident Duhalde, gegeneinander konkurrieren. Paradoxerweise machen das beide durch ihre Ehefrauen."

Beschimpfungen und Wahlgeschenke

Evita und Juan Peron Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Bereits Evita Peron war politisch einflussreich ]
In Argentinien spricht man nur noch vom „Zickenkrieg“: Obwohl alle derselben Partei angehören, bezichtigen sie sich gegenseitig als Mafiosi, Vaterlandsverräter und Betrüger, überschütten die Menschen mit Wahlgeschenken bis hin zu Kühlschränken. Was für Außenstehende merkwürdig anmutet, sei für Argentinien nichts Ungewöhnliches, sagt Rosendo Fraga: „Perón, der Gründer des Peronismus, hat schon seiner Frau, Evita Perón, eine relevante politische Rolle gegeben. Das heißt, die politische Kultur des Peronismus hat von Anfang an den Ehefrauen der Parteiführer eine aktive Rolle gegeben. Genauso wie damals Evita, als ihr Mann Perón der Präsident war. Und nach Evitas Tod, als er 1973 wieder an der Macht kam, machte Perón seine damalige Frau, Isabel Martínez de Perón, zur Vizepräsidentin. Und als Perón starb, hat Isabelita die Präsidentschaft in Argentinien übernommen“.

"Eine besondere Prägung der Parteien"

Weder „Kirchneristas“ noch „Duhaldistas“ verschwenden Zeit mit inhaltlichen Programmen. Im peronistischen Preisboxen geht es nur um die Macht: Wer gewinnt, hat alle Chancen bei der Präsidentenwahl 2007, bei der vermutlich die Männer gegeneinander antreten. Hartmut Hentschel, Leiter des Meinungsforschungsinstitutes „Demoskopia“: „Die Parteien und vor allem die Führungsschicht agierten weiter wie vorher. Man hat hier eine besondere Prägung der Parteien. Das drückt sich in diesen Flügelkämpfen, in dem Kampf um die Macht aus. Alles nach dem Muster, wie wir es in den Vorjahren auch hatten."

"Eine schlechte Meinung von Politikern"

Alle Umfragen deuten daraufhin, dass sich bei den Wahlen am kommenden Sonntag wieder nichts ändert: Bei der Senatswahl wird sich die aktuelle Präsidentengattin gegen ihre Vorgängerin durchsetzten, und die Peronisten werden ihre Vormachtstellung trotz aller Kritik behaupten - leider, meint Fraga: „Die Leute haben eine schlechte Meinung von Politikern. Das ist ein weltweites Problem. Aber vielleicht ist es hier wegen der schlechten wirtschaftlichen und sozialen Situation gerechtfertigt. Doch zum Wahltermin wählen die Leute immer die gleichen Kandidaten. Diese Gesellschaft ist nicht konsequent: Sie reklamiert bestimmte Sachen, aber wählt dann verkehrt."

Stand: 21.10.2005 12:43 Uhr
 

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