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Iran: Die normale Propagandaschlacht gegen Israel
Aufmarsch zum Al-Kuds-Tag in Iran

Die ganz normale Propagandaschlacht

Am Al-Kuds-Tag haben in Teheran wie in jedem Jahr Zehntausende gegen Israel demonstriert. In diesem Jahr standen die Massendemonstrationen wegen der israelfeindlichen Ausfälle von Präsident Ahmadinedschad im Fokus des internationalen Interesses. Der UN-Sicherheitsrat und der Vatikan verurteilten die Hasstiraden.

Von Jörg Pfuhl, ARD-Hörfunkstudio Teheran

Al-Kuds-Tag in Teheran: Kinder verbrennen eine israelische Flagge (Foto: AP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Al-Kuds-Tag in Teheran: Kinder verbrennen eine israelische Fahne ]
Es ist nicht anders als in den Jahren zuvor: Die politischen Anhänger des Systems, dazu die mehr oder weniger freiwillig gekommenen Polizisten und Bassiji, aber auch das Lumpenproletariat, das auf ein bisschen Kleingeld hofft. Sie sammeln sich am Vormittag in den Straßen Teherans und strecken Plakate in die Höhe, auf denen Israels Regierungschef Ariel Scharon das Gesicht eines Affen trägt.

Es sind wie immer viele tausend, sie ziehen bei angenehmen 25 Grad in Richtung Universitätscampus, zum Freitagsgebet. Seit den Zeiten von Revolutionsführer Ajatollah Chomeini begeht das System den letzten Freitag im Ramadan als "Jerusalem-Tag" - ein Tag, an dem zur Vernichtung Israels aufgerufen wird; noch nicht einmal mit besonderem Enthusiasmus, sondern ganz routiniert.

Die Propagandaschlacht als Pfeiler der Ideologie

Demonstration Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Demonstranten als Selbstmordattentäter verkleidet ]
Wie in all den Jahren zuvor hat Irans staatliches Fernsehen schon seit Tagen die Menschen mobilisiert. Ohne Unterbrechung laufen über den Bildschirm blutige Bilder aus Palästina: Israelische Kugeln zerfetzen Kinderkörper, palästinensische Frauen sterben in den Armen ihrer Männer. Es ist wie jedes Jahr: eine Propagandaschlacht des Systems gegen Israel, ein wesentlicher Pfeiler der Ideologie des Gottesstaates bei der Mobilisierung der Massen; eben genau wie immer.

Irans Präsident Ahmadinedschad während seiner viel kritisierten Rede auf der Konferenz unter dem Motto "Eine Welt ohne Zionismus". (Foto: REUTERS) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Irans Präsident Ahmadinedschad sorgt am 26. Oktober mit seiner Äußerung, Israel müsse von der Landkarte getilgt werden, weltweit für Empörung. ]
Den meisten Iranern ist gar nicht klar, dass es dieses Jahr anders ist. In den Zeitungen war nichts besonderes zu lesen, und am heutigen Feiertag sind gar keine erschienen. Was im Ausland für Aufruhr sorgt, hat das normale Volk in Iran so gut wie gar nicht registriert: die Rede ihres Präsidenten Ahmadinedschad vor zwei Tagen. Da hatte der neue Präsident eine aus seiner Sicht wohl übliche Hetzrede gegen Israel gehalten, dabei auch den großen Revolutionsführer Chomeini zitiert, der Israel von der Landkarte tilgen wollte, und hinzugefügt: "Ich bin zuversichtlich, dass die neue Welle in Palästina und die Aufklärungsbewegung in der islamischen Welt sehr bald diesen Schandfleck aus der Islamischen Welt entfernen wird.

Auch das befreundete Russland distanziert sich

Im Ausland ist die Rede auf Empörung gestoßen, weil unter Vorgänger Chatami zumindest in den offiziellen Reden mehr vom "Dialog der Zivilisationen" zu hören war - und weniger vom "Kampf der Kulturen". Die Proteste gehen weit über Israel selbst und den Westen hinaus: auch Irans Freunde wie Russland distanzieren sich, und sogar die Palästinenser selbst protestieren.

Kinder beim "Al-Kuds-Tag" in Teheran (Foto: AP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Propagandaschlacht gegen Israel als Pfeiler der Ideologie ]
Erst langsam merkt die Regierung, was sie losgetreten hat und versucht nun zurückzurudern. In der staatlichen Nachrichtenagentur IRNA treten plötzlich Professoren auf, die beschwichtigen. Der Präsident habe nicht von praktischer Politik gesprochen, sondern nur "ideologische Anmerkungen" gemacht, heißt es. Und ganz offiziell erklärt Irans Botschaft in Moskau: "Der Präsident wollte sich weder scharf äußern, noch einen Konflikt beginnen".

Ahmadinedschad allein in Teheran?

Auch der heutige Freitagsprediger ist eine Gewähr für eher moderate Töne: Ajatollah Rafsandschani war im Wahlkampf der Gegenspieler des Präsidenten. Er plädiert gewöhnlich für eine Öffnung des Systems in Richtung Westen und schloss nicht einmal Kontakte mit den USA aus. Es sieht so aus, als würde Irans neuer Präsident vom System selbst zurückgepfiffen.

Stand: 29.10.2005 10:42 Uhr
 

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