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[Bildunterschrift: Tilmann Bünz ]
Norwegen ist der Himmel der Kühe. Als erstes Land weltweit hat das Land die Matratzenpflicht für das Milchvieh erlassen. Ab Januar ist der Komfort in jedem Kuhstall Pflicht. Wiehert da der Amtsschimmel? Nein, finden die Bauern im Norden. Skandinavien-Korrespondent Tilmann Bünz erlebte breite Zustimmung allenthalben. Denn so weich gebettet, geben die Tiere sogar mehr Milch als ihre Verwandten in härterer Lage.
Von Tilmann Bünz, ARD-Korrespondent Stockholm
Wenn die Tage kürzer werden und die Schatten länger, dann ist es Zeit für die letzten Einkäufe vor dem Fest. Auch Bauer Arne Egil Arnesen aus dem norwegischen Akershus macht sich auf den Weg zum örtlichen Großhandel für die Landbevölkerung. Er muss sich sputen. Seine Kühe warten. Es fehlen noch ein paar Liegeunterlagen im Stall.
Zur Auswahl stehen verschiedene Typen von Matratzen. Ein Modell etwa ist 21 Millimeter dick und hat extra Noppen. Die Noppen machen die Unterlage besonders weich und rutschfest. Und das Muster verschleißt nicht so leicht. "Mit Profil kosten sie etwa 100 Euro pro Stück. Das Geld ist gut angelegt", sagt der Verkäufer. "Menschen können den Unterschied mit bloßen Händen vielleicht nicht feststellen - aber die Kühe schon."
[Bildunterschrift: Auch dieses Milchvieh wäre glücklicher, wenn es sich zum Schlafen auf eine Matratze betten dürfte, glauben die Norweger ]
Früher lagen Arnes Kühe auf Beton. Aber wer seine Kühe liebt wie Arne, dem war schon lange klar, dass das den Tieren schadet, weil Beton kalt ist und hart. Die Kühe standen lieber als zu ruhen, und zu wenig Schlaf ist auch für Kühe nicht gut. "Die Matratzen sind besser für ihre Beine", erklärt Arne. "Wenn sie aufstehen, verlagert sich das schwere Körpergewicht von 600 bis 700 Kilo auf ihre Vorderbeine. Die Matratze gibt ein wenig nach. Das ist besser für die Gelenke."
Zwischen den Tieren findet auch Bauer Arne seinen Platz zum Melken - und weil die Kühe nun viel ruhiger stehen, ist das Melken ungefährlicher geworden. Und: Weil die Kühe glücklicher sind, fließt auch die Milch schneller.
Im Landwirtschaftsministerium herrscht eitel Freude über diesen Geniestreich, bei dem es nur Gewinner gibt. Ola Heggem, Staatssekretär im Landwirtschaftsministerium, ist selbst Bauer und überzeugt, dass die Zeit reif war für die Matratzenpflicht. "Das will ich wohl hoffen, dass Norwegen da zum Vorbild wird", sagt er. "Matratzen lohnen sich ökonomisch. Aber am allerwichtigsten ist, dass es den Tieren gut geht."
[Bildunterschrift: Ob auch diese Kühe sich auf eine gemütliche Unterlage freuen dürfen, ist nicht bekannt. ]
Der Komfort im Kuhstall ist aber noch steigerungsfähig. Bei Bauer Ole Kristian Skallerud zum Beispiel können die Kühe rein ihren Instinkten folgen. Die Boxen sind größer und die Tiere sind nicht mehr angeleint. Sie tun das, was sie wollen. Seither streiten sie weniger. "Räumliche Distanz ist oft die Voraussetzung für persönliche Nähe", sagt Bauer Ole. Jedes Vieh hat seine eigene Box, die stärkeren Kühe hatten die erste Wahl. Bei den Attraktionen des Stalls wie etwa der Reinigungsbürste gilt aber das egalitäre Prinzip "Wer zu erst kommt, mahlt zuerst".
"Sie verstehen sich sehr gut", erklärt Bauer Ole. "Dieser Stall wurde im Hinblick darauf gebaut, dass alle Tiere, die in der Kuh-Hierarchie weit unten stehen, ihren Chefs aus dem Weg gehen können. So herrscht Ruhe im Stall, alle können frei herumlaufen, ohne dass sie sich untereinander mobben."
Die Matratzen sind aus Schaumstoff, dem gleichen, den die Nasa für die Raumfahrt verwendet. In der Kuhwelt von morgen bestimmt die Kuh außerdem selbst, wann es Zeit ist für die Melkmaschine. Das ist tierfreundlich und rechnet sich. Tatsächlich geben die Kühe acht bis zehn Prozent mehr Milch. Alles ist so gut organisiert, dass der Bauer Zeit hat für allerlei Beobachtungen, während seine Kühe auf den Matratzen schlummern - 12 bis 15 Stunden am Tag.
Nach so einem Tag im Kuhstall bleibt eigentlich nur eine Frage offen: Warum bekommen Kühe erst jetzt eigene Matratzen?
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