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Chronologie: Streit um Mohammed-Karikaturen
Streit um Mohammed-Karikaturen

Chronologie

Ausschreitungen in Beirut (Foto: AFP) [Bildunterschrift: Gewalttätige Proteste vor der dänischen Botschaft in Beirut ]
Mohammed mit einer Bombe als Turban - diese und andere Karikaturen in der dänischen Zeitung "Jyllands-Posten" haben die moslemische Welt empört. Die politischen Verwerfungen daraus sind gravierend - für die einen geht es um die Unantastbarkeit des Propheten, für die anderen um Presse- und Meinungsfreiheit. Eine Chronologie.

30. September 2005: Die dänische Zeitung "Jyllands-Posten" druckt zwölf satirische Zeichnungen mit dem Titel "Die Gesichter Mohammeds" ab. Das Blatt rechtfertigt die Veröffentlichung mit der Meinungsfreiheit und will mit der Publikation auch bewusst gegen den Strich vermeintlicher Selbstzensur bei islamischen Themen bürsten. Moslems beklagen, dass die Karikaturen ihre religiösen Gefühle verletzten und verlangen eine Entschuldigung.

14. Oktober 2005: Zwei der Zeichner müssen nach Morddrohungen untertauchen. 3.500 Moslems demonstrieren friedlich in Kopenhagen.

19. Oktober 2005: Elf Botschafter moslemischer Länder fordern den dänischen Regierungschef Rasmussen auf, sich zu distanzieren. Rasmussen lehnt das mit Hinweis auf die Pressefreiheit ab.

November/Dezember 2005: Eine Delegation dänischer Imame (Vorbeter) reist durch mehrere islamische Länder, um Proteste zu organisieren.

10. Januar 2006: Die norwegische Zeitung „Magazinet“ druckt die Zeichnungen nach. Der Streit eskaliert: In der moslemischen Welt gibt es heftige Proteste – grundsätzlich dürfe niemand ungesühnt den Gesandten des Islams als fanatischen Fundamentalisten und Terroristen karikieren.

26. Januar 2006: Ägypten und Syrien, Pakistan und Indonesien, Bosnien-Herzegowina und Iran überreichen der dänischen Regierung Protestnoten. Saudi-Arabien ruft seinen Gesandten zu Beratungen nach Riad zurück. Muslime rufen darüber hinaus zum Boykott dänischer Waren auf. Dänische Butter und dänischer Käse finden sich in beinahe jedem arabischen Supermarkt.

29. Januar 2006: Auch Libyen schließt seine Botschaft in Dänemark und droht mit wirtschaftlichen Konsequenzen.

30. Januar 2006: Bewaffnete Mitglieder der palästinensischen Al-Aksa-Brigaden besetzen ein EU-Büro im Gaza-Streifen und fordern von Dänemark und Norwegen eine Entschuldigung. Am Abend entschuldigt sich die Zeitung auf ihrer Website für die Karikaturen.

31. Januar 2006:17 Außenminister der Arabischen Liga verlangen die Bestrafung der Verantwortlichen für die Zeichnungen. Die dänische Zeitung "Jyllands Posten" erhält erstmals eine Bombendrohung. Im Internet rufen irakische Aufständische ihre Anhänger zu Anschlägen in Dänemark und Norwegen auf.

1. Februar 2006: Zehntausende Frauen protestieren in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa gegen die Mohammed-Karikaturen. Wütende Studentinnen verbrennen dänische Flaggen.

In vielen europäischen Ländern wird der Streit als Anlass für eine Debatte über die Grenzen der Pressefreiheit genommen. Demonstrativ drucken auch Tageszeitungen in Deutschland die Zeichnungen nach. Wegen des Nachdrucks wird der Chef der französischen Boulevardzeitung "France Soir" entlassen.

2. Februar 2006: In Gaza-Stadt ziehen Polizisten vor dem Büro der Europäischen Union auf, nachdem Dutzende Bewaffnete versucht hatten, es zu stürmen. Norwegen schließt nach Drohungen seine Vertretung im Westjordanland.

Im Westjordanland wird ein deutscher Lehrer entführt und nach wenigen Stunden unversehrt wieder freigelassen.

3. Februar 2006: Zehntausende Muslime protestieren im Nahen Osten, in Asien und Teilen Afrikas. In London ziehen Hunderte Demonstranten vor die dänische Botschaft und stecken die Fahne Dänemarks in Brand.

UN-Generalsekretär Kofi Annan ruft Muslime zur Annahme der Entschuldigung der dänischen Tageszeitung "Jyllands-Posten" auf. Er teile den Unmut über die Karikaturen, jedoch dürfe nicht ein ganzes Volk oder ganz Europa für die Handlungen einzelner Journalisten bestraft werden.

Die US-Regierung bezeichnet die Karikaturen als "beleidigend", verteidigt aber zugleich das Recht auf freie Meinungsäußerung.

4. Februar 2006: In der syrischen Hauptstadt Damaskus setzen Demonstranten die dänische und die norwegische Botschaft in Brand und beschädigen die schwedische Botschaft. In Gaza-Stadt greifen mehrere hundert Palästinenser die deutsche Vertretung und das EU-Büro an. Alle Gebäude sind nicht besetzt.

5. Februar 2006: In der libanesischen Hauptstadt Beirut wird das dänische Konsulat angezündet. Ein Demonstrant stirbt beim Sturz aus dem brennenden Gebäude. Anschließend verwüsten Tausende Demonstranten ein christliches Stadtviertel. 28 Menschen werden verletzt.

Der libanesische Innenminister Sabei bietet wegen der Ausschreitungen in Beirut seinen Rücktritt an. Die Regierung lehnt das Gesuch ab.

6. Februar 2006: Bei gewalttätigen Auseinandersetzungen in Afghanistan werden mehrere Demonstranten von Sicherheitskräften getötet. Auch in Somalia stirbt ein Demonstrant.

In Teheran werfen aufgebrachte Muslime Steine gegen das österreichische Botschaftsgebäude, schlagen Fensterscheiben ein und entzünden kleinere Brände. Am Abend greifen Hunderte Demonstranten erneut die dänische Botschaft an und werfen Steine und Brandbomben.

Die Arabische Liga ruft die protestierenden Muslime zur Mäßigung auf.

7. Februar 2006: Die afghanische Polizei schießt auf demonstrierende Muslime, die versuchen, einen norwegischen Stützpunkt der Nato-Schutztruppe Isaf im Nordwesten des Landes zu stürmen. Vier Angreifer sterben, sieben norwegische Soldaten werden verletzt. Die radikal-islamischen Taliban in Afghanistan fordern die Muslime zum "Heiligen Krieg" wegen der Mohammed-Karikaturen auf.

Die iranische Tageszeitung "Hamshari" kündigt einen "internationalen Karikaturenwettbewerb zum Holocaust" an. Demonstranten greifen erneut die dänische Botschaft in Teheran an. Iran bricht Handelsbeziehungen mit Dänemark ab.

Der dänische Ministerpräsident Rasmussen fordert Muslime zum Dialog auf.

8. Februar 2006: Die Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) ruft zusammen mit den Vereinten Nationen und der Europäischen Union die Muslime zur Ruhe auf.

Nach einem Angriff wütender Palästinenser zieht die internationale Beobachtermission ihre Mitarbeiter aus Hebron im Westjordanland ab.

9. Februar 2006: Hunderttausende Schiiten nutzen in Beirut die Prozession anlässlich der Aschura-Feierlichkeiten, um gegen die Mohammed-Karikaturen zu protestieren. Scheich Nasrallah, Generalsekretär der palästinensischen Hisbollah, fordert die islamischen Länder dazu auf, die Europäer dazu zu bringen, eine Lästerung Mohammeds per Gesetz zu verbieten.

10. Februar 2006: Ägypten verbietet die aktuellen Ausgaben des "Spiegel" und des Focus. Die Magazine hatten die Karikaturen des Propheten Mohammed nachgedruckt. Zehntausende Muslime gehen wieder auf die Straße, in Asien kommt es zur bisher größte Protestwelle.

11. Februar 2006: Mehr als 4000 Muslime demonstrieren in Düsseldorf, Bonn und Berlin friedlich gegen die umstrittenen Karikaturen. Zuvor hatten die Außenminister Steinmeier und Gül Christen und Türken in einem gemeinsamen Appell zu Toleranz aufgerufen.

12. Februar 2006: Die dänische Regierung hat offenbar Hinweise, dass wegen der umstrittenen Mohammed-Karikaturen Dänen in Indonesien konkreten Gefahren ausgesetzt sind. Kopenhagen fordert alle Dänen auf, das Land zu verlassen. Zugleich zieht Dänemark seine Diplomaten aus Syrien und Iran ab.

13. Februar 2006: Die Proteste in moslemischen Ländern gegen die Mohammed-Karikaturen sind vorerst abgeebbt. Der Streit ist aber nicht aus der Welt. Saudi-Arabien fordert von den Zeitungen, die die Karikaturen veröffentlicht haben, eine Entschuldigung. In Indonesien stößt der Abzug dänischer Diplomaten auf Unverständnis.

14. Februar 2006: Der EU-Chefdiplomat Solana bemüht sich um Beilegung des Karikaturen-Streits. Auf seiner Reise durch den Nahen Osten sichert er der Islamischen Konferenz, die auch vermitteln will, Unterstützung zu. In Pakistan gehen die Proteste gegen die Mohammed-Karikaturen in europäischen Zeitungen weiter. Mehr als 1000 Demonstranten marschieren in das Diplomatenviertel in der Hauptstadt Islamabad.

15. Februar 2006: In Pakistan gehen erneut mehrere Tausend Menschen gegen die Veröffentlichung von Karikaturen des Propheten Mohammed in Europa auf die Straße. Bei den gewaltsamen Protesten in Peschawar werden mindestens drei Menschen getötet, unter ihnen ein achtjähriges Kind.

16. Februar 2006: In der arabischen Welt gehen wieder Tausende auf die Straßen. Allein in der pakistanischen Hafenstadt Karatschi sind es 50.000 Menschen.

17. Februar 2006: Wieder gibt es Demonstrationen in Pakistan. Ein islamischer Geistlicher setzt ein Kopfgeld auf den Zeichner der dänischen Karikaturen aus. Dänemark schließt seine Botschaft in Islamabad.

18. Februar 2006: Nach gewaltsamen Protesten in Lybien mit elf Toten reicht der italienische Reformminister Calderoli von der rechtsgerichteten Lega Nord seinen Rücktritt ein. Ein TV-Auftritt Calderolis, bei dem er ein T-Shirt mit einer der umstrittenen Mohammed-Karikaturen getragen hatte, hatte auch innerhalb der Regierung für Empörung gesorgt und massive Proteste in Libyen ausgelöst.

19. Februar 2006: Bei Ausschreitungen gegen die Mohammed-Karikaturen im Norden Nigerias sterben mindestens 16 Menschen. Augenzeugen berichten, die meisten Opfer seien Christen gewesen. Kirchen und Geschäfte gehen in Flammen auf.

21. Februar 2006: Weitere neun Menschen sterben in Nigeria bei Ausschreitungen gegen die Mohammed-Karikaturen. Erstmals greifen auch Christen Muslime und ihre Gotteshäuser an. Der Papst appellierte an beide Seiten, die Feindseligkeiten einzustellen.

26. Februar 2006: In der größten pakistanischen Stadt Karatschi protestieren erneut 25.000 Muslime gegen die Mohammed-Karikaturen. Sie fordern den Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu europäischen Staaten. In der östlichen Stadt Lahore werden 70 Personen vor einer verbotenen Demonstration festgenommen. In Hongkong beteiligen sich etwa 1000 Muslime an einem friedlichen Protestmarsch. In Malaysia wird eine dritte Zeitung verboten, die ein Foto der umstrittenen Karikaturen veröffentlicht hatte.

3. März 2006: Der Nachdruck der umstrittenen Mohammed-Karikaturen in der Zeitung "Die Welt" verstößt nach Angaben des Deutschen Presserats nicht gegen den Pressekodex.

Stand: 30.07.2010 00:01 Uhr
 

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