Zur Haupt-Navigation der ARD.
Zum Inhalt.
[Bildunterschrift: Israels Ministerpräsident Olmert berät über Reaktionen auf den Selbstmordanschlag von Tel Aviv ]
Nach dem Selbstmordanschlag in Tel Aviv mit zehn Toten hat sich die israelische Regierung mit militärischen Reaktionen zunächst zurückgehalten. Ministerpräsident Ehud Olmert lehnte einen Vorschlag der Armeeführung ab, militärisch gegen die Hamas-geführte Palästinenser-Regierung vorzugehen. Olmert habe sich bei einer Sondersitzung mit Kabinett und Sicherheitsvertretern die Vorschläge für mögliche Angriffe angehört, hieß es. Olmert machte die Hamas-Regierung für den Anschlag verantwortlich. Die Organisation könne sich „vor dieser Verantwortung nicht drücken“.
Als erste Maßnahme beschloss das israelische Kabinett, Hamas-Vertretern in Ost-Jerusalem den Status von Ständigen Einwohnern abzuerkennen. Sie können sich damit nicht mehr innerhalb Israels bewegen. Infrastrukturminister Ronni Bar-on forderte, die Palästinenserregierung als terroristisch einzustufen. Die palästinensische Führung sei zu einem „terroristischen Staatswesen“ geworden und müsse als solches behandelt werden.
[Bildunterschrift: Der Attentäter sprengte sich vor einem Restaurant in die Luft. ]
Der palästinensische Ministerpräsident Ismail Hanija wies die Verantwortung für das Attentat erneut Israel zu. „Die Ursache für diesen Kreislauf sind die anhaltende Besatzung und die ständigen israelischen Angriffe auf das palästinensische Volk“, sagte er zum Auftakt einer Kabinettssitzung. Frieden und Sicherheit werde es nur geben, wenn Israel die Palästinensergebiete verlasse. Am Vortag hatte er von dem Anschlag als Selbstverteidigung gesprochen und argumentiert, palästinensische Selbstmordattentäter seien Widerstandskämpfer, die in Notwehr handelten.
Auch in traditionell freundlich gesonnenen Ländern stößt die Haltung der Palästinenserführung auf wenig Verständnis. Der ägyptische Außenminister Ahmed Abul Gheit sprach von einer „terroristischen Operation“. Die vorsätzliche Tötung von Zivilisten verletze alle Gesetze und Regeln und falle unter die „Definition von Terroranschlägen“, unabhängig vom Anliegen der Attentäter. Ähnlich hatte sich zuvor ein jordanischer Regierungssprecher geäußert.
Am Montag hatte sich ein palästinensischer Selbstmordattentäter vor einem Schnellrestaurant in einem Geschäftsviertel von Tel Aviv in die Luft gesprengt und neun Menschen mit in den Tod gerissen. Unter den Opfern befinden sich eine Französin und zwei Rumäninnen. Nach Medienberichten wurden rund 60 Menschen in dem Lokal am zentralen Busbahnhof im Viertel Neve Schaanan verletzt.
[Bildunterschrift: Palästinenserpräsident Abbas verurteilt das Attentat
]
Palästinenserpräsident Machmud Abbas verurteilte die Tat dagegen. Der Anschlag laufe den palästinensischen Interessen zuwider, betonte er. Er forderte die internationalen Nahost-Vermittler auf, "die schwere Verschlechterung zu stoppen, die die Region derzeit erlebt". Militante Palästinenser setzten Abbas daraufhin massiv unter Druck: Er solle sich für den Schaden entschuldigen, den er dem palästinensischen Volk zugefügt habe.
UN-Generalsekretär Kofi Annan nannte den Anschlag "nicht zu rechtfertigen". Bei einer Sitzung des UN-Sicherheitsrates zum Thema forderte er die Autonomiebehörde auf, Stellung gegen solche "ungerechtfertigte Terrorakte" zu beziehen und bat das Nahost-Quartett bestehend aus der Uno, der EU, den USA und Russland zu Beratungen nach New York. Das Treffen soll am 9. Mai stattfinden.
Die Landesrundfunkanstalten der ARD: BR, HR, MDR, NDR, Radio Bremen, RBB, SR, SWR, WDR,
Weitere Einrichtungen und Kooperationen: ARD Digital, ARTE, PHOENIX, 3sat, KI.KA, DLF/ DKultur, DW