Tschernobyl Chronologie des Reaktorunfalls

Stand: 25.08.2007 16:44 Uhr

Im Atomkraftwerk Tschernobyl in der Ukraine ereignete sich am 26. April 1986 der bisher schwerste Unfall in der Geschichte der zivilen Nutzung der Kernenergie. Das katastrophale Ausmaß wurden erst allmählich bekannt:

25. April 1986: In Block vier des Atomkraftwerks werden am Freitagabend für einen Testzyklus die Sicherungssysteme außer Betrieb gesetzt.

Das brennende Atomkraftwerk Tschernobyl im April 1986
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26. April 1986: Im vierten Block des ukrainischen Atomkraftwerkes in Tschernobyl kam es zu einer starken Explosion und damit zum weltweit schwersten Reaktorunglück.

26. April, 01.23 Uhr: Während des Versuchs steigt die Leistung des Reaktors innerhalb von Sekunden an, eine Notabschaltung von Hand misslingt. Eine nukleare Kettenreaktion baut sich auf. Es entsteht Wasserstoff, der explodiert und den Reaktor zerstört. Der Grafitmantel der Brennelemente gerät in Brand.

27. April: Die Behörden befehlen die Evakuierung der in unmittelbarer Nähe des Kraftwerks gelegenen Kleinstadt Pripjat - als reine Vorsichtsmaßnahme und lediglich für drei Tage, heißt es zunächst. Schritt für Schritt werden bis zum 4. Mai alle Anwohner im Umkreis von 30 Kilometern in Sicherheit gebracht.

Um die Brände am Reaktor unter Kontrolle zu bekommen, werfen Helfer aus Hubschraubern und Flugzeugen tagelang Chemikalien, Blei, Sand und Lehm auf den zerstörten Reaktor ab.

Unterdessen breitet sich der Fallout mit dem Wind aus. In Nordfinnland wird stark erhöhte Strahlung gemessen. Sie soll "höchstwahrscheinlich aus einem Kernkraftwerk" in der Sowjetunion entwichen sein.

28. April: Ungewöhnlich hohe Radioaktivität löst bei Messstationen in Schweden und Dänemark Alarm aus. Der Verdacht richtet sich wieder gegen die Sowjetunion. Die amtliche sowjetische Nachrichtenagentur TASS meldet einen Unfall im Atomkraftwerk Tschernobyl.

29. April: Die UdSSR spricht erstmals von einer "Katastrophe" und zwei Todesopfern.

30. April: Moskau dementiert Berichte über Tausende Tote. Luft und Wasser in der Umgebung von Kiew seien in Ordnung. Die Bundesregierung erklärt, die bisherigen Messungen hätten keinen nennenswerten Anstieg der Radioaktivität ergeben. Im Lauf des Tages wird allerdings auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz erhöhte Radioaktivität in der Luft gemessen.

In der DDR werden die Menschen über eine TASS-Meldung informiert, dass es zum "Entweichen einer gewissen Menge radioaktiver Stoffe" gekommen sei

1. Mai: In Süddeutschland trifft eine weitere Wolke mit strahlenden Partikeln ein. Durch heftige Regenfälle lagert sich der radioaktive Fallout ab, vor allem das kurzlebige Jod-131 (Halbwertszeit acht Tage) und das langlebige Cäsium-137 (Halbwertszeit 30 Jahre).

2. Mai: Bund und Länder ergreifen erste Sofortmaßnahmen. Die Einschätzungen der Behörden reichen von "unbedenklich" bis "Katastrophengrenze".

4. Mai: In der Bundesrepublik geht die Strahlung in der Luft geht zurück, steigt aber im Boden.

8. Mai: Die Bonner Strahlenschutzkommission gibt "Teilentwarnung" für Cäsiumwerte und betont, dass Spinat und Salat nicht auf Sondermülldeponien gebracht werden müssen.

13. Mai: Die Sowjetunion gibt bekannt, dass die glühende Reaktormasse in die Erdkruste durchzubrennen drohte, aber noch rechtzeitig gekühlt werden konnte. Das Bundesgesundheitsministerium und die Länder streiten sich immer noch um Grenzwerte für Lebensmittel. Bauern, Einzelhandel und Lebensmittelindustrie fordern Entschädigungen.

16. Mai: Zu Pfingsten geben die Behörden weitgehend Entwarnung für Spinat, Salat, Schnittlauch und Milch. Die sowjetische Presse feiert die Feuerwehrleute der ersten Stunden nach dem Reaktorunfall als Helden.

20. Mai: Teile der Reaktorruine strahlen noch immer so stark, dass eine Annäherung unmöglich ist. Der Bau wird untertunnelt und mit Stickstoff gekühlt.

15. Juni: Ein Teil der Tschernobyl-Betriebsleitung wird wegen Versagens entlassen, der neue Direktor kündigt die Wiederinbetriebnahme der zwei unbeschädigten Blöcke an.

19. Juli: Das Moskauer Politbüro zieht Bilanz: Unglücksursache sei grobe Fahrlässigkeit des Bedienungspersonals gewesen. 28 Menschen seien gestorben, von den 208 Verletzten noch 30 im Krankenhaus.

29. September: Der mit "wichtigen Änderungen" umgerüstete Block eins des Kraftwerks Tschernobyl wird wieder eingeschaltet.

15. November: Der Beton-"Sarkophag" um den Unglücksreaktor ist fertig.

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