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Fast 1000 afrikanische Flüchtlinge sind am Wochenende in überfüllten Booten auf den Kanaren angekommen. So viele auf einmal hatten die Inseln noch nie zu verkraften. Die Auffanglager sind völlig überfüllt. Doch aus Madrid kommt kaum Hilfe.
Von Oliver Glaap, ARD-Hörfunkkorrespondent Madrid
[Bildunterschrift: Schiff mit Flüchtlingen vor den kanarischen Inseln ]
In insgesamt 15 überfüllten Booten kamen Hunderte von illegalen Flüchtlingen in den letzten Tagen auf den Kanarischen Inseln an. Sie kamen aus Mauretanien oder dem Senegal. Hunderte von Kilometern hatten sie zum Teil zurückgelegt. Immer wieder musste der Seenotrettungsdienst der Kanaren ausrücken. „Sobald wir merken, dass sich ein Boot der Küste nähert und man es orten kann, laufen wir aus, um uns um die Leute zu kümmern, damit sie sicher und wohlbehalten an Land kommen“, erzählt Candela vom Rettungsdienst.
Die Auffanglager auf den Kanarischen Inseln sind längst überfüllt, und so wurden provisorische Zeltstädte errichtet und Kasernen geöffnet. Rund um die Uhr kümmern sich Mitarbeiter des Roten Kreuzes um die völlig erschöpften Flüchtlinge. Kanarische Regionalpolitiker warfen unterdessen der Zentralregierung in Madrid vor, nicht genug zur Lösung des Problems zu unternehmen. „Der Staat vernachlässigt im Moment seine Funktionen“, so Paulino Rivero, Chef der Partei „Kanarische Koalition“.
Auch die kanarische Regionalregierung übte Kritik an der Regierung in Madrid, aber nicht nur an ihr. Denn der Schlüssel, so der kanarische Regierungssprecher Miguel Becerra, liege in Afrika. „Wir wissen, dass sich das Problem nicht allein auf der Ebene des Staates lösen lässt, sondern dass sich auch die EU daran beteiligen muss“, so Becerra. Spanien und die EU müssten in der Region vor allem auf diplomatischer Ebene aktiver werden. „Wenn man Maßnahmen beschließt, wie zum Beispiel gemeinsame Patrouillen, dann muss die Umsetzung dieser Maßnahmen sofort passieren“, fordert er.
[Bildunterschrift: Hilfe für die völlig erschöpften Flüchtlinge ]
Spanien und Mauretanien hatten bereits im März, nach der letzten Flüchtlingswelle, gemeinsame Patrouillen vereinbart. Aber erst in dieser Woche soll es damit losgehen. Beamte der spanischen Grenzschutzpolizei hätten nunmehr das erforderliche mauretanische Personal dafür ausgebildet, erklärte ein Vertreter der spanischen Regierung.
Spaniens stellvertretende Ministerpräsidentin Maria Teresa Fernandez de la Vega bestellte unterdessen die Minister für Inneres und Immigration zu einem Krisentreffen. Im engen Kontakt mit den afrikanischen Herkunftsländern und mit Nicht-Regierungsorganisationen bemühe man sich um eine Lösung des Problems, erklärte sie – unter anderem durch Überwachung der Küsten und Bekämpfung der Schleppermafias. „Einerseits sollten alle wissen, dass jemand, der illegal einreist, wieder gehen muss. Andererseits gehen wir dieses Thema an, wie es sich gehört, nämlich unter Beachtung der humanitären Situation derer, die kommen. Die erforderliche Abschiebung erfolgt mit allem Rechtschutz.“
Damit spielte die stellvertretende Regierungschefin indirekt auf die Ereignisse des vergangenen Jahres an, als illegale Immigranten aus den spanischen Exklaven Ceuta und Melilla nach Marokko abgeschoben und dann von den marokkanischen Behörden in der Wüste ausgesetzt wurden. Doch auch so hat sich die Abschiebung Illegaler in der Vergangenheit immer wieder als problematisch erwiesen: Denn Spanien hat mit vielen Herkunftsländern keine Abschiebeabkommen abgeschlossen, und die Herkunft der Immigranten lässt sich oft nicht mehr feststellen.
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