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20.03.2010

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Ausland
Guantanamo
Selbstmorde in Guantanamo
Drei Selbstmorde in Guantanamo

Einer der Häftlinge sollte entlassen werden

Hände eines Inhaftierten in Camp Delta, Guantanamo (Foto: AFP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Hände eines Inhaftierten in Camp Delta, Guantanamo (Archivbild 2004) ]
Einer der drei Häftlinge, die im US-Gefangenenlager Guantanamo Selbstmord begangen haben, sollte in Kürze entlassen werden, doch davon hat er offenbar nichts gewußt. Die Entlassung seines Mandanten Mani Schaman Turki al-Habardi al Utaybi habe unmittelbar bevor gestanden. Dem Gefangenen sei aber noch nichts davon gesagt worden, weil noch unklar gewesen sei, an welches Land er überstellt werden sollte, berichtete der Anwalt Mark Denbeaux dem britischen Rundfunksender BBC.

Nach saudischen Presseberichten vom Samstag, wurden allein in dem Königreich 20 Rückkehrer aus Guantánamo in Kuba erwartet. Nach Angaben der BBC gehörte al Utaybi dazu. Insgesamt sei geplant gewesen 141 aus Guantánamo in Kuba zu entlassen, berichtete BBC.

Das US-Verteidigungsministerium bestätigte die Identität von zwei der Männer, die sich selbst getötet hatten. Bei den Saudi-Arabern handele es sich um al Utaybi und Jasser al Sahrani. Zuvor hatte das saudiarabische Innenministerium die Namen der Gefangenen veröffentlicht. Dokumente des Pentagon belegen, dass Sahrani 21 Jahre alt war - was bedeutet, dass er als Jugendlicher in dem Lager auf Kuba eingesperrt wurde. Den dritten Toten, einen Jemeniten, identifizierte ein Kommandant als Ali Abdullah Ahmed.

Die Selbstmorde waren die ersten von Häftlingen seit der Nutzung des US-Stützpunktes als Gefängnis im Januar 2002. Dutzende Insassen hatten jedoch schon Selbstmordversuche unternommen, zum Teil mehrfach. Der Vorfall zog international neue Forderungen nach einer Schließung des umstrittenen Lagers nach sich.

"Ausgehungert nach menschlichem Kontakt"

Häftlinge in Guantanamo Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Gefangene auf dem US-Stützpunkt in Guantanamo (Archivbild 2003) ]
Die Selbstmorde zeigten, "in welche tiefe Verzweiflung Menschen fallen können, wenn sie über lange Zeit keine Verbindung zur Außenwelt haben", sagte Major Michael Mori dem australischen Rundfunksender ABC.Er ist der Rechtsbeistand des sogenannten "australischen Taliban" David Hicks. Auch sein Mandant sei bei seinem jüngsten Besuch vor einer Woche in schlechter körperlicher und seelischer Verfassung gewesen: Er habe Gewicht verloren, deutliche Zeichen einer Depression gezeigt und sei wie ausgehungert nach menschlichem Kontakt gewesen, berichtete Mori weiter.

Hicks, der der Mitgliedschaft in der afghanischen Taliban-Miliz beschuldigt wird, ist nun schon seit mehr als vier Jahren in dem US-Lager auf Kuba inhaftiert. Der 31-jährige frühere Landarbeiter zählt zu den zehn Häftlingen, gegen die bislang Anklage vor den umstrittenen Militärkommissionen erhoben wurde; die anderen mehr als 400 Insassen wissen teilweise nicht einmal, was ihnen zur Last gelegt wird.

Selbstmord als Akt der Kriegsführung

Aufsehen erregten international die Äußerungen des Kommandeur des Gefangenenlagers, Konteradmiral Harry Harris. "Sie sind gerissen. Sie sind erfinderisch. Sie sind von ihrer Sache überzeugt", sagte er mit Blick auf die Toten. "Sie haben keine Achtung vor dem Leben, weder vor unserem noch vor ihrem eigenen. Ich glaube, das war kein Akt der Verzweiflung, sondern ein Akt (...) der Kriegsführung gegen uns."

Eine Mitarbeiterin der US-Regierung legte am Sonntag nach. Die Selbstmorde seien "ein guter PR-Gag, um Aufmerksamkeit zu erregen", sagte Colleen Graffy BBC World Service.

In Guantanamo halten die USA derzeit 460 Insassen aus 40 Ländern und dem Westjordanland unter dem Verdacht fest, Kontakte zur Extremistenorganisation Al Kaida oder zu den afghanischen Taliban zu haben. Die USA hatten das Lager nach den Anschlägen vom 11. September 2001 eingerichtet und stufen die Gefangenen als feindliche Kämpfer ein, nicht als Kriegsgefangene. Damit haben sie nicht die Rechte, die die Genfer Konvention Kriegsgefangenen zusichert.

Stand: 12.06.2006 12:10 Uhr
 

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