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28.05.2012

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Ausland
Nobelpreis
Nobelpreis für Medizin: Preisträger Steinman wird posthum geehrt
Preisträger stirbt vor Bekanntgabe

Immunforscher bekommt posthum Nobelpreis

Der vor drei Tagen gestorbene Immunforscher Ralph Steinman behält seine Nobelpreis-Ehrung. Wie die Nobelstiftung am Abend in Stockholm mitteilte, wird die Entscheidung nicht rückgängig gemacht, obwohl sie gegen die Statuten verstößt. Danach dürfen Personen eigentlich nicht posthum mit dem Nobelpreis geehrt werden. Es sei denn der Preisträger stirbt zwischen der Bekanntgabe und der Verleihung im Dezember. Das war bereits einmal geschehen, als der Wirtschaftsnobelpreisträger William Vickrey 1996 nur wenige Tage nach der Bekanntgabe starb.

Die schwedischen Juroren wussten nichts von Steinmans Tod am vergangenen Freitag, als sie ihm den Nobelpreis zusammen mit den Immunforschern Bruce Beutler (USA) und Jules Hoffmann (geboren in Luxemburg) zuerkannten. In der Erklärung der Stiftung hieß es, das Verbot der posthumen Auszeichnung beziehe sich nur auf eine bewusst in diesem Sinne getroffene Wahl. Die Juroren hätten die Entscheidung am Freitag um 14.30 Uhr getroffen, ohne von Steinmans Tod um 11.30 etwas zu wissen. "Die Nobelpreis-Entscheidung für Ralph Steinman erfolgte nach bestem Wissen auf der Annahme, dass er lebt", hieß es in der Erklärung des Preiskomitees. "Ich denke, man kann mit Sicherheit sagen, das so etwas noch nie vorgekommen ist", sagte die Sprecherin der Nobelstiftung, Annika Pontikis.

Steinman hat die Hälfte des mit zehn Millionen Kronen (1,1 Millionen Euro) dotierten Preises zuerkannt bekommen, der Amerikaner Bruce Beutler und der Franzose Jules Hoffmann sollten sich die andere Hälfte teilen.

Seit Jahren schwer krebskrank

Die Rockefeller-Universität in New York teilte den Tod Steinmans am heutigen Montag auf ihrer Internetseite mit, kurz darauf verkündete das auch Nobelstiftung. In einer Mitteilung auf der Homepage der Rockefeller-Universität schreibt der Präsident der Hochschule, Marc Tessier-Lavigne, Steinmans Familie habe ihn am Morgen darüber informiert, dass der 68-Jährige am 30. September gestorben sei. Steinman habe seit mehreren Jahren an einer Krebserkrankung gelitten, der er nun erlegen sei. Sein Leben habe er durch eine Immuntherapie verlängern können, die er selbst entwickelt habe. Steinmans Tochter Alexis wurde von der Universität mit den Worten zitiert: "Wir sind alle so berührt, dass die vieljährige harte Arbeit meines Vaters für den Nobelpreis ausgewählt wurde. Er wäre zutiefst geehrt."

Audio: Designierter Nobelpreisträger Ralph Steinman ist tot

AudioAlbrecht Breitschuh, ARD-Hörfunkstudio Stockholm 03.10.2011 18:15 | 3'04
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"Das Verständnis des Immunsystems revolutioniert"

Steinman teilt sich den Nobelpreis in Medizin mit Bruce Beutler (USA) und Jules Hoffmann (geboren in Luxemburg). Die Auszeichnung wird für die Beiträge der Wissenschaftler zur Erforschung des Immunsystems vergeben. "Die diesjährigen Nobelpreisträger haben unser Verständnis des Immunsystems revolutioniert, indem sie zentrale Prinzipien seiner Aktivierung entdeckt haben", hieß es zur Begründung. Beutler und Hoffmann entdeckten Rezeptorproteine, die Bakterien und andere Mikroorganismen bei ihrem Eintritt in den Körper erkennen und die erste Verteidigungslinie des Immunsystems aktivieren können. In der nächsten Phase der Reaktion des Immunsystems kommt die von Steinman entdeckte dendritische Zelle zum Einsatz. Sie hilft bei der Regulierung des Auswurfs eingedrungener Mikroorganismen aus dem Körper.

Jules A. Hoffmann (Foto: AFP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Nobelpreisträger: Jules A. Hoffmann...]
Bruce A. Beutler (Foto: dapd) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: ...und Bruce A. Beutler werden ausgezeichnet.]
 

Durch die Entdeckungen der drei Immunologen konnten unter anderem Impfungen verbessert werden. Auch die Versuche, das Immunsystem beim Angriff auf Tumore zu unterstützen, hätten so verbessert werden können, teilte das Nobelkomitee mit. Beutler und Hoffmann waren 2004 auch schon mit dem Robert-Koch-Preis geehrt worden.

Beutler wurde 1957 in Chicago geboren, seit kurzem arbeitet er an der Universität Texas in Dallas. Jules A. Hofmann kam 1941 in Luxemburg zur Welt, hat aber inzwischen die französische Staatsbürgerschaft. Er war auch an der Universität Marburg tätig. Steinman wurde 1943 in Montreal geboren.

Friedensnobelpreis am Freitag

Am Dienstag und Mittwoch fallen die Entscheidungen in Physik und Chemie. Der Träger des Literaturnobelpreises wird am Donnerstag bekannt gegeben. Freitag gibt das norwegische Nobelkomitee in Oslo den Träger des Friedensnobelpreises bekannt. Die Preise sind mit jeweils zehn Millionen Kronen (1,1 Millionen Euro) dotiert und werden traditionell am 10. Dezember überreicht, dem Todestag des Stifters Alfred Nobel.

Hintergrund:

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Stand: 03.10.2011 21:14 Uhr
 

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