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28.05.2012

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Medienpreis: Kritik an Ehrung für palästinensischen Pfarrer
Auszeichnung für palästinensischen Pfarrer

Ein Preisträger, der aneckt

Angela Merkel hat ihn bekommen, Nelson Mandela und Bill Clinton - den Deutschen Medienpreis. In diesem Jahr geht er an vier "leise Friedensstifter" ohne bekannte Namen. Unter ihnen ist auch Mitri Raheb, evangelischer Pfarrer aus Bethlehem. Seine Wahl löste im Vorfeld Protest aus. Einige christlich-jüdische Vereine werfen ihm Judenfeindlichkeit vor.

Von Sebastian Engelbrecht, ARD-Hörfunkstudio Tel Aviv

Die Deutschen vergeben gern Preise an Menschen, die Israelis und Palästinenser zusammenbringen, meint Mitri Raheb. Warum? Weil die Deutschen sich dann gut fühlten. Der Empfänger des Deutschen Medienpreises sträubt sich gegen jede Friedensromantik, die in den Köpfen mancher Europäer steckt. Denn solche Romantik hat aus der Sicht des evangelischen Pfarrers von Bethlehem mit der Wirklichkeit nichts zu tun.

Der palästinensische Pfarrer Mitri Raheb vor der Verleihung des Friedenspreises 2008 (Foto: picture-alliance/ dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Gegen wirklichkeitsfremde Friedensromatik: der evangelische Pfarrer Raheb aus Bethlehem ]
Raheb betreibt neben seiner Gemeinde ein Internationales Begegnungszentrum, ein Bildungswerk und ein Gesundheitszentrum. Er konzentriert sich seit 15 Jahren darauf, die Kultur des friedlichen Dialogs unter den Palästinensern zu fördern. "Wenn man sich selbst nicht lieben kann, kann man den Feind nicht lieben. Die meisten Deutschen wollen, dass wir den Feind lieben, ohne dass wir uns mit uns selbst beschäftigen. Ich sage, das ist genau das Falsche. Wenn man es nicht schafft, sich selbst zu lieben, kann man seine Frau nicht lieben und seine Nachbarn nicht lieben und seinen Feind nicht lieben."

Trotz dieses sperrigen Ansatzes soll der 49-jährige Raheb in diesem Jahr den Deutschen Medienpreis erhalten, zusammen mit einem russischen Offizier, einer afghanischen Pädagogin und einem kongolesischen Arzt.

Audio: Kritik an Vergabe des Deutschen Medienpreis an palästinensischen Theologen Raheb

AudioSebastian Engelbrecht, ARD-Hörfunkstudio Tel Aviv 23.02.2012 21:14 | 3'40
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Bei der Deutsch-Israelischen Gesellschaft stieß die Entscheidung auf Widerstand. Deren Präsident Reinhold Robbe wirft Raheb vor, er sei ganz wesentlich mitverantwortlich für das so genannte Kairos-Papier palästinensischer Kirchenführer, das vor zwei Jahren erschien. Sie rufen darin zum gewaltlosen Widerstand gegen die israelische Besatzung palästinensischen Landes auf.

In dem Papier heißt es: "Palästinensische zivile Organisationen, wie auch internationale Organisationen, Nichtregierungsorganisationen und bestimmte religiöse Institutionen rufen einzelne, Unternehmen und Staaten auf, sich zu beteiligen (…) an einem wirtschaftlichen und kommerziellen Boykott von allem, was durch die Besatzung produziert wird. Wir verstehen dies im Sinne der Logik des friedlichen Widerstands."

Jahrhundertealte judenfeindliche Stereotypen?

Auch der Koordinierungsrat der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit distanziert sich von der Preisverleihung an Raheb. Dieser vertrete die Überzeugung, dass Israel in den biblischen Verheißungen durch Palästina zu ersetzen sei. In dem von Raheb mitverfassten Papier steht: "Wir erklären auch, dass die israelische Besatzung palästinensischen Landes eine Sünde gegen Gott und die Menschlichkeit ist, weil sie die Palästinenser ihres grundlegenden Menschenrechts beraubt, das Gott ihnen gewährt."

In solchen Sätzen sehen die Kritiker Rahebs einen Rückfall in "jahrhundertealte judenfeindliche Stereotypen". Die Verheißung des Landes Israel an das jüdische Volk wird verschwiegen, und die Palästinenser werden in theologischen Formulierungen als rechtmäßige Besitzer des Landes hingestellt.

Biblisches Israel nicht mit Staat Israel gleichsetzen

Raheb selbst formuliert den Besitzanspruch der Palästinenser auf das Land so: "Würden Sie heute einen DNA-Test machen vom König David, von Jesus und von mir, so kann ich Ihnen versichern: Wir haben viel mehr miteinander zu tun (…) als König David, Jesus und die russischen Immigranten, die jetzt hier importiert werden aus wirtschaftlichen Gründen."

Der Pfarrer von Bethlehem stellt also nicht Jesus als Palästinenser dar und bestreitet nicht die alttestamentlichen Verheißungen Gottes an das jüdische Volk. Aber er wehrt sich dagegen, das biblische Israel mit dem heutigen Staat Israel gleichzusetzen. Hier liegt der Kern des Streits zwischen Raheb und seinen Kritikern.

Stand: 24.02.2012 00:13 Uhr
 

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