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21.03.2010

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Ausland
Viele Spitzenjournalisten in Frankeich entlassen
Entlassung von Spitzenjournalisten in Frankreich

Sarkozy hat die Fernbedienung in der Hand

Der Fall des ZDF-Chefredakteurs Nikolaus Brender empört Staatsrechtler und Journalisten. Es wird von "gefährlicher Einmischung" der Parteien gesprochen. In Frankreich mussten in den letzten Jahren einige Spitzenjournalisten ihre Posten räumen. Im Zusammenhang mit deren Kündigungen fällt immer wieder ein Name: Präsident Sarkozy.

Von Johannes Duchrow, WDR-Hörfunkstudio Paris

Juli 2008: Eine Ikone tritt ab. Patrick Poivre d’Arvor war über 20 Jahre lang fast jeden Abend mit dabei in Frankreichs Wohnzimmern – als Moderator der 20:00 Uhr Nachrichten des privaten Senders TF1. Er verabschiedete sich mit den Worten: "In aller Bescheidenheit: Weil ich das, was heute Abend passiert, nicht verhindern konnte, umarme ich sie alle, und die Redaktion, die mich jetzt tatsächlich schon 21 Jahre lang treu begleitet hat."

Patrick Poivre d Arvor Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: 20 Jahre lang fast jeden Abend im Fernsehen: der Moderator Patrick Poivre d’Arvor. ]
Jeder in Frankreich kannte den beliebten Journalisten unter dem Kürzel PPDA. Die Tageszeitung Libération lästerte damals ein wenig: PPDA, das war "vorgekaute Nachrichtennahrung, mit ein paar Aussprachefehlern und vor allem: alles klang gleich". Aber: Libération und andere Medien stellten vor allem die entscheidende Frage, warum der 60-Jährige gehen musste, obwohl er doch ausdrücklich bis 2012 weitermachen wollte. Die Satiresendung "Les Guignols de l’info" – übersetzt heißt dies "die Nachrichtenkasper" - schoben es seiner Puppe in den Mund. Er sei zu alt.

Und immer sind es die Quoten

Offiziell sollen es die Quoten gewesen sein. Statt einst 38 bis 40 Prozent jeden Abend, nur noch 34 Prozent der Zuschauer. PPDA hatte von seiner Kündigung aus der Zeitung erfahren. Er selber deutete an, es habe keine "journalistischen Gründe" für seine Entlassung gegeben. Und er sagte auch: "Das müssen Sie schon selber recherchieren, dann werden Sie ja sehen."

Auf jeden Fall musste er gehen. Es wurde von einer Abfindung in Millionenhöhe gemunkelt und davon, dass Staatspräsident Nicolas Sarkozy mehrfach erwähnt habe, dass ihm PPDA und seine kleinen Spitzen auf den Wecker gingen. Ein Zusammenhang wurde natürlich nie bewiesen, aber Sarkozy ist ein enger Freund des Baulöwen Martin Bouygues. Der ist wiederum der Hauptaktionär von TF1. Zumindest für die Gewerkschaften beim Privatsender gab es einen klaren Zusammenhang.

Ein Foto kosteste Genestar den Arbeitsplatz

Alain Genestar Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Ein Foto kostete Alain Genestar den Arbeitsplatz. ]
Es war weder das erste noch das letzte Mal, dass Sarkozy und Entlassungen von Spitzenjournalisten in einem Atemzug genannt wurden. Zum Beispiel nach dem Rausschmiss von Alain Genestar, bis 2006 Chefredakteur des Traditions-Klatschblattes "Paris Match". Sein Fehler: Er hatte ein Foto von Sarkozys damaliger Frau Cecilia und deren Liebhaber auf die Titelseite gehoben. Auch hier gehört das Magazin einem Freund von Sarkozy, dem Rüstungs- und Medienunternehmer Arnaud Lagardère. Genestar hat seinen Zorn über die Kündigung inzwischen in einem Buch veröffentlicht: "Das Ergebnis dieses Drucks ist schockierend, nicht der Druck selber. Dass mein Boss diesem sicher sehr zornigen Präsidenten nachgegeben hat, das ist der Unterschied. Sarkozy geht auch mit seinen Ministern so um. Er rastet aus, sucht Schuldige und bestraft."

Auch der ehemalige Intendant des steuerfinanzierten französischen Radios, Jean-Pierre Cluzel, ist einer, der von Sarkozy bestraft wurde. So sehen es zumindest die meisten Journalisten im und außerhalb des Senders. Nach seiner Wahl im Jahr 2007 hatte sich Sarkozy per Gesetz das Vorschlagsrecht für den Intendantenposten gesichert. Trotz traumhafter Quoten und gelungener Sanierung der Senderfinanzen wurde Cluzel ersetzt – unter anderem wahrscheinlich, weil die beißende Satire im Frühprogramm der landesweit ausgestrahlten Welle France Inter dem Präsidenten nicht genehm war.

Stand: 28.11.2009 01:41 Uhr
 

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