Flaggen der USA und Großbritanniens | Bildquelle: picture alliance / empics

Trump empfängt May Diese besondere Beziehung

Stand: 26.01.2017 11:23 Uhr

Seit mehr als 75 Jahren besteht zwischen den USA und Großbritannien eine besondere politische Beziehung. Bei ihrem Besuch beim neuen US-Präsidenten will nun auch Theresa May auf diese "Special Relationship" setzen - und dabei ganz offen reden.

Von Jens-Peter Marquardt, ARD-Studio London

Es war wohl Winston Churchill, der diese "Special Relationship", diese spezielle Beziehung zwischen Briten und Amerikanern, erfunden hat - zunächst als Bündnis gegen Nazi-Deutschland, später als Garantie für einen zukünftigen Frieden. So beschwor der britische Premierminister bei einer Rede im amerikanischen Fulton 1946 diese spezielle Beziehung: "Wir werden weder eine sichere Vorbeugung vor einem neuen Krieg, noch einen anhaltenden Aufstieg der Vereinten Nationen erreichen, ohne die brüderliche Vereinigung der Englisch sprechenden Völker."

Das besondere politische Verhältnis zwischen Briten und Amerikanern entstand auch aus einer ganzen engen persönlichen Beziehung zwischen Churchill und US-Präsident Franklin D. Roosevelt. Zwischen 1939 und 1945 schickten sich die beiden Staatsmänner 1700 Briefe und Telegramme und trafen sich elf mal.

In den Jahren danach geriet die besondere Beziehung aber erst einmal in den Hintergrund. Bis Margaret Thatcher und Ronald Reagan die Bühne betraten. Die beiden mochten und schätzten sich, sendeten vor allem wirtschaftspolitisch auf einer Wellenlänge.

Theresa zu Gast bei Donald

Damals Maggie und Ronald, jetzt Theresa und Donald. Die britische Premierministerin ist der erste ausländische Staatsgast, den der neue US-Präsident im Weißen Haus empfängt. Sie freue sich darüber, sagte sie vor dem Abflug im Unterhaus. Das sei ein Zeichen für die besondere Beziehung.

Erst einmal hielt Theresa May in Philadelphia eine Rede vor den republikanischen Kongressabgeordneten, vor konservativen Freunden also. Danach folgt das Treffen mit Donald Trump im Weißen Haus - vielleicht der Beginn einer neuen ganz besonderen Freundschaft. Trump jedenfalls hat die Briten bereits vor dem Treffen zum Brexit-Votum beglückwünscht: "Ich glaube, dass der Brexit großartig wird. Es ist sehr klug von Großbritannien, aus der EU auszutreten."

Die Premierministerin will Trump schon einmal die Grundlage für ein britisch-amerikanisches Freihandelsabkommen nach dem Austritt aus der EU bereiten. Und damit auch ein bisschen die Kontinentaleuropäer ärgern.

Chlorhühnchen für Großbritannien?

Nicht alle in Großbritannien halten das für eine gute Idee. Angus Robertson, der Fraktionsvorsitzende der schottischen Nationalisten im Londoner Unterhaus, sorgt sich schon mal um die Zukunft der britischen Lebensmittel: "Die Europäische Union, zu der wir ja immer noch gehören, hat die wohl höchsten Nahrungsmittelstandards in der Welt." Die Vereinigten Staaten aber wollten genmodifizierte Organismen exportieren, hormonbehandeltes Rindfleisch und chlorbehandelte Hühnchen. "Werden Sie dem Präsidenten sagen, dass wir nicht bereit sind, unsere Lebensmittelstandards zu senken?"

Die Premierministerin blieb die Antwort darauf erst einmal schuldig. Aber ihre Umgebung versuchte, zumindest die europäischen Partner vor dieser Reise zu beruhigen: Bei der knallharten britischen Position gegen Russland werde es bleiben, die britische Regierung werde auch zu den Verpflichtungen aus dem Pariser Klimaschutzabkommen und zur NATO stehen, so hieß es in der Downing Street.

Auch besondere Beziehungen müssten Differenzen aushalten können. May kündigte an, sie werde mit Trump ganz offen reden - die "Special Relationship" mache das möglich.

Theresa May auf Antrittsbesuch in den USA
Jens-Peter Marquardt, ARD-Studio London
26.01.2017 09:08 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 26. Januar 2017 um 10:02 Uhr

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