Theresa May | Bildquelle: dpa

USA und Großbritannien Als Erste kommt "My Maggie"

Stand: 22.01.2017 13:35 Uhr

Als ersten ausländischen Staatsgast will der neue US-Präsident eine Frau empfangen: Theresa May. Beide suchen nach dem wirtschaftlichen Vorteil für ihre Nation. Und dann verbindet sie noch eine ganz spezielle historische Parallele.

Von Stephanie Pieper, ARD-Studio London

Donald Trump soll Theresa May bereits als "My Maggie" bezeichnet haben: eine Anspielung auf das gute Verhältnis zwischen Margaret Thatcher und Ronald Reagan in den 1980er Jahren. Der neue US-Präsident hat die britische Premierministerin nach Washington eingeladen, und May will bei dem Treffen mit Trump am Freitag auf der "special relationship" - der historisch besonderen Beziehung beider Länder - aufbauen, wie sie in der BBC sagte.

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Vom ersten Treffen an verband Margaret Thatcher und Ronald Reagan eine tiefe politische Freundschaft.

Nach dem Brexit wird ein möglicher bilateraler Handelsdeal ganz oben auf Mays Agenda stehen. Ein solches Abkommen hat Trump, der die Entscheidung der Briten für den EU-Austritt mehrfach begrüßt hat, bereits in Aussicht gestellt.

Rolle der Frau kein Thema

Auf die Frage, ob sie den Präsidenten nach den weltweiten Protestmärschen auch auf seine Haltung gegenüber Frauen ansprechen werde, antwortete May ausweichend. Es sei bereits ein Statement zur Rolle von Frauen, dass sie als Premierministerin des Vereinigten Königreichs ihn treffen werde. Wann immer es etwas gebe, das sie nicht akzeptabel finde, habe sie keine Angst, dies Trump zu sagen, so May.

Auch über die Bedeutung der NATO und den gemeinsamen Kampf gegen den Terror will sie mit ihm sprechen. Die Botschaft von Trumps Antrittsrede "Amerika zuerst" wollte die konservative Regierungschefin nicht kritisieren. Für May selbst gilt für den Brexit offenbar ebenfalls "Großbritannien zuerst"; jedenfalls bekräftigte sie ihre Warnung an die 27 EU-Partner, kein Deal sei besser als ein schlechter Deal.

US-Abkommen statt EU-Binnenmarkt

Die Premierministerin setzt zwar auf das beiderseitige Interesse, ein wirtschaftlich vernünftiges Abkommen zu schließen; May signalisierte zugleich aber erneut ihre Bereitschaft, das britische Wirtschaftsmodell notfalls neu zu justieren - etwa durch deutlich niedrigere Unternehmenssteuern. Diese Drohung aus London stößt nicht nur in anderen europäischen Hauptstädten auf Kritik, sondern auch daheim bei der oppositionellen Labour Party. Es sei ein Kamikaze-Unterfangen, Verhandlungen mit einer Drohgebärde zu beginnen, die nicht umsetzbar sei, meint Schatten-Finanzminister John McDonnell.

Mays Strategie eines harten Brexit kritisierte auch Nick Clegg, der unter David Cameron als Chef der Liberaldemokraten fünf Jahre Vize-Premier war. Kein noch so ambitioniertes Handelsabkommen mit den USA könne aufwiegen, was Großbritannien durch den Austritt aus dem EU-Binnenmarkt direkt vor seiner Haustür verliere, beklagte Clegg.

Tee mit der Queen?

Britische Medien spekulieren darüber, dass Königin Elisabeth II. den US-Präsidenten noch in diesem Sommer zu einem Staatsbesuch in das Vereinigte Königreich einladen könnte. Roter Teppich, royaler Pomp und Prunk: Ein solcher Empfang dürfte Donald Trump gefallen - zumal seine verstorbene Mutter, die aus Schottland stammte, nach seinen Worten ein großer Fan der Queen war.

Erster Besuch: May trifft Trump
S. Pieper, ARD London
22.01.2017 13:35 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 22. Januar 2017 um 13:10 Uhr.

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