Kommentar

Theresa May  | Bildquelle: REUTERS

Mays Parteitagsrede Eine Qual für alle

Stand: 04.10.2017 19:45 Uhr

Es war ein quälender Auftritt: May hustete, sie krächzte, verschluckte sich fast an einem Bonbon. Die Rede der britischen Premierministerin auf dem Tory-Parteitag geriet zu einem kleinen Debakel - und hat eine Menge Symbolkraft.

Ein Kommentar von Jens-Peter Marquardt, ARD-Studio London

Mühsam erreichte Theresa May das Ende ihrer einstündigen Rede: von Hustenanfällen geschüttelt, krächzend, die Stimme versagend, immer wieder nach dem Wasserglas greifend, sich fast am Bonbon des Finanzministers verschluckend. Die Zuhörer hatten Mitleid mit der Premierministerin und sehnten das Ende dieser Quälerei genauso herbei wie wohl sie selbst.

Diese Unpässlichkeit wäre eigentlich nicht der Rede wert, hätte sie nicht so viel politische Symbolkraft. May hat sich nicht nur durch ihre Rede gequält, sondern auch mühsam über den Parteitag gerettet. Irgendwie waren alle froh, als es vorbei war. Ganz anders als eine Woche zuvor bei der politischen Konkurrenz: Da feierten die Delegierten ihren kauzigen und altlinken Vorsitzenden Jeremy Corbyn wie einen Popstar. In Manchester wollte niemand feiern.

May fehlen Kraft und Charisma

Die Gewichte in der britischen Politik verschieben sich: Die linke Opposition ist im Aufwind, die konservative Regierung im Abwind. May spürt das. Sie verspricht, die Ungerechtigkeiten in der britischen Gesellschaft zu bekämpfen, verspricht mehr Schulen, mehr Wohnungen und will die Energiepreise deckeln. Eine Kehrtwende der Konservativen: In den vergangenen Jahren hatten sie auf immer weniger Staat gesetzt, wollten seit Margaret Thatcher alles dem Markt überlassen.

May spürt, dass das nicht mehr reicht. Sie will wieder einen stärkeren Staat. Doch ihr fehlen die Kraft und das Charisma, um ihre Partei hinter sich zu versammeln und die Kehrtwende für die Bürger glaubhaft zu machen.

Das Kabinett - ein einziger Hühnerhaufen

Die Gründe dafür liegen in ihrer Person, der verlorenen Mehrheit im Parlament und dem Brexit. May arbeitet hart, wirkt aber kühl und schafft es nicht, andere mitzureißen. Sie hat sich verkalkuliert, als sie die Unterhauswahl vorzog, um die Mehrheit der Konservativen im Parlament zu vergrößern, im Ergebnis aber die Mehrheit verlor. Und der Brexit, die größte Herausforderung für das Land seit dem Zweiten Weltkrieg, bindet alle Kräfte und lässt keinen Raum für andere Initiativen.

May hat den Austritt aus der EU nicht gewollt, exekutiert aber nun Volkes Willen. Und das mit einer EU, die ihr weiter die kalte Schulter zeigt und auf ihre Kompromissangebote nicht reagiert. Und mit einem Kabinett, das ein einziger Hühnerhaufen ist, in dem alle durcheinander gackern.

Da gibt es den Finanzminister, der vor den Folgen des Brexits für die Wirtschaft warnt. Schon jetzt seien die Investitionen in Großbritannien zurückgegangen, die Konjunktur mache schlapp, so Philipp Hammond auf dem Parteitag in Manchester. Und Gesundheitsminister Jeremy Hunt flehte an gleicher Stelle: Liebe Krankenschwestern und Ärzte aus ganz Europa, kommt weiter nach Großbritannien - ohne euch bricht das britische Gesundheitssystem zusammen.

Hustenanfall, Störenfried und Bühnenpanne bei Mays Parteitagsrede
tagesschau 17:00 Uhr, 04.10.2017, Mareike Aden, ARD London

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Eine Regierungschefin auf Abruf

Auf der anderen Seite die glühenden Brexiteers im Kabinett, die vom Paradies auf Erden nach dem Austritt aus der EU schwärmen: Handelsminister Fox, Brexit-Minister Davis und vor allem Außenminister Boris Johnson, der am liebsten selbst in 10 Downing Street einziehen möchte und alles tut, um die Premierministerin alt aussehen zu lassen.

May scheint sich angesichts all dieser Querschüsse in ihr Schicksal zu fügen. Es gebe nun mal unterschiedliche Meinungen in ihrer Regierung, sagte sie am Rande des Parteitags. Sie wolle kein Kabinett von Ja-Sagern.

Auf Dauer wird Theresa May damit nicht durchkommen. Politische Führung geht anders. Gegen den Husten helfen wohl ein paar Pillen, aber den Ruf, eine Parteivorsitzende und Regierungschefin auf Abruf zu sein, wird sie so nicht los. May wird vielleicht noch im Jahr 2019 den Brexit über die Bühne bringen, aber sie wird die Konservativen nicht mehr in die nächste Unterhauswahl führen.  

Redaktioneller Hinweis

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 04. Oktober 2017 um 17:00 Uhr.

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