Theresa May im Wahlkampf | Bildquelle: AFP

Wahl in Großbritannien Mays mühsamer Endspurt

Stand: 06.06.2017 16:19 Uhr

So hatte sich Theresa May den Wahlkampf nicht vorgestellt. Erst holt die Labour Party kräftig auf. Und nun weiß niemand, wie sich die jüngsten Attentate auf die Wahl auswirken. Umso intensiver beschwört die Premierministerin die eigene Führungsstärke.

Von Jens-Peter Marquardt, ARD-Studio London

Theresa May kündigte nach Ostern, gerade zurück vom Wandern in Wales, überraschend Neuwahlen an. Niemand ahnte da, dass ein junger Mann aus Manchester einen Anschlag auf das Ariana-Grande-Konzert vorbereitet, dass kurz vor dem Wahltag drei Londoner mit einem Lieferwagen Passanten auf der London Bridge überfahren und anschließend Restaurant- und Barbesucher am Borough Market niederstechen würden.

Mit Terror und innerer Sicherheit hatte Mays Entscheidung nichts zu tun, beides war bis kurz vor Schluss kein Top-Thema im Wahlkampf. Mays Begründung für die Neuwahl: Sie wünsche sich ein klares Mandat für die bevorstehenden Verhandlungen in Brüssel über den Austritt Großbritanniens aus der EU. Die Premierministerin möchte, dass die Wähler daheim ihre Position am Verhandlungstisch in Brüssel stärken, dass sie hinter ihr stehen, wenn sie dort für Großbritannien kämpft.

Auswirkungen der Attentate auf die Wahl in Großbritannien
nachtmagazin 00:30 Uhr, 07.06.2017, Julie Kurz, ARD London

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Die Konservativen waren im Umfragehoch

Neben der offiziellen Version gibt es aber noch einen anderen Grund: Die Gelegenheit für eine Neuwahl war um Ostern herum einfach zu günstig, um sie verstreichen zu lassen. Die Opposition am Boden, die Konservativen im Umfragehoch und dazu die Aussicht, volle fünf Jahre lang mit einem glänzenden Wahlsieg im Rücken und einer noch größeren absoluten Mehrheit im Unterhaus durch die kommende schwierige Brexit-Zeit steuern zu können.

Im Dorf Sonning, westlich der Hauptstadt, wo Theresa May zuhause ist, spürt man noch wenig von einem Brexit-Sturm oder dunklen Wolken, die aus Europa herüberziehen. Hier zwitschern die Vögel in diesem Frühjahr so lieblich schön, als habe es nie ein Referendum gegeben. Sonning sei der feenhafteste Winkel an der gesamten Themse. So hatte einst der Dichter Jerome Klapka Jerome das idyllische Dorf in seinem Welterfolg "Three Men in a Boat" ("Drei Mann in einem Boot") beschrieben. Sonning ist immer noch ein Idyll, auch wenn George Clooney vor kurzem hierher gezogen ist und das Dorf plötzlich eine Premierministerin bekommen hat.

Die Einwohner Wendy und Roger Gentle scheinen überzeugt von ihrer Nachbarin. Theresa May, erzählen sie, sage, was sie vorhabe. Sie sei sehr gut und eine der wenigen, die sich wirklich um Antworten auf schwierige Fragen bemühten.

Die Partei ist in den Hintergrund getreten

May war ohne eine Wahl Premierministerin geworden. Ihr Vorgänger David Cameron trat vor einem Jahr zurück, nachdem er das Referendum über die EU-Mitgliedschaft Großbritanniens verloren hatte. In dem politischen Chaos um Camerons Nachfolge blieb am Ende nur eine übrig: die Pastorentochter Theresa May. Ihre Person steht jetzt ganz im Vordergrund des konservativen Wahlkampfs. Die Partei ist in den Hintergrund getreten. Als May in Halifax in Yorkshire, im englischen Norden, das Wahlprogramm vorstellte, war es nicht das Programm ihrer Partei, sondern "mein" Programm.

Immer und immer wieder, egal, wo sie in diesem Wahlkampf hinkommt, stellt Theresa May die Wähler vor die Alternative: Entweder eine starke Führung in ihren Händen - oder eine Chaos-Koalition der Oppositionsparteien. "Es ist die Wahl zwischen einer starken und stabilen Führung mit mir als Premierministerin", sagt sie. "Oder einer schwachen, instabilen Regierung, angeführt von Jeremy Corbyn und gestützt von den Liberaldemokraten, die die Spaltung des Landes vor dem Referendum wieder aufreißen wollen, und Nicola Sturgeon mit ihren schottischen Nationalisten."

May hatte 20.000 Stellen bei der Polizei gestrichen

Theresa May wiederholt das Wort von der starken und stabilen Führung in diesem Wahlkampf so oft, dass einige schon vom "Maybot" sprechen, vom Theresa-May-Roboter. Die Premierministerin setzt einfach darauf, dass die Briten in schwierigen Zeiten eine starke Frau an der Spitze wollen. May präsentiert sich als eine zweite Eiserne Lady, als neue Margaret Thatcher. Und das umso mehr seit den jüngsten Anschlägen im Land. Wird also der Anti-Terror-Kampf jetzt zu dem, was für Thatcher einst der Falkland-Krieg war? Werden die Attentate den Boden für einen Erdrutschsieg der Konservativen bereiten?

Sicher ist das nicht. Denn es war die Innenministerin Theresa May, die 20.000 Stellen bei der Polizei gestrichen hat. Eine Steilvorlage für die Opposition: Die Labour Party verspricht im Wahlprogramm Tausende neuer Stellen bei der Polizei. Andererseits war Labour-Chef Jeremy Corbyn als Linksaußen seiner Partei bisher alles andere als eine Speerspitze des Anti-Terror-Kampfes. Damit ist offen, wem die Briten am Ende mehr Kompetenz in dieser Frage zutrauen. Mehr noch: Es ist noch nicht einmal sicher, ob die Anschläge einen entscheidenden Einfluss auf die Wahl haben. Der Abstand zwischen Mays Konservativen und Corbyns Labour Party hat sich in den Umfragen immer weiter verkürzt. Der 8. Juni wird auf jeden Fall spannender werden als von der Premierministerin bei ihrer Osterwanderung erwartet.  

Theresa Mays erste Wahl
J. Marquardt ARD London
06.06.2017 16:32 Uhr

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Über dieses Thema berichteten am 06. Juni 2017 Deutschlandfunk um 07:38 Uhr und Inforadio um 15:11 Uhr.

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