Ein US-Grenzpolizist läuft am Zaun zwischen den USA und Mexiko. | Bildquelle: dpa

Grenze zu Mexiko Trump sucht die Mauerbauer

Stand: 04.04.2017 11:19 Uhr

Die Mauer zu Mexiko ist eines der umstrittensten Projekte von US-Präsident Trump. Mehr als 700 Firmen wollen sich dafür bewerben, nun endet die Frist für die Ausschreibung. Wie teuer der Bau wird, darüber gehen die Schätzungen weit auseinander.

Von Andreas Horchler, ARD-Studio Washington

Es war ein zentrales Versprechen des Wahlkämpfers Donald Trump: "Build that wall." Eine große - aus Sicht Trumps - schöne Mauer an der Grenze nach Mexiko sollte Drogendealer, Kriminelle und Sexualstraftäter davon abhalten, in die USA zu kommen. Mexiko werde bezahlen. Der mexikanische Präsident Pena Nieto hatte das strikt abgelehnt.

Per Anordnung begann der US-Präsident das Mauerprojekt, unter anderem ging es um die Ausschreibung für das Bauwerk: Weil es viele offene Fragen gab, wurde die Frist für die Bieter um eine Woche verlängert, bis zum heutigen Dienstag. Mehr als 700 Firmen bewerben sich um das gigantische Projekt.

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USA - Mexiko: Reise entlang beider Seiten der Grenzlinie (Februar 2017)

Grenze USA Mexiko: Zaun bei Dunes

3144 Kilometer lang ist die Grenze zwischen Mexiko und den USA. Weite Teile sind bereits mit einem Grenzzaun, hier bei Nogales/Arizona, gesichert. "Borderproject2017" ist eine Initiative der Nachrichtenagentur AFP. Die Fotografen Jim Watson, Guillermo Arias und Yuri Cortez reisten auf beiden Seiten des Zauns vom Pazifik bis nach Texas. (Foto: Jim Watson) | Bildquelle: AFP

"Hindernis, das einschüchtert"

Die Penna Group aus Fort Worth, Texas, ist einer der Betriebe: Michael Evangelista-Ysasaga ist der Besitzer, ein Nachkomme illegaler Einwanderer. Auch heute noch sind Familienmitglieder ohne Aufenthaltsgenehmigung im Land. Seine Bewerbung brachte ihm laute Kritik in der eigenen Familie ein.

Aber für den Unternehmer geht es um viel Geld, um eine "humane" Mauer, die keine Menschen verletzt - und um ein Statement, eine Abschreckung. Das Ziel des Ganzen sei es doch, "unsere Grenze zu sichern und ein möglichst großes Hindernis zu errichten". Allerdings räumt Evangelista-Ysasaga ein: "Jeder Vertragspartner der Regierung, der sagt, dass er eine Mauer bauen wird, die Einwanderer zu einhundert Prozent abhält, lügt. Das ist nicht der Punkt. Der Punkt ist, ein Hindernis zu errichten, das einschüchtert und unsere Sicherheit maximiert."

Keine deutschen Firmen

Trotz zwischenzeitlich anderslautender Berichte bewerben sich keine deutschen Firmen für das Projekt. Die mehr als 3200 Kilometer lange Mauer soll nach der ursprünglichen Vorstellung des Präsidenten neun Meter hoch werden. Heimatschutzministerium und Grenzschutz würden sich nach Informationen des Senders NBC nun auch mit fünfeinhalb Metern zufriedengeben.

An der Nordseite, also Richtung USA, soll das Bauwerk ästhetisch ansprechend gestaltet werden. Kletterer sollen den Wall nicht überwinden können, Presslufthammer sollen ihm nichts anhaben dürfen. Die Fundamente sollen mindestens zwei Meter tief sein, um Tunnelgräber abzuschrecken.

Teure Mauer ohne Wirkung?

Michael Seifert, Aktivist bei der Menschenrechtsorganisation "Equal Voice Networks" in Brownsville, Texas, hält Trumps Mauer für Unsinn. Er hatte noch nie Probleme mit Menschen, die über die Grenze kamen, hält die Region am Rio Grande ohne die Einwanderer für wirtschaftlich nicht überlebensfähig. Er ist sich sicher, die Mauer werde so wirkungsvoll wie der bereits jetzt vorhandene rostige Zaun sein: "Man braucht acht Sekunden, um über einen Zaun zu klettern, der sechseinhalb Millionen Dollar pro Meile gekostet hat. Ich habe neun Sekunden benötigt, weil ich alt bin."

Und die Mauer wird viel teurer als der Zaun. Während Trump Gesamtkosten von nicht mehr als 14 Milliarden Euro erwartete, kam der Sender CNBC nach einer Analyse auf mehr als 23 Milliarden. Dazu kommen jährliche Wartungskosten von 700 Millionen Euro.

Unterschiedliche Kostenschätzungen und -rechnungen

Trump-Wähler wie der junge Andrew aus Laredo, der von einer Karriere beim Grenzschutz träumt, sind vom Mauerprojekt trotzdem begeistert: Er präsentiert andere Zahlen, weil die Mauer aus seiner Sicht mehr Sicherheit schaffen werde. "Das wird eine Festung. Es wird gesagt, sie wird zehn Milliarden kosten. Es kostet 113 Milliarden, illegale Immigranten zu unterstützen. Das habe ich auf Facebook gelesen. Sehen Sie sich das an!"

Die Kostenschätzungen gehen so weit auseinander wie die politischen Kommentare zu Trumps Plänen. Welche Mittel der US-Kongress für die Grenzmauer bewilligen wird, erscheint derzeit unsicher. Laut Angaben der demokratischen Senatorin Claire McCaskill sieht der kommende Haushaltsplan Ausgaben von 2,4 Milliarden Euro vor. Damit könnte ein Mauerteilstück von knapp 120 Kilometern gebaut werden.

Bewerbungsschluss für Mauer zu Mexiko
A. Horchler, ARD Washington
04.04.2017 11:59 Uhr

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Über dieses Thema berichtete WDR5 im Morgenecho am 04. April 2017 um 06:22 Uhr.

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